UBooks, 1. Auflage April 2009
Taschenbuch, 192 Seiten, € 9,95 (D)
ISBN: 978-3-86608-124-6

Genre: Anti-Pop



Klappentext:

Mia liebt laute Partys. Tanzen, saufen, Drogen und Sex. So hurt sie sich durch ihre Kleinstadt, wie es ihr gefällt. Doch klar, Männer sind toll! Aber für Mia haben sie eine sehr kurze Haltbarkeit, meist nur eine Nacht – das gibt ihr den Kick. Die Gewöhnlichkeit einer Beziehung will sie sich lieber nicht vorstellen. Gähn! Langweilig!

Doch dann lernt sie Noah kennen. Der gibt ihr zu denken, und schließlich muss Mia erkennen, dass selbst Kleinstadtschlampen zu echten Gefühlen fähig sind …

Mirjam Dreers Debüt ist selbstbewusst und voller Herzblut. Ihre Mia ist die Stellvertreterin einer Generation, die sich nicht mehr von den Männern herumschubsen lässt, aber gleichzeitig noch auf der Suche nach dem passenden Lebensentwurf junger Frauen ist.



Rezension:

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.
Banale Geschichten, die sich hinter tristen, grauen Häusern, in tristen, grauen Städten abspielen. Schicksale, die keinen interessieren. Weil niemand sich damit nach draußen traut. In die schöne, bunte Welt.
So auch meine Geschichte. Sie fängt genauso grau und trist an wie wahrscheinlich schon viele vor ihr. Aber sie wird mit der Zeit ein Stückchen bunter.
Und wo kann eine Geschichte trister und grauer anfangen als an einem Sonntagmorgen im März um 7 Uhr 30.
(Aus dem Prolog, Seite 3)

Eine Kleinstadt in der Nähe von München ist der Hauptschauplatz des Debütromans um eine junge Frau, die ihre Langeweile durch jede Menge Sex zu vertreiben versucht und damit auch ziemlich gut durchs Leben kommt. Bis sie sich verliebt. So richtig echt verliebt, mit allem Drum und Dran. Gibt es eine Chance und ein Happyend für die Kleinstadtschlampe?

Erfrischend, humorvoll, emotional und überaus ungewohnt erzählt Mirjam Dreer vom Leben eines jungen Menschen, der ein bisschen perspektivlos durch die Straßen seiner Kleinstadt zieht. Mit einem ganz eigenen Soundtrack, der durch die einzelnen Kapitelüberschriften gegeben ist, fließen die knapp 200 Seiten einfach so dahin, ohne dass dem Leser langweilig wird oder er das Gefühl bekommt, hingehalten zu werden.
Obwohl er das natürlich wird, denn mehrere Male treibt die Autorin die Spannung so sehr auf den Höhepunkt, dass man umblättert und auf das Happyend hofft, um dann … enttäuscht zu werden – wobei Enttäuschung hier definitiv das falsche Wort ist, denn es wäre sehr viel enttäuschender gewesen, hätten die beiden sich an jedem einzelnen Höhepunkt tatsächlich bekommen. Mirjam Dreer versteht es, einen Spannungsbogen aufzubauen und diesen auch zu halten, ohne dass es zu übertrieben oder gekünstelt wirkt. Da macht es auch nichts, die Faust nach dem Umblättern auf den Tisch zu hauen und zu denken „verdammt, schon wieder nicht!“

Mia ist das Sinnbild vieler junger Mädchen, die in der heutigen Zeit nichts mit sich anzufangen wissen. Und auch Noah passt voll in die Jugend, die man auf der Straße trifft. Die Story ist stimmig, die Charaktere passen hervorragend und wie ein modernes Märchen zeigt Kleinstadtschlampe, dass es auch für augenscheinliche Außenseiter ein Happyend geben kann – auch wenn dieses ganz anders ausfällt, als man denken würde.

“Es geht mir verdammt gut, seit du da bist. Ich will in Zukunft ganz viel mit dir machen, weil ich deine Anwesenheit sehr schätze. Ich glaube, es gibt kaum einen Menschen, der mich so versteht wie du, nicht mal Marvin oder Chris. Wir kennen uns zwar noch nicht so lange, aber ich will, dass du da bist. Dass du bei mir bist. Ist das okay für dich?“
(Noah zu Mia, Seite 109)



Fazit:

Herrlich erfrischend, manchmal etwas naiv, aber durchweg überzeugend in seiner patzig-angenehmen Sprache und der so alltäglichen Storyline der Jugend ist Kleinstadtschlampe das gelungene Debüt einer vielversprechenden jungen Autorin. Macht Lust auf mehr!



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

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