Ubooks-Verlag, 1. Auflage Januar 2010
Taschenbuch, 190 Seiten
€ 9,95 [D] | € 10,30 [A]
ISBN: 978-3-86608-131-4

Genre: Anti-Pop



Klappentext:

«An den Moment, an dem die Geborgenheit sich in Verfolgung verwandeln würde, dachten wir nicht. Wir dachten nicht an die Regeln der Welt, über die wir so leichtfüßig hinwegtänzelten, wie wir ihnen ungebremst entgegenprallten. Wir dachten nicht an die Liebe, nicht an den Tod. Wir dachten nur an die einzelne Sekunde der Entrückung, die uns für die Lebensdauer eines Windhauchs mit den Kleidern der Wunschlosigkeit schmückte.»

Dominik Steiners packendes Debüt zeigt den langsamen Weg seines Protagonisten Jona in die Abhängigkeit. Mit literarischer Unerschrockenheit führt er ihn zwischen Naivität und Abgeklärtheit vorbei an den unsichtbaren Weggabelungen des Lebens Stück für Stück in die Fänge der Drogen.

Ein hinterhältiges Buch, dessen Tiefe besonders aus den unscheinbaren Ereignissen rührt, die die Figuren in die Sucht führen, und den Folgen, die die Abhängigkeit haben kann.



Rezension:

Nicht nur meine Haut, alles, was mit mir in Berührung kam, ertrank in einer bedeutungslosen Blässe. Es kümmerte mich nicht mehr, ob ich diesen Weg zu Ende gehen, sterben oder alles, was ich mir wünschte, gewinnen würde. Ich wollte nur dasitzen und mich im Spiegel betrachten, wollte erkennen, was mir die Macht verlieh, so viel Leben aus meinem Körper zu saugen, dass meine Blicke anfingen sich totzustellen. Ich wollte nicht länger dabei zusehen, wie sich die Zeit Stück für Stück von meinem Leben nahm. Ich wollte ihr alles auf einmal zum Fraß vorwerfen, in aller Ruhe alles verlieren, während ich meine Haut in den Signalfarben der Nacht verblühen sehe.
(Seite 47)

Jona führt ein ganz normales Leben. Er wächst wohlbehütet auf, wird von seinen Eltern geliebt, geht zur Schule. Was normal ist, wird schnell langweilig, und so ist das Kennenlernen von Drako eine willkommene Ablenkung. Ein neuer Freundeskreis in einer nahegelegenen Stadt, in die Jona wochenends pendelt, lässt den Jugendlichen aufblühen, der bisher von seinen Mitschülern eher Ablehnung als Freundschaft kennen gelernt hat. Jona verliebt sich zum ersten Mal, geht zum ersten Mal die Nächte durchfeiern, raucht seinen ersten Topf – und schneller, als er gucken kann, verliert er sich im hoffnungslosen Strudel der scheinbaren Hoffnungsträger.

Erstaunlich gelungen sind dem Autor hier nicht nur der Protagonist und dessen Leben, sondern auch die vielen kleinen Nebencharaktere, die der Geschichte eine lebendige Würzung geben. Menschen, die so unterschiedlich wie Tag und Nacht sind, leben auf engem Raum zusammen, teilen sich ohne Zwist ihre Habseligkeiten (und auch die Drogen), sind sich echte Freunde und behalten teilweise trotz allem klare Gedanken und das Wissen, dass das, was sie tun, sie auf Dauer kaputt machen wird. Obwohl man sich als Leser dann natürlich fragt, warum sie mit diesem Wissen nicht einfach handeln und die Finger von den Drogen lassen, kann man den Reiz des Flüchtens verstehen. Das Buch zeigt beide Seiten, die so fließend ineinander übergehen, dass selbst der Leser manchmal nicht klar unterscheiden kann, wo eine aufhört und die andere anfängt.

Dominik Steiner zeigt mit Leben und Leben hassen, wie schnell ein Mensch abrutschen kann, und dass dabei nicht immer „die falschen Freunde“ eine Rolle spielen. Er macht deutlich, wie gelangweilt die Jugend heutzutage ist und wie einfach Drogen ins Spiel kommen können – angefangen bei „harmlosem“ Gras, das schnell nicht mehr ausreicht, nicht mehr den nötigen Kick liefert, nach einem besseren Ersatz verlangt. Dabei greift der Autor aber nicht nur zum Tadel, sondern schafft durch anschauliche Beschreibungen eine interessante Perspektive, in der man als Leser trotzdem nie vergisst, dass es hier um ein gefährliches Thema geht.



Fazit:

Dominik Steiners Debüt ist eine Mischung aus dem erhobenen Zeigefinger der Vorsicht und dem Aufruf zum Ausprobieren, die behutsam, aber auch schonungslos mit den Themen Drogen und Abhängigkeit umgeht. Leise, aber stetig zeigt der Roman, dass man gar nicht abstürzen muss, um zu fallen.



Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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