C. Bertelsmann, 1. Auflage Oktober 2009
Originaltitel: Angels of Destruction
Aus dem Amerikanischen von Sabine Herting
HC mit SU, 480 Seiten
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 34,90
ISBN: 978-3-570-01126-3
Leseprobe

Genre: Belletristik



Klappentext:

„Der dunkle Engel“ ist die faszinierende Geschichte
von Norah, einem neunjährigen Mädchen, das in
einer bitterkalten Nacht vor der Haustür von Margaret Quinn steht, einer Frau, die allein lebt und es nie verwunden hat, dass ihre einzige Tochter Erica vor vielen Jahren fortgelaufen ist.

Norah wird zu Margarets Geheimnis, denn das Kind scheint magische Fähigkeiten zu haben. Aber wer ist Norah wirklich? Und gibt es eine Verbindung zu Margarets verschwundener Tochter?



Rezension:
„Wenn sich eine Linie von einem einzigen Punkt aus in zwei Richtungen erstreckt, und das nennt man Ewigkeit, kann sie keinen Anfang haben, da sie doch auch kein Ende hat. Sie ist ganz einfach. Du bist. Mein erstes Geheimnis ist, ihr habt immer existiert und werdet immer existieren.“
(Seite 414)

Wenn ein nahestehender Mensch von einem Tag auf den anderen, ohne jede Vorankündigung, ohne ein Wort, nur einen kleinen nichtssagenden Zettel hinterlassend verschwindet, wie soll man damit umgehen?
Wenn dieser Mensch einem die Welt bedeutet, man täglich an ihn denken muss, die Hoffnung auf ein Lebenszeichen mit jedem Tag sinkt, wie soll man am Glauben an das Gute in der Welt festhalten?

Margarets Welt bricht zusammen, als ihre Tochter Erica sich eines Nachts auf und davon macht. Mit einem Jungen, der rebellisch ist und zu den Revolutionären dieser Welt zählen möchte. Ein Junge, der ihrem Mann schon immer ein Dorn im Auge und nie gut genug für ihre gemeinsame Tochter war. Der Junge, den sie heiß und innig liebt, dem sie nahezu hörig ist, der ihr die Welt und mehr verspricht. Doch kann und wird Wiley seine Versprechen halten können? Mit dem nächtlichen Aufbruch ins Ungewisse, sich nur von Wiley und seinen Plänen leiten lassend, gerät Erica auf eine Laufbahn, die nur in eine Richtung führt – ins Verderben.

Jahre später steht, ebenfalls eines Nachts, Norah vor Margarets Tür, durchgefroren und in sehr bemitleidenswertem Zustand. Das anfängliche Vorhaben, dem Mädchen nur einen Schlafplatz für eine Nacht zu gewähren, wird schnell zu einem Lügengerüst, in welchem Norah als Margarets Enkeltochter in die Schule geschickt und Teil der städtischen Gemeinschaft wird.
Norah fällt von Anfang an auf – sie ist zwar ein ruhiges und zurückhaltendes, aber auch sehr intelligentes und aufgeschlossenes Mädchen. Für ihre neun Jahre wirkt sie sehr erwachsen und reif, ihre Freundschaft zu Sean tut dem Jungen sehr gut, der unter der Scheidung seiner Eltern und dem Weggang seines Vaters entsetzlich leidet. Doch welches Geheimnis verbirgt dieses kleine Mädchen?

In drei „Büchern“, die sehr kurze, aber eng zusammenhängende Kapitel unterteilt sind, und mit einem weit entfernten Epilog schafft Keith Donohue eine Rahmenhandlung, deren Zusammenspiel sich erst spät bemerkbar macht. Durch die teilweise nur sehr wenige Seiten umfassenden Kapitel erhält der Leser den Eindruck, schon viel mehr als nur ein paar wenige Seiten gelesen zu haben. Die Unterteilung in drei Bücher, von denen sich zwei in der Gegenwart spielende um ein die Vergangenheit aufarbeitendes Blickfeld schließen, ist sehr geschickt gewählt, auch wenn man ein wenig zu plötzlich aus dem aktuellen Geschehen gerissen und in die Vergangenheit katapultiert wird.

Mit kleinen sprachlichen Raffinessen, die beim ersten Blick nicht auffallen, schafft der Autor eine mystische und faszinierende Geschichte, die in den Augen mancher vielleicht einfach nur langweilig ist. In den Augen anderer steckt Der dunkle Engel allerdings so voller Tiefsinn, dass man mit ruhigem Gewissen behaupten kann, einen Roman für ruhige Stunden vor sich zu haben. Donohues zweites Buch ist sicher kein atemberaubender, schneller und mit Schockmomenten vollgestopfter Roman, sondern leise und sacht mit einem erhobenen Zeigefinger zu verstehen.



Fazit:

Der dunkle Engel ist der Beweis in Worten, dass es immer wieder Wunder gibt und man sich ihnen nur öffnen muss, um sie zu sehen, zu erleben und wahrzunehmen. Ein Roman mit sehr eigener Tiefe und einer anmutenden, zum Inhalt passenden Aufmachung. Empfehlenswert!



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5



Donohue, Keith: Das gestohlene Kind

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