Scherz Verlag, 1. Auflage September 2009
Originaltitel: The Likeness
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
HC mit SU, 784 Seiten
Preis € (D) 16,95 | € (A) 17,50 | SFR 28,50
ISBN 978-3-502-10192-5
Leseprobe

Genre: Krimi



Klappentext:

Dem Tod wie aus dem Gesicht geschnitten

Als die junge Polizistin Cassie Maddox in ein verfallenes Cottage außerhalb von Dublin gerufen wird, schaut sie ins Gesicht des Todes wie in einen Spiegel: Die Ermordete gleicht ihr bis aufs Haar. Wer ist diese Frau? Wer hat sie niedergestochen? Und hätte eigentlich Cassie selbst sterben sollen? Keine Spuren und Hinweise sind zu finden, und bald bleibt nur eine Möglichkeit: Cassie Maddox muss in die Haut der Toten schlüpfen, um den Mörder zu finden. Ein ungeheuerliches Spiel beginnt.

Innerer Klappentext:

»Ich kannte sie von irgendwoher, hatte das Gesicht schon tausendmal gesehen. Dann trat ich einen Schritt vor, um genauer hinzuschauen, und die ganze Welt verstummte, gefror, während Dunkelheit von allen Seiten herantobte und in der Mitte gleißend weiß nur das Gesicht der jungen Frau blieb, denn das war ich.«

In einem verfallenen Cottage außerhalb von Dublin wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ermittlerin Cassie Maddox kann kaum fassen, was sie zu sehen bekommt: Die Tote gleicht ihr bis aufs Haar. Sie wohnte mit vier anderen Studenten in einem abgelegenen alten Herrenhaus, wo sich die Freunde ein verschworenes Universum geschaffen haben, misstrauisch beäugt von den Dorfbewohnern. Eine unheimliche Idee nimmt Gestalt an: Kann Cassie Maddox in der Rolle der Toten in deren abgeschlossene Welt eindringen, um den Mörder ihrer Doppelgängerin zu finden?



Rezension:

Nur wenige Wochen nach dem Knocknarree-Fall – Cassandra Maddox hat sich inzwischen in das Dezernat für häusliche Gewalt versetzen lassen – findet ein Bauer auf einem Spaziergang mit seinem Hund in einem versteckt liegenden Cottage die Leiche von Alexandra Madison. An sich ist eine Frauenleiche nichts, was die Ermittler vom Morddezernat aus den Schuhen holt, doch die Ähnlichkeit zu einer ehemaligen Kollegin erschreckt im ersten Moment und lässt die Männer den Atem anhalten – Sam O’Neill, dem Leser bereits als dritter Ermittler aus Grabesgrün bekannt und Leiter der bevorstehenden SOKO Spiegel, ruft Cassie zum Fundort, wo sie auch auf einen ehemaligen Vorgesetzten aus ihrer Zeit als Undercoverermittlerin stößt. Viele Möglichkeiten schwirren ihr durch den Kopf, doch die letztendliche Variante trifft sie schließlich unerwartet: Die Tote ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Und damit nicht genug, sie benutzte auch die Identität, die Cassie in mühevoller Kleinstarbeit vor einigen Jahren für eine langwierige Undercoveraktion erschaffen hat. Wer war die Tote wirklich und wer ermordete sie aus welchen Gründen? Maddox schlüpft schließlich nach einigem Hin und Her, langen Diskussionen und vielen Lernstunden in die Rolle der Toten, um im engsten Kreis ihrer Freunde Details für die Lösung des Falls herauszufinden.

Mit Totengleich knüpft Tana French fast nahtlos an die Geschehnisse aus Grabesgrün an, zeitlich liegen vielleicht knappe zwei Monate zwischen den beiden Fällen. Obwohl dies für den Leser keine Rolle spielt, werden viele Verbindungen zum Knocknarree-Fall hergestellt, vor allem aus dem Grund, weil dieser Fall und seine Auswirkungen nicht spurlos an Cassandra Maddox vorbeigegangen sind. Für Cassie ist die Arbeit als Undercoverermittlerin direkt vor Ort die Chance, wieder zu sich selbst und in ihr altes (Arbeits-)Leben zu finden – ganz klar, dass sie hier nicht nur Fürsprecher hat. Viele dieser kleinen Details aus Grabesgrün hätte die Autorin sich allerdings sparen können – Erinnerungssequenzen an Rob Ryan, Cassies ehemaligen Partner, und die gemeinsamen Zeiten im Großraumbüro des Morddezernats oder an die Nacht, in der die scheinbar unverwüstliche Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden für immer zu Bruch gegangen ist – diese Dinge spielen für den Fall, der in Totengleich aufgeklärt werden soll, keine Rolle und sind an den meisten Stellen überflüssig.

Trotz der teilweise künstlich wirkenden Streckung des Romans, der aus Cassandras Sicht geschrieben ist, und die daraus entstandenen knapp 780 Seiten schafft Tana French es mit ihrem zweiten Roman, den Leser wirklich zu fesseln. Zwar sind langatmige, nichtssagende Passagen enthalten, doch der Leser bekommt nie wirklich den Eindruck, absichtlich hingehalten zu werden. Die Autorin versteht es, das Studentenleben und vor allem die enge Verbundenheit der fünf Freunde so darzustellen, dass man sich fast wünscht, ein Teil dieser Wohngemeinschaft zu sein. Dass die Lösung des Falles letzten Endes eher unspektakulär ist, verzeiht man schnell, weil man nach der letzten Seite trotzdem das Gefühl hat, gut unterhalten worden zu sein und einen durchschnittlich guten Krimi vorgelegt bekommen zu haben.

Das relativ offene Ende, was Cassie Maddox’ weitergehende Karriere bei der Polizei angeht, lässt einiges vermuten und der Autorin viele Möglichkeiten, die Reihe fortzuführen. Als Protagonist für den nächsten Roman Sterbenskalt, der Mitte Dezember 2010 im Scherzverlag erscheinen soll, hat sich Tana French Cassies ehemaligen Undercovervorgesetzten Frank Mackey ausgesucht. Mit geplanten etwa 560 Seiten wird der dritte Band also der bisher kürzeste sein – man darf gespannt sein, ob sich Frau Frenchs lange und ausschweifende Schreibart ein wenig gelegt und sie sich endlich auf das Wesentliche konzentriert hat.



Fazit:

Der zweite Roman um Cassie Maddox ist Tana French um einiges besser gelungen als sein Vorgänger Grabesgrün. Überzeugende Charaktere, verschlungene Ermittlungsarbeiten, unterschiedliche Herangehensweisen und eine zwar unspektakuläre, aber überzeugende Lösung des Falles machen Totengleich zu einem unterhaltsamen und soliden Kriminalroman.



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5



French, Tana: Grabesgrün

Advertisements