UBooks, 2. Auflage Januar 2008
Taschenbuch, 152 Seiten
€ 9,95 [D] | € 10,30 [A]
ISBN: 978-3-86608-027-0

Genre: Anti-Pop



Klappentext:

Er könnte nicht sagen, dass er sich jemals wirklich für sein Leben entschieden hätte. Es war einfach so passiert. Und wenn er darauf zurückblickt, war eigentlich auch alles bestens … bis auf seinen Vater, seine Freunde, seinen Job, seine Frau und den Kaffee. Als er endlich einsieht, dass sich etwas ändern muss, zeigt Paul seinem bisherigen Leben die Zähne, ohne dabei zu bedenken, dass sich das Leben wehren könnte …



Rezension:

„Wer ist eigentlich Paul?“ – Das ist die erste Frage, die einem beim Lesen des Vorwortes („zum Überlesen“) in den Sinn kommt. Und diese Frage bleibt den ganzen Geschichtenverlauf über bestehen, man findet den Charakter irgendwie nicht – und man bemüht sich wirklich.

Paul und seine Frau Susi sind seit ein paar Jahren verheiratet. Beide hassen seinen Vater. Der hat nichts Besseres zu tun, als genau an ihrem Hochzeitstag zu sterben – pure Absicht, wenn es nach Susis Meinung geht. Obwohl Paul all die Jahre unter seinem Vater gelitten hat, nimmt ihn dessen Tod doch sehr mit. Vielleicht liegt das auch nur daran, dass er nichts hat, was ihn ablenkt – kurze Zeit vorher hatte er seinen Job als Metzger hingeschmissen, und auch seine Ehe reizt ihn irgendwie nicht mehr so sehr wie am Anfang. Zwar hat er regelmäßig Sex mit seiner Frau, aber genauso oft streiten sie sich auch wegen Belanglosigkeiten – was nichts Schlechtes ist, wenn man bedenkt, dass Susi als Wiedergutmachung immer ihren Körper anbietet.

Irgendwann lernt Paul irgendwie Constanze kennen – eine gerade 18-jährige noch bei ihren Eltern wohnende Domina. Viel mehr erfährt man auch über diese Person nicht, wie bei allen anderen Charakteren spart Reichardt leider auch hier mit Details. Mit Constanze betrügt Paul seine Susi, lässt sich dabei im eigenen Schlafzimmer erwischen und zieht schließlich in das Haus seines verstorbenen alten Herrn, um zu sich selbst zu finden, Susis vorwurfsvollen und leidenden Blicken zu entkommen und natürlich Constanze ungehindert empfangen zu können.
Doch Susi gibt nicht auf, sie besucht ihn dort – und trifft natürlich auf Constanze. Es kommt zum Streit, die (Wort-)Fetzen fliegen, es wird mit relativ harmlosen Kraftausdrücken und schwerem Gerät um sich geworfen und schließlich trifft ein schweres Teil den armen Paul am Kopf – er wird ohnmächtig. Als er wieder aufwacht, liegt er im Krankenhaus, kann sich erstmal an nichts erinnern und hört plötzlich diese seltsame Stimme. Für verrückt erklärt begibt er sich auf Kur, während welcher Susi ihn betrügt – mit ihrem Fitnesstrainer. Was Paul eigentlich gar nicht erfahren hätte, würde er nicht die Stimme des Erzählers hören, die seine Geschichte erzählt. Dass die Antworten des Erzählers im Dialog mit Paul das Komischste am Buch sind, macht es nicht besonders lesenswert.

Leider sind diese verschiedenen Passagen völlig ohne erkennbare Zusammenhänge aneinander gereiht worden, sodass die Sprünge das Lesen ungemein erschweren. Auch nach der letzten Seite – im letzten Kapitel ist von einem vorher nie erwähnten Jimmy die Rede – fragt man sich, wo eigentlich der Sinn des Buches liegt.
Wo es an Inhalt zu fehlen scheint, kann auch die Sprache leider nichts wettmachen. Ständige Wortwiederholungen, massive Grammatik- und Schreibfehler, vergessene und überflüssige bzw. doppelte Wörter gesellen sich zu unlogischen Äußerungen, nicht ganz zu begreifenden Zusammenhängen und nicht aufgeklärten Handlungen. Zwar sind viele Dinge aus dem Alltag gegriffen und für den Leser nachvollziehbar, allerdings ist es auf die Seitenanzahl gerechnet einfach zu viel des Guten. Auch die wenigen Stellen, an denen man schmunzeln musste, wirken im Nachgang eher wie ungewollte Komik.
Eine gute, wenn auch nicht besonders innovative Grundidee – einen Haufen Klischees zu nehmen und in eine Geschichte einzubinden, die Sinn ergibt und Spaß macht – mit mangelhafter Umsetzung. Leider hat der Autor die letzten beiden Punkte vergessen und dem Leser den Klischeehaufen einfach wild vor die Füße geworfen.



Fazit:

Der Autor bedient sich reichlich an Klischees, schöpft seine Möglichkeiten aber nicht voll aus. Und das ist es, was wirklich schade an Aus dem Off ist – die Grundideen sind gut, die Umsetzung jedoch farblos und langweilig.



Wertung:

Handlung: 1,5/5
Charaktere: 1,5/5
Lesespaß: 1,5/5
Preis/Leistung: 1,5/5

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