C. Bertelsmann, 1. Auflage März 2010
Hardcover, 336 Seiten
€ 14,95 [D] | € 15,40 [A] | CHF 27,50
ISBN: 978-3-570-10044-8
Leseprobe

Genre: Erfahrungsbericht



Klappentext:

Ohne Lügen geht es nicht, sagen die einen. Würden alle Menschen stets die Wahrheit sagen, wäre nicht nur Streit, sondern gar der 3. Weltkrieg vorprogrammiert. Andere dagegen wie der Philosoph Immanuel Kant etwa halten Ehrlichkeit für die wichtigste aller Tugenden.

Kann ein Mensch in einer Gesellschaft, die das Lügen nicht nur toleriert, sondern in den meisten Fällen auch noch belohnt, überhaupt überleben, wenn er nur noch die Wahrheit sagt? Der Journalist Jürgen Schmieder hat vierzig Tage lang versucht, konsequent ehrlich zu sein: im Ehebett, bei der Steuererklärung, beim Pokern – und natürlich gegenüber sich selbst. Herausgekommen ist ein urkomisches und doch nachdenkliches Buch.

»Liest sich, als hätte man Woody Allen an einen Lügendetektor angeschlossen.« Albert Ostermaier



Rezension:

Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben, die Schokolade im Schrank lassen, auf das allabendliche Feierabendbier oder Glas Wein verzichten – das sind Dinge, die die Menschen sich des Öfteren vornehmen und nur selten durchziehen.
Laut einigen Statistiken lügt jeder Mensch ca. 200 Mal – täglich. Bewusst und unbewusst, um andere zu schützen und um für sich selbst Vorteile rauszuschlagen, harmlos und raffiniert. Jürgen Schmieder, seines Zeichens Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, wagt einen Selbstversuch der Ehrlichkeit und stößt dabei nicht nur auf Hindernisse, sondern auch an seine Grenzen – wer hätte gedacht, dass gründliches Ehrlichsein sich doch so schwierig gestalten würde? In seinem Ehrlichkeits-Tagebuch zeigt Schmieder, dass es noch viel schwerer ist, 24 Stunden am Tag, vierzig Tage lang jederzeit zu jedem schonungslos ehrlich zu sein.

In allen Lebensbereichen setzt sich der Autor mit den kleinen und großen Lügen des Lebens auseinander, um jeden Tag neu festzustellen, dass es gar nicht so einfach ist, immer ehrlich zu sein. Schon mit der ersten Anekdote aus seinem Selbstversuch zieht er den Leser auf seine Seite; es fällt schwer, das Buch überhaupt wieder aus der Hand zu legen, obwohl es keine erzählende Handlung hat. Angefangen bei der Steuererklärung, die trotz der Möglichkeit einer späteren Erledigung (nach dem Zeitraum der vierzig Tage) sofort gemacht werden muss, über den Verrat des langjährigsten Freundes bis hin zur ehrlichen Meinung über Kollegen stolpert Schmieder ungewünscht, aber überaus bewusst (und niemals lügend) von einem Fettnapf in den nächsten. Das ist für den Leser zwar amüsant, bringt ihn aber auch dazu, sein eigenes Verhältnis zu kleinen Bequemlichkeitslügen zu überdenken.

Letztendlich lässt dieses Buch tief in die gesellschaftlichen Zusammenhänge gucken und macht sehr deutlich, dass eine Welt ohne unsere kleinen alltäglichen Notlügen gar nicht funktionieren könnte.
Dass der Autor ein geübter Schreiber ist, unterstützt die Wirkung des Buches nur zusätzlich. Sprachlich einwandfrei, ohne Stolperstellen oder erwähnenswerte Längen stellt Du sollst nicht lügen! nicht nur eine Unterhaltungslektüre dar, sondern dürfte bei dem einen oder anderen Leser sogar die Idee wecken, selbst einen solchen Versuch der Ehrlichkeit auszuprobieren – natürlich nicht mit allen Konsequenzen, denn man lernt schließlich aus den Fehlern der anderen, in diesem Falle aus den Fehlern Schmieders.



Fazit:

Mit seinem Selbstversuch Du sollst nicht lügen! zeigt Jürgen Schmieder, wie sehr das Lügen zu unserem Leben gehört, und wie schwer es ist, 24 Stunden am Tag grundehrlich zu sein. Unterhaltsame Anekdoten regen zum Nachdenken an und obwohl deutlich wird, wie notwendig das Lügen für ein gutes Zusammenleben ist, wird es in diesem Buch nicht schön geredet. Vielmehr wird der Leser animiert, sich selbst anders zu betrachten. Empfehlenswert!



Wertung:

Hintergründe: 4,5/5
Recherche: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

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