Piper, 1. Auflage April 2010
Kartoniert, 224 Seiten
€ 8,95 [D], € 9,20 [A], sFr 15,90
ISBN: 978-3-49225-792-3
Leseprobe

Genre: Belletristik



Klappentext:

Dass alle ständig Witze über seinen Namen machen, ist für Anton »HimbeerToni« Hornig im Augenblick das geringste Problem. Samstag sollte Party sein, die 25-jährige Auflösung ihrer Band »Remo Smash« feiern, das war der Plan. Jetzt erzählt ihm seine geliebte Geliebte, dass sie Familie will. Und die alten Bandmitglieder haben ihre eigenen Pläne. Allen voran Herr Blümchen, der schon beim ersten Bier durchblicken lässt, dass da grundsätzlich was nicht mehr stimmt.

»Altpunk kriegt die Wehen – wer nicht mehr gut hören kann, soll lesen.«
Frank Schulz



Rezension:

Vor 25 Jahren hat sich die Punk-Band „Remo Smash“ aufgelöst, nun wollen sich die ehemaligen und immer noch befreundeten Bandmitglieder HimbeerToni, Herr Blümchen, Kurtchen und Holgi zum 25. Auflösungsjubiläum treffen. Alle fallen in Hamburg ein, um ein kurzes Bandrevival zu feiern, doch während der bevorstehenden Tage wird es um einiges mehr gehen als nur die ehemalige Band. Jeder der laut Ausweis erwachsenen, aber im Kopf und im Herz immer jung gebliebenen Männer hat sich in den letzte, nur wenig Kontakt enthaltenden Jahren entwickelt – nicht immer weiter, aber doch in eine Richtung. Joachim Seidel liefert mit seinem Debüt ein erstaunlich unterhaltsames Beispiel dafür, dass erstens immer alles anders kommt und zweitens als man denkt.

Für Anton, der keinem regelmäßigen Job nachgeht, wird das Leben ernst, als ihm seine Freundin offenbart, schwanger zu sein und mit ihm zusammen ziehen zu wollen. Dass das nicht seinem persönlichen Wunsch entspricht, darüber ist er sich schnell im Klaren. Als er jedoch genauer darüber nachdenkt, kommt er doch ins Grübeln – was ihm da nicht alles bevorsteht.
Auch seine Freunde kämpfen mit eigentlich nahezu alltäglichen Problemen, die Seidel sehr geschickt in amüsante Dialoge und realistisch gestaltete Situationen verpackt. Sämtliche Charaktere sind unheimlich lebendig und schaffen zusammen mit den großartig gewählten und liebevoll eingesetzten Details der Geschichte ein Umfeld, in dem man sich als Leser sofort wohl und Zuhause fühlt – als wäre man direkt dabei.

Joachim Seidel bringt mit HimbeerToni ein Buch auf dem Markt, das sowohl Frauen (die sich wahrscheinlich durch das pinke Cover angesprochen fühlen) als auch Männer (es prankt schließlich eine Biermarke auf dem pinken Untergrund) hervorragend unterhalten kann, wenn man sich auf den einfachen, aber ansteckenden Humor der Charaktere einlässt. Manches Mal entlockt der Protagonist dem Leser mehr als nur ein Schmunzeln, an einigen Stellen muss man auch mit Lachkrämpfen, die üblen Muskelkater in der Bauchgegend nach sich ziehen, rechnen. Doch diese Schmerzen nimmt man gern in Kauf für die brilliante Idee, die der Autor hier toll umgesetzt hat.
Spritzige Dialoge, verquere Situationen, interessante Aufdeckungen und ein tolles, unerwartetes HappyEnd runden die Geschichte um ehemalige Punkrocker, die genau das in ihrem Herzen immer bleiben werden, nahezu perfekt ab. Man darf gespannt sein, auf welche Ideen Joachim Seidel in Zukunft noch kommen wird – dass die Welt nicht zum letzten Mal von Anton Hornig gelesen haben sollte, darüber dürften sich die Leser dieses Buches wohl einig sein.



Fazit:

Mit HimbeerToni schafft Joachim Seidel ein begeisterndes Debüt, das sowohl für die Lachmuskeln als auch für das Herz und den Kopf geeignet ist. Er erzählt vom Erwachsenwerden eines eigentlich schon Erwachsenen, von sich ändernden Träumen, vom Wandel der Zeit beim Älterwerden, von Freundschaft und Liebe, von Vergangenheit und Zukunft – geschickt verpackt in urkomische Situationen, amüsante Dialoge und liebeswerte Charaktere. Norddeutsch und vielversprechend!



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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