PAN, 1. Auflage Oktober 2009
Originaltitel: Meridian
Aus dem Amerikanischen von Karin Dufner 
Flexcover, 352 Seiten
EUR (D) 12,95
ISBN 978-3-426-28301-1

Genre: Fantasy



Klappentext:

Berührend, magisch, ungewöhnlich

„Mein Name ist Meridian. Ich gehöre leider nicht zu den Mädchen, die man gerne zu Geburtstagsfeiern einlädt – denn obwohl ich es ganz sicher nicht will, muss ich mein Leben mit dem Tod teilen. Ich bin eine Fenestra: Durch mich gelangen die Seelen der Verstorbenen in den Himmel. Aber davon wusste ich nichts, bis ich sechzehn Jahre alt wurde – und plötzlich in großer Gefahr schwebte …“

Ein besonderes Mädchen.
Ein großes Abenteuer.
Ein außergewöhnliches Leseerlebnis!



Rezension:

Lux tenebras semper vincit.
Das Licht besiegt stets die Dunkelheit.
(Seite 319)

Die Welt geteilt in zwei Hälften – Gut und Böse – Schöpfer und Zerstörer – Licht und Dunkelheit – Fenestrae und Aternocti.
Zwischendrin fast die gesamte unschuldige Menschheit, die nichtsahnend durch die Welt zieht, ihr Leben lebt und den um sie tobenden Krieg zwischen zwei seit Urzeiten bestehenden Seiten gar nicht wahrnimmt. Oder wahrnehmen will.

Meridian ist sechzehn, als sie an ihrem Geburtstag kurz vor Weihnachten mehr oder minder mit Gewalt von ihrer Familie getrennt und nach Colorado zu ihrer Tante Merry geschickt wird. Obwohl sie nach ihr benannt ist, hat sie diese Tante nie zu Gesicht bekommen, das einzige Lebenszeichen und Kontaktritual war die alljährliche Steppdecke, die am Morgen des Geburtstages bereits auf Meridian wartete.
Ihr bisheriges Leben war sie Außenseiterin, ausgeschlossen von den anderen Kindern und Jugendlichen, denn völlig egal, wo sie sich befand, stets schien sie den Tod zu bringen. Da nie jemand mit ihr darüber gesprochen hatte, ging sie fest davon aus, dass „etwas“ mit ihr nicht stimmte, und zog sich mit der Zeit von selbst immer mehr zurück, suchte auch gar nicht mehr die Nähe der anderen. Einzig ihr kleiner Bruder Sammy gab ihr die uneingeschränkte Liebe und Zuneigung, die jedem Menschen zugute kommen sollte.
Und ausgerechnet Sammy muss sie für ihre Reise nach Colorado zurücklassen, auf die sie ohne Nennung von Gründen und aus heiterem Himmel geschickt wird. Zwar wird sie von ihren Eltern grob instruiert, was sie tun soll und worauf sie achten muss, doch der Sinn dieser langen Fahrt ins Ungewisse wird erst nach ihrer Ankunft klar.

Der Leser wird schon im Prolog in die Handlung geworfen und findet sich so mitten in der Geschichte wieder. Durch die Ich-Erzählperspektive erhält man manchmal den Eindruck, als bekäme man alles direkt von Mer-D, wie Sammy sie als kleiner Junge nannte, erzählt. Auf Grund der vielen Informationen und dem wirklich schnellen Ablauf der ersten Szenen wirkt der Start ein wenig gehetzt, doch im Laufe der kommenden Kapitel kehrt langsam eine angenehme Ruhe und Gleichmäßigkeit ein. Meridian kommt bei ihrer Tante an, schließt Bekanntschaft mit der Hauswölfin Custos und dem Jungen Tens, der bei ihrer Tante wohnt, und lebt sich langsam ein. Weil zwischen den Kapiteln teilweise recht große Zeitsprünge sind, während andere direkt aneinander anschließen, ist es zeitweise ein wenig verwirrend und man verliert schnell das Zeitgefühl.
Im Laufe ihres Aufenthaltes bei ihrer Tante lernt Meridian ihr wahres Ich immer mehr kennen und versteht, dass sie nicht den Tod bringt, sondern eher als eine Erlöserin anzusehen ist. Denn durch ihre Gabe hilft sie den Seelen der Sterbenden beim Übergang auf die andere Seite. Die Beschreibungen dieser Übergänge sind sehr plastisch dargestellt und man fühlt sich als Leser, als würde man mitten im vorgestellten Zimmer und vor dem geöffneten Fenster stehen.

Geschickt in die mystische Handlung eingeflochten sind die zarten Bände, die sich zwischen Meridian und Tens entwickeln. Auch wenn man schon bei der zweiten oder dritten Begegnung sicher ist, dass sich da mehr entwickeln wird, dauert es viele Kapitel, bis die beiden zueinander finden und sich auch darauf einlassen. Hierbei wurde das Augenmerk nicht auf die entstehende Liebesbeziehung, sondern auf die größeren Zusammenhänge von Gut und Böse gelegt. Das sachte und teilweise unbeholfene Herantasten ist niemals aufdringlich, fügt sich hervorragend ein und stellt einen schönen Kontrast zum ansonsten eher ernst gehaltenen Thema dar.

Leider lernt man keinen der Charaktere wirklich gut kennen, alles wird nur ein bisschen angerissen. Meridian ist ein in sich gekehrtes und unsicheres Mädchen, als sie bei ihrer Tante aufgenommen wird. Tens wirkt mürrisch und abweisend, wofür man auch im späteren Verlauf keinerlei Gründe aufgezeigt bekommt – gegenteilig erfährt man Dinge, die seine abweisende Art noch mehr in Frage stellen.
Wie in vielen anderen Büchern auch kommen auch hier vor allem die „bösen“ Charaktere zu kurz. Sie werden erwähnt, bekommen Namen und eine dunkle Aura, doch am Ende werden sie viel zu schnell und viel zu leicht „besiegt“ – auch wenn es sich hierbei scheinbar nur um einen Teilsieg handelt, denn jede Einzelperson ist ja nur ein Teil des großen Ganzen. Die Geschichte wird auch nur von der Meridian-Seite erzählt, sodass man keinen Einblick in die Motive der Gegenseite erhält. Das ist schade, denn etwas mehr Dunkel hätte der Geschichte mehr Komplexibilität verliehen – das nächste Mal bitte weniger Bibelzitate und mehr Hintergrund für die böse Seite.

Das Ende ist sehr geschickt gestaltet, sodass sich nur mutmaßen lässt, ob die Geschichte von Meridian und Tens weitergeht oder an dieser Stelle schon Schluss sein soll. Man darf also gespannt sein, was Amber Kizer noch von sich lesen lässt.

Meridian – Dunkle Umarmung besticht schon auf den ersten Blick mit seiner Aufmachung. Das Cover ist in dunklem Rot und Grau gehalten, überzogen mit einem leichten metallischen Glanz. Die Motive von Rosenranken und Totenköpfen wurden auch in das Innere des Buches übertragen und läuten jedes neue Kapitel ein, ohne aufdringlich zu wirken. Der Flexcover-Einband liegt wunderbar in der Hand und ist auch nach dem Lesen und Transportieren in kleinen Taschen noch unbeschädigt und sieht wie neu aus.

Die Liebe ist der größte Akt des Glaubens.
(Seite 267)



Fazit:

Ein innovatives Debüt mit ernstem Grundthema und geschickt eingebundener Liebesgeschichte, das auf eine Fortsetzung hoffen lässt und mit Sicherheit die Herzen vieler junger und erwachsener Fantasy-Fans erobern wird.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Gestaltung: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

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