Piper, September 2007
Originaltitel: My Sister’s Keeper
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Kartoniert, 478 Seiten
€ 8,95 [D], € 9,20 [A], sFr 16,90
ISBN-13: 978-3-49224-796-2

Genre: Belletristik



Klappentext

Ohne ihre Schwester Anna kann Kate Fitzgerald nicht leben: Sie hat Leukämie. Doch als Anna dreizehn Jahre alt ist, weigert sie sich, weiterhin Knochenmark für ihre todkranke Schwester zu spenden. Für sie besteht kein Zweifel mehr, dass sie nur geboren worden ist, um ihrer Schwester das Leben zu retten. Aber Anna beginnt sich zu fragen, wer sie wirklich ist. Und sie beschließt nun, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – ein Anwalt soll dafür sorgen, dass sie ihren Körper nie mehr für Kate zur Verfügung stellen muss …



Rezension

Dein eigenes Kind, zum Sterben verurteilt, bevor das Leben wirklich begonnen hat – was würdest Du tun?

Als Kates Eltern von der schweren Krankheit ihrer Tochter erfahren, beschließen sie, ein weiteres Kind zu bekommen – genetisch so maßgeschneidert, dass schon Annas Geburt das Leben Kates rettet. Im Laufe der Jahre muss Anna immer und immer wieder die Lebensretterin für Kate spielen, eigentlich gegen ihren Willen – oder doch nicht? Schließlich ist Kate ihre Schwester und sie liebt sie.
Mit dreizehn Jahren soll Anna eine Niere spenden – und beschließt schließlich, sich zu wehren. Sie sucht einen bekannten Anwalt auf, der sich ihren Fall anhört und nach einigem Überlegen auch annimmt. Unter Beobachtung der Verfahrenspflegerin Julia, mit der er schon öfter zusammengearbeitet hat und mit der auch private Hintergründe bestehen, macht Campell sich daran, Annas Rechte zu verteidigen. Doch auch Campell hat ein wohlbehütetes Geheimnis, das erst zum Ende der Geschichte aufgeklärt wird.

Das Buch beginnt mit einem Faustschlag, der erste Satz geht direkt in die Magengrube und hinterlässt ein dumpfes Gefühl:
In meiner frühesten Erinnerung bin ich drei Jahre alt und versuche, meine Schwester umzubringen.
Im Verlauf des gesamten Buches hat Picoult geschickt immer wieder solche Momente eingebaut, in denen man als Leser schlucken muss und vor der Frage steht „Wie würde ich in dieser Situation entscheiden?“ Dabei bedient sie sich einer ungeschönten Sprache, die sehr gut zum Inhalt der Geschichte passt – klar, direkt, unverblümt, offen. Die Übersetzer haben hier wirklich gute Arbeit geleistet, denn auch die deutsche Version ist sehr eindrücklich.

Durch die verschiedenen Perspektiven, in denen die einzelnen Kapitel erzählt werden, bekommt der Leser Einblick in die verschiedenen Charaktere. Da sind die Eltern Brian und Sara, die sich einerseits um Kate sorgen und sie unbedingt retten wollen, auf der anderen Seite aber auch Annas Entscheidung zu verstehen versuchen. Der jugendliche Bruder Jesse wird gerne übersehen, was ihn verhaltensauffällig macht – es dauert jedoch seine Zeit, bis die Eltern endlich verstehen, dass auch ihr Sohn ihre Unterstützung und Liebe braucht. Anwalt Campell und Verfahrenspflegerin Julia kommen sich im Laufe der Geschichte näher, was anfangs ein wenig störend wirkt, sich aber später gut ins Geschehen einpasst. Und schließlich Kate und Anna, die beiden Schwestern, um die es hauptsächlich geht.
Jeder Charakter hat seine Eigenheiten und so variiert auch die Sprache ein wenig – stilistisch gesehen ist Beim Leben meiner Schwester ein Genuss für jeden Literaturliebhaber. Picoult verbindet Sprachgefühl mit einer spannenden und einfühlsamen Geschichte, das Ergebnis ist ein rundum gelungener Roman, über dessen minimale Schwächen gerne hinweggesehen wird.



Fazit

Eine atemberaubende, tiefgehende, erschütternde Familiengeschichte, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt und den Leser noch lange und immer wieder beschäftigt. Uneingeschränkt empfehlenswert!



Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Advertisements