List, 1. Auflage März 2010
HC mit SU und Lesebändchen, 336 Seiten
€ 16,95 [D], € 17,50 [A], sFr 28,50
ISBN-13: 9783471350386
Leseprobe

Genre: Belletristik



Klappentext:

Manchmal müssen ein paar Tages des Glücks
für ein ganzes Leben reichen

Sophie und Max werden bei einem Luftangriff verschüttet. Für einige Zeit sind sie völlig abgeschnitten von der Welt. Sie beginnen sich ineinander zu verlieben, obwohl sie beide verheiratet sind. Als sie schließlich zu ihren Familien zurückkehren, wissen sie, dass sie eigentlich füreinander bestimmt sind. Einmal im Jahr wollen sie sich sehen, an einem bestimmten Tag, auf dem Römer. Dann schlägt das Schicksal unerwartet zu.

Innerer Klappentext:

Frankfurt, 1944. Nach einem Luftangriff werden zwei Menschen verschüttet und von der Außenwelt abgeschnitten. Sophie und Max erzählen sich aus ihrem Leben und kommen sich näher. Beide sind verheiratet und haben Kinder, trotzdem verlieben sie sich ineinander.
Nach ein paar Tagen können sie sich befreien, und nun könnten sie in ihr altes Leben zurückkehren. Doch Sophie und Max bleiben noch zusammen, nehmen sich eine Auszeit vom Leben.
Schließlich treffen sie eine Abmachung: Einmal im Jahr werden sie für fünf Minuten am Frankfurter Römer auf den anderen warten. Sollten sie sich dort begegnen, werden sie es tun: ihr Leben ändern, zusammen sein. Sie werden das Schicksal entscheiden lassen.

Eine erschütternde Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich gegen alle Widerstände ewige Liebe schwören.



Rezension:

Deutschland befindet sich noch immer unter der Hitler-Regierung, die letzte Phase des Krieges ist angebrochen, Essen und Arbeit sind knapp, unzählige Menschen gestorben, Luftangriffe zerbomben die Städte und erschüttern die Erde – und inmitten dieses Chaos entsteht in einem Luftschutzkeller das zarte Band einer jungen Liebe, die dazu bestimmt zu sein scheint, unerfüllt zu bleiben. Denn Sophie und Maximilian spüren zwar beide, dass zwischen ihnen etwas Besonderes vor sich geht, sind aber beide verheiratet und haben jeweils zwei Kinder. Unglücklich in ihren Ehen klammern sie sich an ihre Gefühle füreinander und beschließen, nachdem sie sich aus dem zugeschütteten Luftschutzkeller befreien konnten, noch weitere vier Wochen miteinander zu verbringen. Lediglich Sophies beste Freundin Lotti ist in diesen Plan eingeweiht und auch all die Jahre danach die einzige eingeweihte Person. In der Gewissheit, dass das Schicksal sie zusammengeführt hat, einigen sie sich darauf, jedes Jahr am Tag ihrer Trennung zum Römer in Frankfurt zu gehen und genau fünf Minuten auf den anderen zu warten – wenn sie sich wieder begegnen, wollen sie ihr Leben ändern und es zukünftig zusammen verbringen.

Die Geschichte von Sophie und Maximilian nimmt den Leser von Anfang an gefangen – sie beginnt damit, dass Sophie nach dem Luftangriff auf Frankfurt allein in einem dunklen Luftschutzkeller zu Bewusstsein kommt. Über einige Seiten versucht sie, sich zu beruhigen und herauszufinden, ob weitere Menschen mit ihr verschüttet wurden. Ihre Angst und die Erleichterung, als sie auf einen Mann trifft, spürt man deutlich in den Worten, die durch ihre Einfachheit sehr gut zum geschichtlichen Hintergrund passen. Trotz dieser Einfachheit, durch die textliche Raffinessen ausbleiben, versteht der Plot an sich es hervorragend, in seinen Bann zu ziehen und den Leser zu fesseln. Mehrmals spielt man zwischendurch mit dem Gedanken, auf die letzten Seiten zu blättern und vorab zu erfahren, wie die Geschichte wohl ausgehen mag. Doch weil man sich die Spannung nicht nehmen möchte, lässt man es und verschlingt weiterhin jede Seite, arbeitet sich durch knapp zwanzig Jahre, die abwechselnd von beiden Leben erzählen und durch nie abgeschickte Briefe aufgelockert werden. Denn bis auf ihre Vornamen und die Namen ihrer Ehepartner wissen Sophie und Max nichts voneinander, was bei der Suche hilfreich sein würde. So sind sie darauf angewiesen, dass das Schicksal sie ein zweites Mal zusammenführt, um ihnen ihr Glück zu ermöglichen.

Durch die wechselnden Blickwinkel ist der Leser nah am Geschehen und erlebt als Einziger die Knappheit verschenkter zufälliger Begegnungen – sowohl am Römer als auch an anderen Orten in Frankfurt. Die Autorin verwebt die eigentlich voneinander unabhängigen Leben Sophies und Maximilians so miteinander, dass es fast schon an einen schlechten Scherz des Universums grenzt, dass die zwei sich nicht früher schon einmal begegnet sind und sich auch jetzt immer wieder verpassen.
Die Charaktere sind zwar sehr einseitig gestaltet – es gibt nur richtig gut und richtig böse, wodurch das Buch manchmal ein wenig in die Schwarzweißmalerei driftet und man sich als Leser doch denkt, dass die Autorin hier vielleicht ein wenig übertrieben hat. Doch insgesamt ist auch die Gestaltung der Nebencharaktere stimmig und wahrscheinlich gut zu der damaligen Zeit passend – Rebecca Stephan kann einen guten Eindruck der damaligen Stellung von Frauen in der Gesellschaft und die unheimlich große Kluft zwischen Arm und Reich vermitteln. Der geschichtliche Hintergrund gerät dabei jedoch nicht so sehr ins Sichtfeld des Lesers, was das Buch auch für Leser interessant macht, die sich nicht so sehr für Geschichte interessieren oder vielleicht auch das Thema „Drittes Reich“ inzwischen leid sind.

Einziger nennenswerter Wermutstropfen: Das Ende enttäuscht auf eine Art, obwohl oder gerade weil es überrascht. Während der Rest des Buches zwar teilweise übertrieben, aber insgesamt noch glaubwürdig ist, driftet das Ende leider ins Unglaubwürdige – vielleicht auch deswegen, weil man als Leser eigentlich etwas anderes erwarten würde. Ohne hier zu viel verraten zu wollen, muss wohl gesagt werden, dass der Roman ein anderes Ende verdient hätte.



Fazit:

Zwei halbe Leben ist ein Frauenroman mit historischen Hintergrund, der jedoch nicht ins Gewicht fällt und somit auch für Nichthistoriker wundervolle Unterhaltung darstellt. Tiefgehende Gefühle, liebenswerte Protagonisten und eine Geschichte, die unter die Haut geht und den Leser direkt ins Herz trifft – empfehlenswert!



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


von Wolff, Steffi: Ausgebucht

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