Fischer Taschenbuch Verlag, 2. Auflage April 2009
Originaltitel: Gods In Alabame
Aus dem Amerikanischen von Birgit Schmitz
Taschenbuch, 336 Seiten
€ (D) 8,95 | € (A) 9,20 | SFR 15,90
ISBN 978-3-596-18337-1

Genre: Belletristik



Klappentext:

Vor ihrem Studium in Chicago hat Arlene Fleet Gott drei Dinge versprochen: Sie wird keinen Sex mehr haben, sie wird nicht mehr lügen, und sie wird niemals mehr in ihre Heimatstadt in Alabama zurückkehren. Alles, was sie im Gegenzug dafür erwartet, ist ein Wunder: dass die Leiche von Jim Beverly nie gefunden wird. Jetzt, zehn Jahre später, hat Gott den Deal gebrochen.

Ein wunderbar frischer Debütroman, eine tragikomische Geschichte von Freundschaft, Liebe und Betrug.



Rezension:

Jugendsünden. Wer hat sie nicht begangen? Wahrscheinlich jeder von uns hat in seinem jugendlichen Leichtsinn Dinge getan, die er in späteren Jahren bereut. Doch wer kann von sich behaupten, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben?

Als Lena mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, ist sie ihren im Klappentext genannten Versprechen bereits viele Jahre treu geblieben. Sie hat ihren Abschluss in der Tasche und unterrichtet an einer Universität, ist seit zwei Jahren fest mit Burr, einem Steueranwalt, zusammen und kommt auch prima mit seiner Mutter aus. Mit ihrer Familie hat sie regelmäßigen Telefonkontakt, doch allen Versuchen ihrer Tante Florence, sie nach Hause zu bewegen, konnte sie bisher entgehen. Bis eines Abends Rose-Pop vor ihrer Tür steht und auf der Suche nach Jim Beverly ist.
Und plötzlich ist alles Verdrängte wieder da. Nach langem Hin und Her entscheidet sich Lena aus verschiedenen Gründen, die Reise nach Alabama anzutreten und sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Vor allem weil sie Burr, denn der möchte unbedingt ihre Familie kennen lernen, nicht verlieren und ihre Cousine Clarice beschützen will. Die Reise wird zu einem Trip durch vergangene Jahre und deckt nicht nur auf, was Lena damals getan hat.

Joshilyn Jackson erzählt in wunderbar lockerer Sprache zwei Geschichten, die sich irgendwo in der Mitte treffen und das Gesamtbild ergeben. Einerseits berichtet sie von der Gegenwart, der Fahrt von Chicago nach Possett und was sich während Lenas Aufenthalt dort abspielt. Und andererseits lässt sie den Leser in die Vergangenheit reisen, um die sie lange ein Geheimnis macht. Auf Grund dieses ständigen Perspektivenwechsels schafft sie es, die vollen knapp 300 Seiten eine Spannung aufzubauen und zu halten. Geschickt wurden kleine, unwichtig erscheinende Details in die Geschichten eingeflochten, die erst später ihren Daseinsgrund bekommen.
Auch für die Charaktere kann man der Autorin nur ein Lob aussprechen. Man bekommt ein gutes Gefühl für die einzelnen Personen und ihrer Bindung zueinander. An den richtigen Stellen wird mit den richtigen Emotionen gearbeitet und die wenigen sexuellen Szenen, mit welchen man eigentlich nicht rechnen würde, sind perfekt in die Geschichte eingebunden.

Ein Wunder ist nichts dagegen schafft es ohne viel Lärm, im Kopf des Lesers eine kleine Welt zu zeichnen. Landschaftsbeschreibungen geben klare Eindrücke wieder, Szenen werden so plastisch dargestellt, dass man fast das Gefühl hat, man würde direkt daneben stehen oder über der Szene schweben.
Spannend bis zur letzten Seite, obwohl das Geheimnis nicht bis dorthin standhält, und alles andere als ausschließliche Frauenliteratur, was man wegen der roten Covergestaltung schnell annehmen könnte, gehört dieses Buch zu den abwechslungsreichen Romanen, die man als Belletristikfan gelesen haben sollte.

Zusätzlich findet man im Anschluss eine Leseprobe des ersten Kapitels vom neuen Roman der Autorin, „Das Mädchen am Pool“, sowie weitere interessante Buchvorstellungen aus dem Programm des Fischer-Verlages.



Fazit:

Mit ihrem Debütroman Ein Wunder ist nichts dagegen, der ein Feuerwerk aus angenehmem Witz, gut platzierter Emotion, nachvollziehbaren Gedanken und sprachlicher Vielfalt darstellt, überzeugt die Autorin auf ganzer Linie.



Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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