Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage 2002
HC mit SU, 160 Seiten
Originaltitel: La tête en bas
Aus dem Französischen von Uli Wittmann
Euro (D) 14.90 | sFr 25.90 | Euro (A) 15.40
ISBN: 978-3-462-03134-8

Genre: Belletristik



Klappentext:

Ob sie nun über jüngere oder ältere Frauen schreibt, immer geht es Noëlle Châtelet in ihren Büchern um die Identität, um den Körper, den Umgang mit sich selbst und darum, sich selbst anzunehmen. So auch in „Mit dem Kopf zuerst“. Nur ist diesmal die Hauptfigur keine Frau …

Denise hasst Röcke und tobt am liebsten mit den Jungs herum. Ihr Vater, der sich einen Sohn gewünscht hatte, geht spielerisch auf ihre Bedürfnisse ein, die Mutter jedoch wird zunehmend besorgter. Denn am Ende der Kindheit zeigt sich deutlich, dass im Körper von Denise zwei existieren – ein Mädchen und ein Junge.

Mit der ihr eigenen Sensibilität und ohne jeglichen Voyeurismus erzählt Noëlle Châtelet von einem ungewöhnlichen Leben, von den Leiden und Erniedrigungen, aber auch von der Liebe.

„Schwierige Fragen darstellen mit dem Lächeln der Erzählung.“ Noëlle Châtelet



Rezension:

Mit dem Kopf zuerst erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich anders fühlt, ohne dabei wirklich zu wissen, was dieses Gefühl auslöst.
Von der Mutter extrem in der Weiblichkeit unterstützt und gefördert, zum Beispiel durch Klavierstunden, wird Denise von ihrem Vater kaum beachtet – lediglich bei sportlichen Aktivitäten, wie am Trapez, gewinnt sie seine Aufmerksamkeit. Hier gibt er seiner Tochter Hilfestellungen und zeigt ihr, dass er stolz auf sie ist.
Gemessen an der Gesamtseitenzahl bemerkt Denise ziemlich schnell, dass sie kein Mädchen sein will, dass sie sich als Junge fühlt. Dass ihre beste Freundin viel mehr als das ist – sie stellt lange Zeit die einzige Liebe dar und ist letztlich auch die Person, die Denise die Entscheidung mehr oder weniger abnimmt, ob sie ihr Anderssein leben soll.
Mit einer kindlichen, aber irgendwie doch auch weisen und reifen Aufforderung wird das kleine Mädchen Denise schließlich auf den für sie – beziehungsweise ihn – einzig richtigen Weg geschubst.

In einer insgesamt ziemlich verworrenen, teilweise extrem verwirrenden Zeitabfolge und einer nicht immer direkt verständlichen, aber sehr einfach und eher kindlich gehaltenen Sprache erzählt Noëlle Châtelet von der Verwandlung eines Geistes und eines Körpers – wie der Titel sagt: Mit dem Kopf zuerst. Bei dieser Verwandlung befindet sich nie beides auf einer Ebene. Obwohl der Titel des Buches in der Erzählung öfter fällt, wird erst nach dem Lesen und einigem Nachdenken wirklich klar, in welchem Zusammenhang der Titel eigentlich mit dem Inhaltlichen steht.
Die Thematik macht während des Lesens ein wenig nachdenklich, wird aber nicht vollends ausgeschöpft. Von einer preisgekrönten Autorin, deren andere Romane über Frauen hochgelobt werden, bekommt man in diesem Buch leider nicht viel mit – vielleicht liegt das aber auch an der Erwartungshaltung, die deshalb möglicherweise zu hoch ist.

Was man Noëlle Châtelet allerdings zugestehen muss, ist die wirklich gute Darstellung zweier so unterschiedlicher Personen, die sich den größten Teil des Buches ihren Körper teilen. Auch wenn man weder das Mädchen noch den jungen Mann wirklich kennen lernen darf, was durch die sprunghafte Erzählart nahezu unmöglich gemacht wird, erhält man einen Eindruck von der Liebe zum Detail, mit welcher die Autorin zeitweise arbeitet.



Fazit:

Was im Klappentext als interessante Thematik und spannende Auseinandersetzung mit selbiger verkauft wird, entpuppt sich leider als ziemliche Mogelpackung. Viele inhaltliche, teilweise auch wortwörtliche Wiederholungen und die sprachliche Einfachheit – vieles kommt vielleicht auch durch die Übersetzung zustande – schmälern das Lesevergnügen deutlich.
Trotzdem gehört Mit dem Kopf zuerst zu den Büchern, die man – einmal angefangen – kaum mehr aus der Hand legen kann.



Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 2/5
Preis/Leistung: 2/5

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