UBooks, 1. Auflage Mai 2009
226 Seiten, Taschenbuch
Euro 9,95 [D] | 10,30 [A]
ISBN 978-3-86608-105-5

Genre: I-Pop



Klappentext:

Ein Schrebergarten ist ein Hobby, Seidenmalerei und Bergsteigen sind Hobbys, meine Filmerei aber war viel mehr. Es war meine Art, mich der Welt zu stellen. Nämlich mit einer Kamera dazwischen.

Bobo ist noch jung und naiv, als er von seinen Freunden überredet wird, für deren Pornodreh als Kameramann zu fungieren. Doch von dem alten Haus mit den Wertsachen hätte er ihnen mal besser nichts erzählt, denn jetzt wittern die das schnelle Geld. Bobos Leben gerät aus den Fugen und die Katastrophe scheint unausweichlich …

Ich war harmlos. Ich dachte zwar manchmal, gleich verlöre ich die Kontrolle, aber ich wusste, auch danach wäre ich harmlos. Ganz leicht zu bremsen. Ich hätte alles für sie getan …

Ein rasantes Roadmovie voller Witz und Melancholie.



Rezension:

Erwachsenwerden ist keine leichte Aufgabe. Schon gar nicht, wenn man irgendwie perspektivlos ist, nur in den Tag hinein lebt und die Leute, die man als Freunde bezeichnen möchte, einen selbst zwar dulden, aber nicht wirklich wahrnehmen. Wenn der Alltag aus Schule, Rumhängen, Schlafen und Essen besteht und man sich für nichts wirklich begeistern kann.

Der Protagonist Bobo ist ein gar nicht so besonderer Fall. Mancher Leser wird sich teilweise wiedererkennen, denn Bobo ist ein ganz normaler Jugendlicher, der kurz vor seinem Abitur steht und nichts Außergewöhnliches vorzuweisen hat. Niemand interessiert sich so wirklich für ihn, doch ihn stört das nicht, solange er mit sogenannten Freunden zusammen sein darf. Ohne die wüsste er nichts mit seiner Zeit anzufangen, daher ist es ihm egal.
Das Einzige, was ihn neben seinen Freunden – und seiner ersten Liebe Sanne, die mit seinem besten Kumpel zusammen ist – interessiert, ist die Filmerei. Da liegt es nahe, dass er Kameraführung und alles Drumherum bei einem geplanten Pornodreh übernehmen soll. Als dieser Plan mächtig schief läuft, bekommen seine Freunde Wind von dem Heimvideo, das Bobo auf Bitten seines Vaters für dessen Freundin gedreht hat – Aufnahmen eines alten Mannes bzw. seiner Wohnung, die bis oben hin vollgestopft ist mit angeblich wertvollem Zeug. Eine bequeme Lösung für den verpatzten Porno, der eine sichere Geldquelle sein sollte.

Die Fahrt ins nicht weit entfernte Kaff, um nur ein paar Bilder aus der Wohnung des Alten zu klauen, um es den rechtmäßigen Besitzern gegen eine stattliche Belohnung zurück zu geben, entpuppt sich als eine Reise ins Erwachsenenleben, die eine Einbahnstraße darstellt. Die Ereignisse überschlagen sich, man kommt weder als Leser noch als Protagonist zum Luftholen, ein Unfall passiert – und plötzlich ist nichts mehr, wie es mal war. Denn plötzlich ist die Kindheit, die Jugend, die Unschuld, die Naivität vorbei und man ist erwachsen, einfach so, von einem Moment auf den anderen.

Kurz erzählt mit „Bis gestern war ich harmlos“ eine eigentlich ganz typische Passage des Lebens, den oft verwaschenen Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Dabei ist er einfühlsam und sensibel, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. In einfach gehaltener Sprache bringt er dem Leser nahe, was möglicherweise aus der eigenen Entwicklung verdrängt wurde, und erinnert daran, dass der Schritt zum Erwachsenendasein gar kein so großer ist.
Besonders schön ist der Zeitsprung am Ende des Buches, wo der Leser einige Jahre später noch einmal einen kurzen Einblick in das Leben Bobos bekommt. Hier wird gezeigt, wie sich Menschen und Freundschaften verändern können und wie oft man sich als Erwachsener die Frage stellt, wie man damals mit solchen Leuten befreundet sein konnte.



Fazit:

„Bis gestern war ich harmlos“ trägt einen Hauch Nostalgie in sich und vermittelt mit Humor und Sensibilität das Gefühl, dass die eigene Jugend vielleicht doch gar nicht so schlimm war, wie man damals dachte. Mit sympathischen Charakteren und einigen sehr ausschweifenden, aber gar nicht störenden Anekdoten ist dieses Buch ein Muss.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5



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