Al!ve AG, 1. Auflage Mai 2010
Kartoniert, 180 Seiten
mit Hörbuch-CD
(Spieldauer 4:53:04 Std.)
19,90 € (D)
ISBN: 404-2-56412-261-9

Genre: Kriminalroman



Klappentext:

Diese Liebe ist nicht teilbar

Die 35-jährige Sabrina lebt eine aufrichtige, eine wahre Liebe.
Objektiv betrachtet hat dieses Glück allerdings zwei Schönheitsfehler:
Erstens, ihr Geliebter ist ihr Vater.
Und zweitens, ist er seit achtzehn Jahren tot …

Zum Inhalt:
Die 35-jährige Sabrina, die ihren Lebensunterhalt als Taxifahrerin bestreitet, hat keine Beziehung zu sich selbst und kann auch keine Beziehung zu anderen Menschen eingehen. Ihre vitalen Kräfte erstickt sie mit Selbstbestrafungsritualen, die ihr Schuldgefühl zum Schweigen bringen sollen, denn den Umstand, dass ihr Vater vor Jahren die Familie verließ, schreibt Sabrina sich und ihrem Verhalten zu. Sie idealisiert den Mann, an den sie nur rudimentäre Erinnerungen hat. Nach dem Tod ihrer Mutter macht Sabrina eine Entdeckung, die ihr Leben verändert. Sie ist bereit, ihr neugefundenes Glück mit allen Mitteln zu schützen. Denn: Diese Liebe ist nicht teilbar. Und sie ist für immer und ewig.



Rezension:

Man kann Staub nicht beseitigen, sondern ihn nur von hier nach dort transportieren. Es bleibt alles erhalten. Für immer. Der Gedanke fasziniert mich. Und macht mir bewusst, dass wir die Dinge, die im Verborgenen ruhen, mit Ehrfurcht betrachten sollten.
(Aus dem Beginn des Buches, Seite 9)

Sabrina hat ein sehr gestörtes Verhältnis zu sich und ihrer Umwelt. Woran das liegt, kann man als Leser nur erahnen; kurze Anrisse aus ihrer Jugend sind hier nicht hilfreich, sondern füttern eher an und laden ein, sich selbst Gedanken zu machen. Doch Sabrina ist nicht die Einzige, die in Imago zu kämpfen hat.
Obwohl auf dem Klappentext und auch in der Buchbeschreibung allein erwähnt, spielen in Bettina Bormanns Roman-Debüt eine Hand voll weiterer Charaktere eine entscheidene Rolle, unter anderem die Bewohner des Hauses, in dem ihre Mutter die achtzehn Jahre nach dem Verschwinden ihres Mannes bis zu ihrem Tod lebte. Sehr unterschiedliche Personen, die allesamt etwas kauzig wirken, gestalten die Geschichte um Sabrinas Leben abwechslungsreich – teilweise amüsant, teilweise verstörend, aber immer sehr … speziell.

Geschickt baut die Autorin das Buch anfangs in mehreren Perspektiven auf und schafft so zwei Schauorte des Geschehens in unterschiedlichen Gegenden Deutschlands. Schnell kann man sich denken, in welchem Zusammenhang die beiden Frauen stehen, von denen berichtet wird – bereits erwähnte Sabrina und Lea, die sich auf die Suche nach ihrem Vater macht. Die Vorgeschichte, die Lea letztendlich dazu bewegt, sich nach Hamburg aufzumachen und ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen, ist eine bereits vielfach verwendete Idee, die leider auch in der Umsetzung nicht viel Neues hergibt. Sie scheint allerdings auch nur Mittel zum Zweck, Lea irgendwie sinnvoll in die Geschichte zu bringen, zu sein – denn das Mädchen gehört zu den tragenden Rollen im Buch.

Sprachlich gibt Imago ebenfalls nicht viel Neues her. Bormann bleibt auf der sicheren Seite und wagt keinerlei Experimente mit der Sprache. Dadurch ist der Roman leicht und schnell zu lesen, bleibt aber – rein sprachlich – kaum im Gedächtnis zurück. Allein der Plot und die teilweise überaus kranken Gedanken und Wesen der Charaktere sind dazu in der Lage, dass man auch nach dem Ende der letzten Seite noch eine Weile den Kopf schüttelt. Leider haben sich auch einige Fehler eingeschlichen, die bei der Korrektur übersehen wurden. Vor allem fehlende oder zu viel gesetzte Kommata reißen teilweise aus dem ansonsten sehr konstanten Lesefluss, was das Lesevergnügen ein wenig schmälert.

Die Gestaltung des Buches selbst ist schlicht, fällt aber trotzdem ins Auge. Das verwischte und verzerrte Coverbild gibt einen guten Eindruck vom Inhalt, der den Leser erwartet. Leider ist die Bindung nicht gut zum Lesen, da man sehr vorsichtig sein muss, wenn man das Buch vor hässlichen Knicken schützen möchte.
Das Hörbuch, von der Autorin selbst eingelesen, bietet zum vorliegenden Roman eine tolle Ergänzung. Bormanns Stimme passt, obwohl sie eher ruhig ist, gut zur Geschichte. Dieser Gegensatz gestaltet das Hörbuch, das erst nach dem Lesen zu hören empfohlen wird, mit Gänsehaut-Momenten – stellenweise erinnert man sich sehr gut an das Gelesene und bemerkt bestimmte Hinweise auf den ersten Seiten, die am Ende des Buches einen (neuen) Sinn erhalten.

Als Gesamtwerk betrachtet kann man das Roman-Debüt von Bettina Bormann als gelungen betrachten. Für eine spezielle Zielgruppe ist dieser Roman etwas Neues, das zu unterhalten versteht. Zartbesaitete sollten allerdings eher die Finger davon lassen.



Fazit:

Imago ist ein seltsamer Roman mit kriminalistischen Zügen und sehr kranken Charakteren – wenn man das Buch als Otto-Normal-Verbraucher liest. Schafft man es allerdings, das Bild, das die Gesellschaft als „normal“ bezeichnet, nur ein wenig beiseite zu schieben und sich dem Stoff, aus dem dieses Buch gestrickt ist, ein Stück weit zu öffnen, taucht man in eine Welt, in der die Prioritäten neu angeordnet werden.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Advertisements