Blessing, 1. Auflage August 2009
Originaltitel: God’s Own Country
Aus dem Englischen von Wolfgang Müller
HC mit SU, 320 Seiten
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 34,90
ISBN: 978-3-89667-408-1

Genre: Belletristik



Klappentext:

Seit Sam von der Schule geflogen ist, wird er im Ort gemieden. Selbst seine Eltern, auf deren abgelegener Schaffarm er nun mitarbeitet, begegnen ihm mit seltsamer Distanz. Sam zieht sich zurück, unternimmt lange Streifzüge durch die Yorkshire Moors, doch stören ihn dabei zunehmend die Ausflügler aus der Stadt, die die schöne Gegend touristisch erschließen.

Nur Josephine, das aufsässige neue Nachbarsmädchen, interessiert sich für den verschrobenen Jungen, und zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Freundschaft. Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern bittet sie Sam, mit ihr abzuhauen. Die beiden schlagen sich tagelang durch die Moors, schlafen unter freiem Himmel, doch Josephine verliert bald die Lust an diesem Abenteuer. Da muss sie feststellen, dass Sam nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat.

Ein preisgekröntes Debüt, ein subtiler Spannungsroman und das brillante Porträt eines jugendlichen Außenseiters.



Rezension:

Vor drei Jahren hat Sam – angeblich – ein Mädchen aus seiner Schule genötigt. Die Eltern des Mädchens sahen von einer Anzeige ab, wenn Sam für diese Tat von der Schule verwiesen wird. Seitdem arbeitet er auf der Schaffarm seiner Eltern und zieht die meiste Zeit mit seinem Welpen Sal durch die Moors von Yorkshire.
Als eine Familie aus der Stadt den benachbarten Hof des verstorbenen Turnbull kauft, erregt die 15-Jährige Tochter Jo sein Interesse, doch es dauert eine ganze Weile, bevor die beiden ins Gespräch kommen.

Sam ist ein 19-jähriger, schlaksiger Außenseiter, der schnell den Eindruck erweckt, ein wenig neben der Spur zu laufen. Durch die Ich-Erzählperspektive bekommt der Leser die Möglichkeit, direkt mit dem Protagonisten in Kontakt zu treten. Als unglaublich authentisch zu bezeichnen ist hierbei die Sprache, derer sich Raisin bedient, denn man glaubt dem Erzähler auf Anhieb, dass er ein Jugendlicher mit einigen (auch persönlichen) Problemen ist. Mit einer gewissen Gleichgültigkeit und einer angenehmen Portion Trotz und Großkotzigkeit tritt Sam als vielleicht auf Dauer nicht unbedingt sympathischer, aber durchaus liebenswerter Charakter auf.
Vom Rest der Charaktere erfährt man leider nicht viel, die meisten sind nur grob angerissen, da sie aber für die Geschichte auch nicht wirklich eine Rolle spielen, ist das nicht weiter schlimm. Nur die Nachbarstochter Josephine, die – eigentlich – eine tragende Persönlichkeit ist, kommt definitiv zu kurz.

Der Autor hält sich lange mit dem Vorgeplänkel auf, zur eigentlichen – im Klappentext erwähnten – Story kommt es erst im letzten Drittel des Buches, und selbst hier schafft die Story es nicht, dem Klappentext gerecht zu werden. Überwiegend werden Sams Streifzüge durch die Moors beschrieben, hierbei versteht Raisin es durchaus, die Schönheit und Vielfältigkeit der Gegend einzufangen und dem Leser zu vermitteln. Trotzdem wird es dem Leser irgendwann zu viel und man wünscht sich, der Autor möge endlich zum Punkt kommen und die Geschichte beginnen lassen, statt mit sämtlichen Moor-Namen um sich zu werfen, denn mit denen kann man als Yorkshire-Nichtkenner rein gar nichts anfangen.

Dadurch verliert das Buch im Laufe der Zeit seinen Reiz, obwohl man sich von Seite zu Seite weiter hangelt, in der Hoffnung, dass es im nächsten Kapitel vielleicht doch endlich richtig los geht. Wirklich aufgeklärt wird der ganze Fall im Verlauf des Buches nicht, alles bleibt in der Schwebe. Man fragt sich, was aus den ganzen Leuten wird, die zwischendurch genannt wurden, vor allem wüsste man als Leser aber gern, wie es mit Jo und Sam weitergeht.
Da Sam ein durchweg lesenswerter Charakter ist, liest man vielleicht irgendwann einen Folgeroman, der sich ein bisschen mehr am Klappentext orientiert.



Fazit:

Schöne Gegend ist ein Roman, der dem Leser die Landschaft von Yorkshire näher bringt und für Yorkshire-Liebhaber sicher ein Glücksgriff ist. Wer allerdings unterhaltsame Spannungsliteratur sucht und das lesen möchte, was der Klappentext verspricht, sollte auf andere Bücher zurückgreifen.



Wertung:

Handlung: 2/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

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