PAN-Verlag, 1. Auflage Januar 2010
Originaltitel: The Vampire Shrink
Aus dem Amerikanischen von Christine Gaspard
Klappbroschur, 464 Seiten
EUR (D) 9,95 | EUR (A) 10,30
ISBN: 978-3-426-28302-8
Leseprobe

Genre: Dark Fantasy



Klappentext:

»Ich bin ein Vampir.«
Selbstverständlich bist du das, dachte ich spöttisch. »Erzählen Sie mir davon.«
Er lachte wieder. Er schien mich ausgesprochen amüsant zu finden.
Hm. Unangebrachter Humor. Das ist ein Symptom bei mehreren Störungen!

Kismet Knight hat als Psychologin schon viele ungewöhnliche Patienten behandelt. Das Mädchen Midnight, das ein Vampir sein möchte, gehört da noch zu ihren normalsten Fällen. Wirklich verrückt wird es aber, als der angebliche Vampir, von dem Midnight ihr erzählt hat, plötzlich vor Kismet steht. Deveraux ist umwerfend attraktiv – und behauptet tatsächlich, dass er über 800 Jahre alt ist. Kismet scheint einer neuen Geisteskrankheit auf die Spur gekommen zu sein: Schließlich gibt es Vampire ja nicht wirklich. Oder?

Innerer Klappentext:

»Ich wusste nicht, was schlimmer war: dass ich die Möglichkeit, Vampire könnten existieren, auch nur in Betracht zog oder dass ich gerade einen schönen Verrückten küsste. Wie man es auch betrachtete, ich hatte ein ernsthaftes Problem.«

Nur weil Kismet nicht erklären kann, wie der attraktive Deveraux es immer wieder schafft, ihre Gedanken zu erraten oder andere unglaubliche Dinge zu tun, heißt das noch lange nicht, dass es Vampire mit übersinnlichen Fähigkeiten gibt. Vielmehr brauchen diese Möchtegern-Vampire dringen Hilfe, um sie von ihren Wahnvorstellungen zu befreien. Zumindest denkt Kismet das und bietet deshalb ihre Dienste als Vampirpsychologin an. Nur leider sind Deveraux‘ Leidensgenossen erheblich weniger verführerisch als er – dafür aber umso blutgieriger …



Rezension:

Für Kismet Knight, renommierte Psychologin mit eigener Praxis im definitiv nicht besten Viertel der Stadt, steht die Nichtexistenz von Phantasie-Wesen völlig außer Frage. Werwölfe, Vampire, Hexen – alles nette Gespenster, um kleine Kinder zu erschrecken oder Halloween etwas spannender zu gestalten, aber definitiv keine Gestalten, die in der realen Welt leben. Auch als ihre neue Patientin Midnight, die auf Wunsch ihrer Eltern in die Sprechstunde kommt, ihr zugegebenermaßen glaubhaft vermittelt, ihre Abende in Gesellschaft von Vampiren zu verbringen, tut Kismet dies als einen Spleen ab. Selbst das Auftauchen Devereux‘ in ihrer Praxis, natürlich erst nach Einbruch der Dunkelheit, kann sie nicht von der Existenz übernatürlicher Wesen überzeugen. Schneller, als sie ahnen kann, wird sie jedoch eines Besseren belehrt, denn die Ereignisse überschlagen sich und aus ihren bisher recht behaglichen und vergleichsweise eintönigen Leben wird eine rasante Achterbahnfahrt, die ihr kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Dass Vampirgeschichten momententan gut bei der Leserschaft ankommen, ist längst kein Geheimnis mehr. An allen Ecken und Kanten findet man Romane, in denen die Nackenbeißer in der einen oder anderen Form die Hauptrolle spielen, und jede Menge Begleitmaterial über die verschiedenen Charaktere verschiedener Bücher. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass eine weitere Autorin auf diesen Zug des Erfolgs aufspringen möchte, im Grunde erwartet man als Leser auch gar nichts Neues – und wird am Ende doch überrascht. Denn Lynda Hilburn nimmt zwar das Thema „Vampire“ in ihrem Roman auf, lässt dabei aber den, nun ja, gesunden Menschenverstand nicht außer Acht. Sie versucht geschickt, die Zweifel an der Existenz von Vampiren und ähnlichen Geschöpfen einzubauen und schafft dies auf eine Weise, die anfänglich ein wenig in Richtung „Wir ziehen das einfach mal ins Lächerliche und gucken, was draus wird.“ geht, sich im Laufe des Buches aber nach und nach zu einem unterhaltsamen Plot entwickelt.

Als Leser fühlt man sich teilweise tatsächlich wie auf der Couch, ohne dabei als Geisteskranker abgestempelt zu werden – denn irgendwie glaubt man ja doch auch ein bisschen an das, was man da liest. Fantasy-Geschichten sind dazu da, aus der realen Welt zu flüchten, mal eine Auszeit von der Realität zu nehmen – Hilburn schafft es, dass man sich, wenn auch nur un(ter)bewusst, doch fragt: Wie viel Wahrheit steckt in solchen Romanen? Irgendwo müssen diese ganzen Geschichten ja herkommen, und wie alt ist die Sage um Dracula wirklich, wie viele Jahrhunderte hat sie bereits überlebt und wurde von Generation zu Generation weitergetragen?

Trotz dieser Fragen, die vor allem im Nachhinein auftauchen, stellt Kismet Knight: Vampirpsychologin vor allem eins dar: Großartige Unterhaltungsliteratur! Mit Wortwitz und teilweise ungewollt komischen Einsätzen der Protagonistin verschafft die Autorin ihren LeserInnen mehrmals die Möglichkeit des herzhaften Lachens, aber auch emotionale Momente kommen dabei nicht zu kurz. Das Beste hierbei ist, dass man sich von keinem der liebgewonnenen Charaktere verabschieden muss und hoffen darf, dass auch in den Folgebänden jeder einzelne wieder genauso viel Aufmerksamkeit gewidmet bekommt.



Fazit:

Kismet Knight: Vampirpsychologin ist sicher keine komplette Neuheit im Dark Fantasy-Genre, weiß aber durch abwechslungsreiche Dialoge und erheiternde Gedankengänge definitiv gut zu unterhalten. Die Geschichten um Vampire und ihre ganz persönliche Psychologin sind definitiv ausbaufähig und man darf gespannt sein, welche Ideen und Abenteuer Lynda Hilburn für weitere Bände noch in der Hinterhand hat.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Advertisements