Mira Taschenbuch, 1. Auflage Juli 2009
Originaltitel: Worth Dying For
Aus dem Amerikanischen von Gisela Schmidt
Taschenbuch, 320 Seiten
EUR 7,95 (D) | 8,20 (A)
ISBN: 978-3-89941-616-9

Genre: Romantic-Thriller


Klappentext:

Ungeduldig schaut die junge Amy auf die Uhr. Wo bleibt Dante? Er wollte sie doch abholen! Aber ihr Freund kommt nicht. Stattdessen hält ein Fremder neben ihr am Straßenrand. Wenig später ist Amy spurlos verschwunden …

Siebzehn Jahre später starrt Detective Dante Moran auf das Foto eines jungen Mädchens: Leslie Anne, Enkelin eines Millionärs, wird vermisst! Besessen macht Dante sich daran, sie zu finden: Vielleicht kann er so einen Teil der Schuld begleichen, die er seit Amys Verschwinden spürt – Stunde für Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Sein erster Weg führt ihn zu Tessa Westbrook, Leslie Annes Mutter. Und geschockt sieht er, dass nicht nur der Fall eine verblüffende Ähnlichkeit mit Amy hat …

“Ein kraftvoller Romantic-Thriller mit Liebe, Gefahr und Verrat im Fadenkreuz!“ (Romantic Times)


Rezension:

Wer das Genre „Romantic-Thriller“ bereits kennt, der weiß im Grunde ganz genau, was ihn in diesem Buch erwarten wird. Dass die erzählten Geschichten meist sehr vorhersehbar sind und mehr mit Romantik als mit Thrill zu tun haben, macht dieses Genre schließlich aus. Auch bei Das Gesicht der anderen kann man sich schon nach Lesen des Klappentextes denken, wie die Story aufgebaut ist, laufen und enden wird. Wenn man mit dieser Einstellung rangeht, wird man als Leser nicht enttäuscht.

Als Dante an seinem ersten offiziellen Arbeitstag in der Agentur Dundee die Akte des Falles „Leslie Anne Westbrook“ in die Hand bekommt, fällt ihm sofort als erstes die Ähnlichkeit des Mädchens mit der Liebe seines Lebens ein – Amy, die vor siebzehn Jahren spurlos verschwand, weil er sich verspätete und sie nicht pünktlich von der Arbeit abholen konnte. Bis heute hat er sich diesen Fehler nicht verzeihen können und sucht noch immer die Schuld ausschließlich bei sich. Seit vor zehn Jahren ein Serienmörder gefasst und hingerichtet wurde, in dessen Opferprofil auch Amy passte, hat er seine Hoffnung, seine Verlobte lebend wiederzusehen, jeden Tag ein bisschen mehr begraben. Nach einem Blick in die Akte keimt diese Hoffnung wieder auf, denn diese Ähnlichkeit kann kein Zufall sein.
Er nimmt den Auftrag an und fliegt mit einem Team von drei weiteren Agents zum Anwesen der Familie Westbrook. Dort trifft er auf Leslie Annes Mutter Tessa, bei denen Anblick Dantes Sicherungen durchzubrennen drohen. Obwohl bis auf die Augen und das blonde Haar äußerlich keine wirkliche Ähnlichkeiten auszumachen sind, fühlt Dante sich sofort zu ihr hingezogen. Und auch Tessa kann sich dem unsichtbaren Band zwischen ihnen beiden nicht erwehren. Bevor sie sich aber wirklich aufeinander einlassen wollen und können, gilt es erst einmal, Leslie zu finden und den Grund ihres Verschwindens herauszufinden.

Da Leslie Anne recht schnell gefunden und gerettet wird, verliert die Geschichte auch ziemlich schnell an Fahrtwind, denn danach geht es eigentlich nur noch darum, den Absender eines geheimnisvollen Pakets mit unangenehmem Inhalt ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Und natürlich um die entstehende Beziehung zwischen Tessa und Dante, die leider nicht sehr geschickt dargestellt wird. Beide wehren sich gegen ihre gegenseitige Anziehungskraft, nach dem ersten Kuss aber spricht er sie bereits mit den kitschigsten Kosenamen an. Sobald Dante Tessa aber von Amy und ihrer Ähnlichkeit erzählt hat, ziehen sie eine Grenze und plötzlich siezen sich die beiden auch wieder – um nicht lange Zeit danach in einem Motelzimmer übereinander herzufallen. Was vor allem seltsam ist vor der Tatsache, dass Tessa vor siebzehn Jahren brutal vergewaltigt und zusammengeschlagen wurde und bei diesem Überfall ihr Gedächtnis verloren hat. Vertrauen zu Menschen und vor allem zu Männern aufzubauen, fällt ihr seitdem schwer, doch bei Dante wirft sie alle Bedenken über Bord.

Neben dieser Schwachstelle ist auch das vorhersehbare Ende ein sehr schwach und sehr überzogen gestaltetes, was nicht daran liegt, dass von Anfang an feststeht, wie es aussehen würde. Vielmehr wird zu viel in konstruierte Dramatik investiert, dabei aber nicht viel Wert auf die Aufklärung des eigentlichen Thriller-Plots gelegt, sondern das Familienleben in den Vordergrund gestellt. Es ist, auch von der realistischen Seite gesehen, einfach zu viel des Guten. Ein bisschen weniger hätte die Geschichte hier glaubwürdiger und menschlicher gemacht, so sind es zu viele Zufälle auf einmal.
Die Charaktere sind ebenfalls typisch für das Genre: Der unnahbare, aber unwiderstehliche Ermittler Dante, das toughe, aber auch etwas hilflos wirkende Opfer Tessa – denn Leslie verliert leider schnell die Opferrolle, was schade ist, da sie von allen Charakteren das meiste Potential zum Ausbrechen aus dem Klischee hat – und natürlich der nahestehende, aber unerkannte Täter.

Alles in allem darf man bei Das Gesicht der anderen keinen knallharten Thriller mit tiefgehender Storyline erwarten, was in Anbetracht des Genres sowieso ein Fehler wäre. Leser, die sich auf den Romantic-Thriller einlassen können und wollen, kommen jedoch voll auf ihre Kosten – Liebesgeschichte und Krimiplot, verbunden durch klare Charakterverteilungen, machen den Roman aus, der nichts Besonderes darstellt, in seiner Literaturecke aber zu den besseren gehört.


Fazit:

Das Gesicht der anderen ist ein typischer Romantic-Thriller, in dem die Anziehungskraft der beiden Hauptcharaktere neben dem Krimihintergrund eine leicht lesbare Geschichte präsentiert. Echte Thriller-Fans sollten die Finger davon lassen; die hingegen, die mal etwas leichtere Kost für zwischendurch suchen, sind mit diesem Roman gut beraten.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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