Blanvalet, 1. Auflage November 2008
Deutsche Erstveröffentlichung, übersetzt von Joannis Stefanidis
Taschenbuch, 448 Seiten
Euro 13,00 [D]
ISBN: 978-3-44226-590-9

Genre: Jugendfantasy



Klappentext:

Eigentlich war Jacks bester Freund Charlie schon immer supercool. Dass plötzlich ein lebendig wirkendes schwarzes Tattoo Charlies Rücken schmückt, beweist nur, dass er sogar noch viel cooler ist, als Jack geglaubt hat. Und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, kann Charlie auf einmal auch noch kämpfen wie ein Kung-Fu-Meister, fliegen und die Gedanken anderer Menschen kontrollieren. Er hat tatsächlich Superkräfte! Doch die Sache hat einen Haken: Charlies schwarzes Tattoo ist ein Geschenk der Hölle …

Ein atemberaubender Höllentrip!



Rezension:

Sam Enthovens Debüt “Blacktattoo“ besticht durch ein ins Auge fallendes Cover und auch der Klappentext lädt direkt dazu ein, sich in die Geschichte vom Jack und Charlie fallen zu lassen. Was als spannendes Abenteuer verkauft wird, entpuppt sich aber leider ziemlich schnell als unorigineller Jugendroman, der mit nicht besonders individuellen Ideen und einem holprigen Erzählstil aufwartet.

Charlie, dessen Eltern sich gerade getrennt haben, ist der optimale Wirt für den bösen Dämonen, der einfach nur von allen „Der Geißeler“ genannt wird. Anscheinend typisch für ihn, weil das an jeder möglichen und unmöglichen Stelle in exakt gleichem Wortlaut erwähnt wird, ist seine Stimme. Denn diese scheint hinter den Augäpfeln einer jeden Person kleine Explosionen auszulösen – dabei greift Enthoven auf eine Pratchett-Manier zurück und lässt den Geißeler ausschließlich in fett gedruckten Buchstaben sprechen. Nun ja, laut Story hatte er auch knapp 1000 Jahre Zeit zum Üben.

Während der Anfang noch recht plätschernd ist, fragt man sich nach den ersten hundert Seiten, was der Autor sich eigentlich beim Schreiben dieses Buches gedacht hat. An dieser Stelle sind drei von den „Guten“ tot und übrig bleiben drei Jugendliche – einer vom Dämon besessen, einer vom Dämon abstammend und der dritte scheinbar völlig unfähig. Dass Jack, der dritte Jugendliche, am Ende zu einer der wichtigsten Figuren des Buches wird, ist in den ersten Kapiteln nicht ersichtlich und doch irgendwie vorhersehbar. Ersterer und letzterer landen schließlich in der Hölle, während die Kämpferin Esme, die ihr Leben lang ausgebildet wurde, dem Geißeler entgegen zu treten, in unserer Welt zurückbleibt und weiter Pläne schmiedet.
Weitere neunzig Seiten später kommt Jack zu Tode, um etwa zehn Seiten später von niemand Geringerem als Gott himself – hier Gottfried genannt – wieder zum Leben erweckt zu werden. An dieser Stelle sei erneut darauf hingewiesen, dass die Geschichte sich hauptsächlich in der Hölle abspielt und es zu keinem Zeitpunkt in den Himmel geht.

Wie gesagt, viele innovative Ideen bringt Enthoven mit seinem Debüt nicht auf den Markt. Jedoch muss man ihm die Vielfalt der Höllebewohner zugute halten, die zum einen fantastisch erdacht und zum anderen sehr bildhaft beschrieben sind. Da fällt es leicht, die fledermausartigen Ernährer der Dämonengladiatoren sofort ins Herz zu schließen.
Insgesamt wirkt “Blacktattoo“ oft wie ein Mix aus vielen zusammengewürfelten Ideen. Als Leser hat man manchmal den Eindruck, als wäre an diversen Stellen die Luft raus und seine Schreiblust einfach dahin. An diesen Stellen ist sowohl der Plot als auch der Schreibstil sehr schleppend und eigentlich hat man gar keine Lust, noch weiter zu lesen. Irgendwie will man aber doch wissen, wie die Geschichte ausgeht, und so kämpft man sich weiter.
Besonders unscheinbar sind die Kampfszenen, in die zwar viel Detailtreue gesteckt wurde, bei denen aber der Funke nicht so recht überspringen möchte. Sprung- und Trittmanöver, die man sich gar nicht vorstellen kann, werden dort vollführt, und natürlich kann der Angegriffene ein ums andere Mal ausweichen. Das alles wirkt als Gesamtpaket sehr unrealistisch und schmälert den Lesespaß um einiges.

Getreu Enthovens Motto, welches auf dem Klappentext zu lesen ist, er fühle sich dem Ideal verpflichtet, dass seine Bücher den Leser dazu treiben, gleich das nächste Buch zu lesen, greift man zum nächsten Fantasy-Roman und hofft, dass dieser einen mehr überzeugen kann. “Blacktattoo“ gerät durch seine teilweise eher lieblose Umsetzung leider schnell in Vergessenheit.



Fazit:

Als Jugendbuch mit Witz und Fantasie durchaus gelungen, ist Enthovens Debüt allerdings nicht besonders anspruchsvoll für Erwachsene.



Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

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