UBooks, 1. Auflage April 2009
Taschenbuch, 128 Seiten
€ 9,95 (D)
ISBN 978-3-86608-119-2

Genre: I-Pop



Klappentext:

Also, am peinlichsten ist mir das ja, wenn Besuch da ist, verstehen Sie, sonst bin ich da ja nicht so, aber, also, wie sie Witze erzählt, das ist direktgehend beschämend, und nie kriegt sie die Pointe richtig hin, also, verstehen Sie, was ist denn ein Witz ohne Pointe, ich meine, das ist doch dann kein Witz mehr …! Das – Verzeihung! –, das versaut doch nun wirklich alles.

Morné ist ein Chamäleon der Sprache, und sie ist immer auf der Suche nach dem nächsten Wort. Ist sie der unterbezahlte Berufsrevolutionär oder versucht sie lediglich, die Zeit zwischen dem zweiten Kaffee und der ersten Zigarette des Tages zu überbrücken?

Ein geistreiches Debüt voll Charme, Witz und Leidenschaft.



Rezension:

Eine Nacht in dieser Stadt – erschaffen und tödlich für Träumer und Realisten zugleich. Die Träumer, verloren in kafkaesken Gedankenwelten, von Rotwein und der grünen Fee benebelt, von der Melancholie fortgespült: Gefangen in dieser Stadt und behaftet mit dem Fernweh, das doch selbst weiß, dass es in einer Nacht wie dieser nichts anderes geben kann. Die Realisten, konfrontiert mit dieser nackten Wahrheit und unfähig, sie ganz zu ertragen; zu schwer ist das Wissen darum, dass es sinnlos ist, jetzt der Einsamkeit entfliehen zu wollen. Denn träfen sich jetzt zwei Menschen, so wären sie doch allein.
(Seite 33)

Kopf – Stein – Pflaster.
Selten sieht man den Verfasser auf dem Cover seines eigenen Buches. Dass sich Morné Mirastelle mit Hemd und Krawatte und ernstem Blick unter einem schwarzen Regenschirm vor fallenden Kopfsteinpflastersteinen versteckt auf dem Cover ihres Buches zeigt, gibt dem Leser bereits vor dem Lesen des Klappentextes einen guten Einblick, was ihn im Inneren erwarten wird – keine fliegenden Pflastersteine, aber jede Menge schlagfertige Kritikpunkte des Lebens.

Der Hunger nach dem Leben ist der Sehnsucht nach dem Tod stets gleich.
(Seite 99)

Nüchtern und teilweise verwirrend schreibt sie das Leben in seiner hässlichsten Form, die am zahlreichsten vertreten ist, nieder und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Stumpfe Gleichgültigkeit und tristes Dasein sind nur zwei Seiten, die in Kopfsteinpflaster ihren Platz finden.
In mehreren Kurzgeschichten werden verschiedene Charaktere vorgestellt, die jeder für sich ein eigenes Buch verdient hätten und denen man doch am liebsten nie wieder über den Weg lesen will, weil sie den Leser in ihrer desorientierten und desinteressierten Art anwidern und runterziehen. Als Leser denkt man sich einige Male „hoffentlich ende ich nicht irgendwann genauso“ und weiß doch, dass es kaum einen Ausweg aus der Tristesse des Lebens gibt oder geben kann.


Kann ich nicht gehen, kann ich nicht bleiben.
(Seite 40)

Morné Mirastelle befasst sich mit dem Stillstand des Lebens, der so viele Gesichter hat – für den einen erlösend und Ruhe bringend, für den anderen anstrengend und an den Nerven zehrend. Wie das Leben selbst ist auch der Stillstand vielseitig und schwer definierbar, wie man in jeder einzelnen Kurzgeschichte des Buches feststellen kann und wie jeder einzelne Charakter zeigt.

Kopfsteinpflaster ist ein literarisch-philosophisches Kunstwerk, das in Bruchteilen schwer zu lesen und zu verstehen ist, manches Kapitel muss zweimal gelesen werden, um den Sinn wirklich und vollständig erfassen zu können. Die Autorin spielt mit Worten und der deutschen Sprache, wie andere mit Bällen oder Schachfiguren spielen. Rundherum gelungen und ein mehrfaches Lesen in jedem Fall wert.

Zeit rauscht rückwärts, wenn du weinst.
(Seite 70)



Fazit:

Philosophisch und wortgewandt glänzt Morné Mirastelle mit ihrem Debüt, das seinesgleichen sucht. Ein Gewinn für jedes Nachdenker- und Gesellschaftskritiker-Bücherregal.



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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