Egmont Lyx, 1. Auflage August 2009
Originaltitel: Phoenix Chronicle – Any given Doomsday
Aus dem Amerikanischen von Petra Knese
Klappbroschur, Seiten: 336
12,95€ [D] | 13,40€ [A]
ISBN 978-3-80258-234-9

Genre: Fantasy



Klappentext:

Jetzt beginnt die letzte Schlacht – diese Worte raunt Ruthie ihrer Pflegetochter Elizabeth Phoenix zu, bevor sie stirbt. Tage später erwacht Liz im Krankenhaus, heimgesucht von düsteren Visionen. Was hat es mit Ruthies geheimnisvollen Worten auf sich? Und warum taucht ausgerechnet jetzt Liz’ Ex-Geliebter Jimmy Sanducci wieder auf? Unversehens gerät die ehemalige Polizistin Liz zwischen die Fronten eines Krieges übernatürlicher Mächte, und die wieder entflammte Leidenschaft für Jimmy führt nicht nur Liz an den Rand des Abgrunds …

Innerer Klappentext:
Einst nutzte Elizabeth Phoenix ihre übersinnlichen Kräfte, um der Polizei von Milwaukee im Kampf gegen die Ungerechtigkeit zur Seite zu stehen. Doch eines Tages wird Liz’ Pflegemutter auf grausame Weise ermordet und Liz selbst bewusstlos am Tatort aufgefunden. Ihre einzigen Erinnerungen sind Träume von entsetzlichen Dämonen, die direkt der Hölle entsprungen zu sein scheinen. Was haben diese Träume zu bedeuten? Und was hat Liz’ Ex-Freund Jimmy Sanducci mit alldem zu tun?
Während die Polizei Jimmy für den Täter hält und Jagd auf ihn macht, zeigt dieser der ahnungslosen Liz die Welt des Übernatürlichen, in der schon seit Anbeginn der Zeiten Krieg herrscht. Nur ein kleiner Kreis von Auserwählten hat die Fähigkeit, das Böse zu bekämpfen, und Jimmy glaubt, dass auch Liz dazugehört. Die längst verloren geglaubten Gefühle zwischen den beiden entflammen erneut, und die gefährliche Leidenschaft bringt Liz an den Rand des Abgrunds. Denn Jimmy hütet ein Geheimnis, das Liz bis ins Innerste treffen und den Fortbestand der gesamten Menschheit gefährden kann …



Rezension:

Wie ein Phönix aus der Asche erhob sie sich …
… und stürzte leider ab. Denn obwohl Grundidee, Titel, Aufmachung und Klappentext(e) vielversprechend sind, konnte das Buch bis auf wenige wirklich überzeugende Stellen nicht vollständig mitreißen. Dabei merkt man Asche tatsächlich an, dass die Autorin, die schon Erfolge mit ihrer Werwolf-Serie verbuchen konnte, sich sehr viel Mühe gegeben hat – anscheinend aber zu viel. Teilweise wirken geschriebenes Wort und der darin verpackte Inhalt zu bemüht, als dass wirklich Stimmung aufkommen könnte.

Insgesamt schafft es die Geschichte, die innovative Grundlagen besitzt, kaum, in Schwung zu kommen und den Leser ins Geschehen zu ziehen. Obwohl in Ich-Form geschrieben und aus Sicht der Protagonistin Elizabeth Phoenix erzählt, fühlt sich der Leser immer wie ein zuschauender Außenseiter. Verbunden damit, dass die Story anfangs sehr zäh anläuft und nur schwer ins Rollen kommt, findet man während des gesamten Lesens keinen vernünftigen Zugang zum Buch. Nur wenige Stellen verstehen es, so sehr zu fesseln, dass man sie in einem Rutsch durchliest und anschließend noch mal eine oder zwei Seiten zurückblättert, um die ganze Szene noch einmal zu genießen. Diese Momente gehören leider zu den seltenen.

Auch bei den Charakteren zeigen sich deutliche Schwächen.
Während Lizzy auf der einen Seite eine 25jährige ehemalige Polizistin ist, die ihren Partner auf dem Gewissen hat und mit unendlichen Schuldgefühlen kämpfen muss und nach ihrer Kündigung nun in der Bar der Witwe desselben arbeitet, bekommt sie auf der anderen Seite gleich eine ganze Hand voll neuer Fähigkeiten – sie kann hellsehen, ist Gestaltwandlerin und verschafft sich Zugang zu den Träumen anderer. Damit nicht genug, nein, außerdem besitzt sie das umstrittene Glück, sich als Empathin durch Sex die magischen Kräfte ihrer Partner anzueignen. Fast scheint es so, als wolle die Autorin das Kindheitsschicksal der bei ihrer Pflegemutter aufgewachsenen Jugendlichen durch viele aufregende Eigenschaften im Erwachsenenleben ausgleichen – dabei übertreibt sie es jedoch ziemlich, vor allem weil alle neuen Eigenschaften ganz plötzlich und auf einmal da sind, und Liz kaum weiß, womit sie sich zuerst abfinden soll. Auch wirkt Liz einige Male sehr viel jünger als 25 und scheint mit so manchem Spruch zwingend humorvoll sein zu wollen.

Bei den beiden Männern, die in diesem ersten Teil eine tragende Rolle spielen, sieht es ganz ähnlich aus. Jimmy, der Liz’ Exliebe darstellt und für den sie – natürlich – immer noch starke Gefühle hegt, ist ein sogenannter Dhampir – halb Mensch, halb Vampir. Und Sawyer, Liz’ Lehrmeister aus Jugendtagen und für ihre spätere Entwicklung wichtiger Bestandteil der Story, ist ein jahrhundertealter Gestaltwandler, der von seinem magischen Volk verstoßen wurde, weil sein Vater sich auf eine böse Seele, und damit dem Feind, eingelassen hat.
Dass Liz aus verschiedenen Gründen und mit verschiedenen Ausgangspunkten mit beiden männlichen Protagonisten Geschlechtsverkehr hat, soll die Geschichte wohl spannend und erotisch machen. Leider wirken die eingeflochtenen Erotik-Szenen manchmal unbeholfen und scheinen teilweise geradewegs aus einschlägigen Drehbüchern entnommen worden zu sein. Bis auf die sexuellen Ereignisse im letzten Kapitel haben diese Szenen kaum erotische Atmosphäre, sondern hinterlassen eher den Eindruck, als seien sie nur um des Sexes Willen im Manuskript gelandet – getreu dem Motto „Sex Sells!“

Während die Autorin sich so sehr auf die gute Seite der Protagonisten konzentriert hat, ging leider viel Potential für die böse Seite verloren. Gerade der Widersacher – Mörder Ruthies und Auftraggeber sämtlicher Schwierigkeiten machender Gestalten im Verlauf des Buches – scheint ein sehr interessanter Charakter zu sein, von dem man sich sehr zum Bedauern schon wieder trennen muss, kaum dass man ihn kennen gelernt hat. Hier kann man nur hoffen, dass die Bösewichte in den Folgeromanen nicht genauso kurz kommen.

Sprachlich nur wenig abwechslungsreich und ohne Besonderheiten gestaltet, gehört Handelands Serienauftakt nicht zu den besten Büchern im Fantasy-Genre. Mit teilweise unglaubwürdigen Protagonisten, aber sehr interessanten und vielfältigen Nebencharakteren, auf die leider nicht näher eingegangen wird, ist Asche aber definitiv auch kein Ladenhüter, sondern wird mit ziemlicher Sicherheit eine Vielzahl von Anhängern finden.



Fazit:

Eine tolle Fantasy-Idee, die es durch nur mittelmäßige Umsetzung und übertriebene, fehl am Platz wirkende Erotik-Passagen leider nicht schafft, vollständig zu überzeugen. Trotzdem weckt Asche die Neugier auf den zweiten und dritten Teil der Chroniken rund um Liz Phoenix, deren Erscheinungsdaten der deutschen Ausgaben bei Erstellung der Rezension noch nicht bekannt waren.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5



Handeland, Lori: Die Phoenix-Chroniken II – Glut
Handeland, Lori: Die Phoenix-Chroniken III – Blut

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