Lübbe Hardcover, 1. Auflage Mai 2010
Originaltitel: To Love What Is
Aus dem Amerikanischen von Veronika Dünninger
HC mit SU, 272 Seiten
EUR 16,99 (D) | EUR 17,50 (A) | SFR 25,90
ISBN: 978-3-7857-2401-9

Genre: Erfahrungsbericht



Klappentext:

Lässt sich die große Liebe bewahren, wenn sich nur noch einer an sie erinnert?

Als Alix den smarten Scott auf dem Sportplatz der Highschool zum ersten Mal sieht, ist es um sie geschehen. Doch erst in einem Sommerkurs gelingt es Alix, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Was sie nicht zu träumen wagte, wird wahr: Scott bittet sie zu einem Rendezvous.

34 Jahre später steckt Alix gerade in ihrer zweiten Scheidung, als das Telefon klingelt. Es ist Scott, von dem sie viele Jahre nichts gehört hat. Ob sie sich mit ihm treffen wolle, möchte er wissen. Alix willigt ein, und obwohl beide vor neuen Beziehungen zurückschrecken, geben sie ihrer nie ganz verschwundenen Liebe eine Chance. Ein Happy End, eigentlich. Doch dann stürzt Scott eines Nachts, verletzt sich schwer – und nichts ist mehr, wie es war.

Eine wahre Geschichte, die zu Herzen geht und zeigt, was Liebe vermag.

Innerer Klappentext:

»Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, sein Zustand würde sich bessern«, sage ich aufgeregt am Telefon zu Sarah. »Und noch etwas. Er kann sich erinnern, dass wir dich im Januar besuchen werden. Er fragt immer wieder, ob wir nicht bald mit dem Packen anfangen sollten.«
»Für einen Flug in einem Monat?«
»Ich weiß. Sein Zeitgefühl ist hinüber, aber immerhin erinnert er sich überhaupt, dass wir fahren werden. Ist das nicht erstaunlich?« Dann gestehe ich: »Ich sehe diese jüngsten Gedächtnisleistungen als Zeichen für unser unglaubliches Glück, dasselbe Glück, das mir zu meinem Buchvertrag verholfen und mir Judith geschickt hat, als ich beides am dringendsten brauchte.«
»Euer unglaubliches Glück?«
Als ich ihren Zweifel mein Glück betreffend höre, kann ich ihre verächtliche Miene fast vor mir sehen. Daher füge ich rasch hinzu: »Natürlich, die schlechten Stunden zähle ich nicht.«

Nach Jahren der Trennung freuen sich Alix und Scott, ihren Lebensabend gemeinsam zu verbringen und zu genießen. Doch dann wird der Unfall ihres Mannes für Alix Kates Shulman zur größten Herausforderung ihres Lebens.



Rezension:

Bereits als junge Erwachsene lernen sich Alix und Scott kennen – und lieben. Da sie damals aber unterschiedlicher nicht sein könnten, bleibt es bei einer Sommer-Romanze, nach welcher sie sich wieder aus den Augen verlieren, aber nie ganz vergessen. 34 Jahre später treffen sie wieder aufeinander, mit Hilfe von Alix’ Vater, und ihre Liebe entbrennt erneut. Entgegen ihrer Pläne – beide sind bereits geschieden – heiraten sie schließlich in ihrem Loft und schaffen sich ein gemeinsames Leben, in dem trotzdem jeder für sich und unabhängig bleibt. Scott widmet sich in einem Atelier seiner Kunst, Alix im gemeinsamen Loft ihren Büchern – beide sind zufrieden, sich jeweils mit der eigenen Arbeit auseinander zu setzen, um die Abende gemütlich zusammen ausklingen zu lassen.
Den Sommer verbringen sie gerne am Nubble auf einer kleinen und einsamen Insel in der Casco-Bucht, wo Alix in früheren Zeiten ihre Urlaube allein verbracht hat, um in Ruhe arbeiten zu können, und wo es zum nächsten Nachbarn einen zwanzig minütigen Spaziergang über den Strand dauert. Dort haben sie ein kleines Haus fernab jeder Zivilisation – kein Telefon, kein TV, Licht aus Gaslampen, der Strom wird über Solarzellen auf dem Dach des Hauses gewonnen – und ein Strandstudio, das Scott für seine Frau eigenständig entworfen und gebaut hat. In diesem Studio schlafen sie auch während ihrer Zeit auf der Insel – und in diesem Studio passiert der Unfall, der ihrer beider Leben für immer verändert: Scott stürzt fast drei Meter tief vom Schlafboden.

Die Schilderung des Unfalls, natürlich aus Sicht von Alix Kates Shulman, ist der Einstieg in dieses Buch, das neben vielen medizinischen Begriffen und Erklärungen vor allem mit einer Geschichte über die wahre Liebe und das vergängliche Leben in seinen Bann zieht. Zwei über siebzig jährige Menschen, die vom Schicksal nach drei Jahrzehnten wieder zueinander geführt wurden, um ihre Liebe aus Jugendzeiten leben zu können, werden vom gleichen Schicksal auf eine harte Probe gestellt – denn Scott überlebt den Sturz, was an ein Wunder grenzt, trägt jedoch schwere Hirnverletzungen davon, von denen er sich aller Voraussicht nach nie wieder vollständig erholen wird. Für Alix bedeutet dies, dass auch sie ihr Leben von Grund auf neu ordnen und anpassen muss, denn für sie steht es außer Frage, die Liebe ihres Lebens in ein Pflegeheim zu stecken. Das Loft wird Scotts neuen Bedürfnissen angepasst, das direkt nebenan für zukünftige „Scott-Betreuerinnen“ angemietet und als neues Atelier teileingerichtet – Alix tut ihr Möglichstes, um Scott wenigstens teilweise in sein altes Leben zurückführen zu können. Doch irgendwann muss sie zwangsläufig feststellen, dass Hoffnung manchmal trügerisch sein kann.

Durch eingeschobene Rückblenden in vergangene Zeiten bekommt der Leser einen Eindruck von Scott vor seinem Unfall und der Beziehung zwischen ihm und Alix. Und auch in den Beschreibungen der Gegenwart blitzt manchmal etwas von diesem „alten“ Scott durch, was wohl vor allem an der liebevollen Art der Autorin liegt, mit der sie von ihrem Mann und ihrem Leben erzählt. Ihre Wortwahl ist derart lebendig, dabei aber auch so unverblümt, dass man nicht nur die Geschichte in sich aufsaugt, sondern unbedingt mehr aus der Zeit vor dem Unfall erfahren möchte. Zeitweise sind die vielen medizinischen Erklärungen zwar nervenaufreibend, aber man macht sich klar, dass dies einfach dazugehört, um diesen lebensechten Bericht verstehen zu können – vor allem weil man gerne mal vergisst, dass beide Protagonisten bereits über siebzig Jahre alt sind.

Neben der zu Herzen gehenden Geschichte von Scott und Alix ist auch die Gestaltung des Buches hervorragend gelungen. Das schlicht gehaltende Motiv des Schutzumschlag-Covers, das den Inhalt wundervoll unterstreicht, wurde auch auf die Inneneinbände des Buches gedruckt. Im stabilen Hardcover, das in schlichtem Weiß daher kommt, erwartet den Leser eine erstaunliche Lebensgeschichte.



Fazit:

Zu lieben was ist ist ein Erfahrungsbericht der besonderen Art und eine Ode an die Liebe und das Leben zu zweit, mit all seinen Höhen und Tiefen. Alix Kates Shulman schildert eindringlich, behutsam, liebevoll, aber nicht Mitleid heischend von dem Unfall der Liebe ihres Lebens, wie dieser sich auf ihrer beider Leben ausgewirkt hat und wie sie es gemeinsam geschafft haben, trotzdem alles zu überstehen. Ein Buch, das Betroffenen Mut macht und alle anderen tief berührt. Lesens- und empfehlenswert!



Wertung:

Von einer Wertung nach Punkten wird abgesehen.

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