cbj, 1. Auflage November 2009
Originaltitel: Gli eroi del crepuscolo
Aus dem Italienischen von
Katharina Schmidt und Barbara Neeb
HC mit SU, 800 Seiten
mit einer Karte im Vorsatz von © Erhard Ringer
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 34,90
ISBN: 978-3-570-13741-3

Genre: Jugendfantasy



Klappentext:

Liebenswerte jugendliche Helden im Kampf gegen den Herrn der Finsternis und seinen gefährlichsten Dämon

Verhängnisvolle Zeiten drohen Dardamen, der weißen Regierungsstadt des Volks der Ewigen. Seit vielen Jahrhunderten führen die Ewigen Krieg gegen den Herrn der Finsternis und seine Verbündeten, die Goblin und Dämonen. Aber nun ist dem Herrn der Finsternis ein fataler Schlag gelungen: Er hat Eileen, die Tochter des Königs der Ewigen, entführt. Verschleppt von den Schwarzen Truppen der Finsternis, droht Eileen der Tod – und dem Reich der Untergang. Doch einer wagt es, sich dem Verhängnis entgegenzustellen: Lyannen, ein junger Halbsterblicher, nimmt mit einer Gruppe loyaler Freunde die Verfolgung der Schwarzen Truppen auf. Sie sind nicht mehr als ein versprengter Haufen, ein Bund von Außenseitern und Rebellen. Aber Lyannen und seine Gefährten stellen sich der gefährlichen Reise. Einer Reise, die sie an die Grenzen ihrer Kräfte führt – und mitten ins schwarze Herz der Finsternis.

Das Aufsehen erregende Fantasy-Debüt einer 19-jährigen Autorin.



Rezension:

Das waren glückliche Zeiten, in denen es keinen Krieg gab und die Völker sich nicht vorstellen konnten, einander zu töten. Damals waren Ehen zwischen Sterblichen und Ewigen keine Seltenheit. In gegenseitigem Einverständnis legten die Völker die Grenzen ihrer Reiche fest und schufen die Allgemeine Sprache, damit alle einander verstehen konnten. Doch der Friede konnte nicht ewig halten, das wussten die Feen, die über die Grenzen der Zeit hinwegsehen konnten.
(aus der Vorgeschichte, Seite 11)

Ein Außenseiter wird zum Volkshelden, tritt allein gegen den bösen und mächtigen Feind an, befreit die schöne Prinzessin und rettet die Welt vor dem Untergang. Kurz gefasst könnte wohl jede Fantasy-Geschichte so lauten, auch das Debüt von Chiara Strazzulla bildet hier keine Ausnahme – nur dass der Held kein Außenseiter und er nicht allein gegen die Finsternis, die seine Welt in Gefahr bringt, stellen muss.

Ein Bund aus anfänglich vier engen Freunden macht sich auf, um die Mission der Befreiung des Sterns von Dardamen – der einzigen Tochter des Königs – zu erfüllen. Auf ihrer Reise gesellen sich weitere Charaktere hinzu, darunter auch Kreaturen, die unter anderen Umständen selbst einen Krieg vom Zaun gebrochen hätten. Aber man hat ja den gemeinsamen Gegner, den es zu bekämpfen gilt, und die Rettung des Ewigen Königreiches steht natürlich im Sinne aller.
Dass viel gekämpft wird, scheint von Vornherein klar, immerhin sagt schon der Klappentext, dass Krieg herrscht. Aber schon der in der nur wenige Seiten umfassenden Vorgeschichte wird von drei ganzen, schrecklich verheerenden, großen Kriegen berichtet, sodass der Leser sich fragt, was denn da noch kommen soll, um das zu übertrumpfen.

Obwohl der Leser sofort ins Geschehen gezogen wird und der Roman von Anfang an begeistern kann, schafft die Autorin es leider nicht, diese Begeisterung über die achthundert Seiten andauernde Geschichte aufrecht zu erhalten. Schnell macht sich bemerkbar, dass es sich um einen Anfänger-Roman handelt, der sprachlich noch lange nicht ausgereift ist. Sich wiederholende Beschreibungen, immer wiederkehrende Aussagen, ständig gleiche Landschaftsbeschreibungen und wie erschöpft doch alle von der langen und anstrengenden Reise sind schmälern das Lesevergnügen spätestens ab ungefähr der Mitte des Buches. Dabei verwendet Strazzulla teilweise wirklich schöne Bilder und Beschreibungen, die allerdings mehr Eindruck hinterlassen würden, wenn sie nicht gehäuft aufträten.

Und du kannst nicht hoffen, dass du die Welt verändern kannst.
Manchmal musst du zulassen, dass die Welt dich verändert.
(Seite 42)

Auch die Charaktere sind sehr einseitig gestaltet – klar, die meisten gehören dem Volk der Ewigen an, die nichts anderes darstellen als bereits bekannte Elben. Hier liegt ein persönlich zu vergebener Pluspunkt verborgen: Obwohl für Fantasykenner schnell klar ist, dass es sich um Elben handelt, bekommt man wirkliche Gewissheit erst nach etwa 200 Seiten. Auch den Rest des Buches wird größtenteils am Ausdruck „Ewige“ festgehalten, was sehr angenehm ist.
Besonders gut gelungen ist ein Part der Gegenseite, der Monsterdämon Scrubb – selbst in seiner menschlichen Gestalt schrecklich anzusehen, ungeheuer schlau und von Kindesbeinen an der beste Freund des scheinbar übermächtigen dunklen Parts in dieser Geschichte. Mit Scrubb hat Strazzulla einen, obwohl bösen, sehr sympathischen Charakter geschaffen, von dem sich gerne der eine oder andere Autor eine Scheibe abschneiden darf – so gestaltet man böse Charaktere!

Alles in allem ist Dardamen – Gefährten der Finsternis ein gelungenes Debüt, das nicht unbedingt innovativ, aber doch sehr eigen ist. Schade, dass die Autorin gerade auf den letzten Kapiteln, wo sie mit einem großen Showdown noch mal viel rausholen könnte, zu schwächeln und sich auf den wenigen großen Szenen in den vorhergehenden Kapiteln auszuruhen scheint.
>Man sollte allen heiteren Dingen des Lebens ernst begegnen
und allen ernsthaften mit höchster und ehrlichster Heiterkeit.
(aus der Danksagung, Seite 799)



Fazit:

Dardamen – Gefährten der Finsternis hat alles, was ein typischer Fantasy-Roman beinhalten muss. Das macht ihn zu nichts Besonderem, das durch kleine innovative Ideen aus der Masse hervorsticht. Für das Debüt einer damals 17-Jährigen und seiner Zielgruppe aber definitiv sehr gelungen.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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