Knaur, 1. Auflage Juli 2009
Originaltitel: Epoch
Aus dem Amerikanischen von Sabine Reinhardus
Klappenbroschur, 304 Seiten
€ 8,95 (D) | € 9,20 (D)
ISBN: 979-3-426-50332-4
Leseprobe

Genre: Fantasy



Klappentext:

Vincent hatte die Schranktür geöffnet und nach einer Tüte Zucker gegriffen, als sein Blick auf ein sonderbares Geschöpf fiel, das eindeutig nicht in einen Küchenschrank gehörte. »Hast du ein Glotzproblem, oder warum starrst du so?«, fragte es unfreundlich.

So richtig leicht hat Vincent es nicht: Sein Bruder nervt, seine Eltern gehören einer merkwürdigen Sekte an – und dann erfährt er auch noch von einem übellaunigen Elf, dass die Vernichtung durch hungrige Dämonen unmittelbar bevorsteht. So etwas kann einem wirklich den Tag versauen! Also muss Vincent sich schleunigst darum kümmern, die Welt zu retten. Falls das überhaupt noch möglich ist …

Die witzigste und turbulenteste Weltuntergangsgeschichte aller Zeiten!



Rezension:

Im Jahr 2012 soll es laut Maya-Kalender mal wieder soweit sein: Der uns bekannten Welt droht der Untergang. 2009 jedoch hat sich Timothy Carter bereits ausführlich mit der Weltuntergangstheorie beschäftigt und seine ganz eigenen Ansichten aufgeführt. Heraus kam sein Debüt-Fantasy-Roman Dämonenhunger, der nicht im Geringsten Ähnlichkeiten mit den Maya-Vorhersagungen aufweist, diesen aber auch in Nichts nachsteht. Denn wer kann denn schon mit Sicherheit sagen, wann und wie die Welt nun wirklich untergehen und was danach kommen wird?

Der Protagonist Vincent hat eine nicht ganz einfache Stellung im Leben. Nicht ganz Außenseiter, aber auch nicht richtig dazugehörend ist er Teil einer großen, grauen Masse, die von den coolen Leuten meistens einfach übersehen wird und vor denen die Randgruppen immer noch zu viel Respekt haben, um sich ihnen anschließen zu können. Sein bester Freund hingegen gehört mehr oder weniger eindeutig zum niederen Abschaum der Schule und wird regelmäßig vom König derselben in die Mangel genommen, woran sich im Laufe der Geschichte nichts ändert – bis auf den Täter. Ansonsten hat Vincent nicht viele zwischenmenschliche Beziehungen: Da wäre noch seine ehemalige Babysitterin, die zwar um einiges älter als er und sein Bruder sein muss, in die Vincent trotzdem hoffnungsvoll verliebt zu sein scheint. Und natürlich seine Familie, wobei die nicht wirklich zählt, denn sowohl seine Eltern als auch sein Bruder sind fanatische Sektenanhänger eines bisher ungekannten Glaubens, während Vincent selbst damit nicht viel anfangen kann. Genau dieser Punkt macht den Jungen besonders sympathisch, da er den Glauben seiner Familie in keiner Weise nachvollziehen kann und er sich, zumindest innerlich, total dagegen sträubt. Was ihn nicht vor Sanktionen schützt, die meistens in Nächten vor dem hauseigenen Schrein im Keller enden.
Dass Vincent auf den bevorstehenden Weltuntergang aufmerksam gemacht wird, ist eigentlich eher Zufall – als er seine ehemalige Babysitterin besucht und Zucker für den Tee aus der Küche holen möchte, grinst ihn ein seltsames Wesen aus dem Schrank an. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hierbei nicht um einen Dämon, sondern um einen Elfen handelt, von dem Vincent nach einigem Hin und Her erstmal entführt und zum Elfenchef gebracht wird. Nach seiner Freilassung tauchen auch noch Feen auf und schließlich natürlich die für den Weltuntergang so wichtigen Dämonen, aber auch Zentauren finden ihre Gastrolle in Carters phantastischen Weltuntergangsszenario.

Viel gibt die Geschichte leider nicht her. Vincent, vom Zufall oder Schicksal in die Rolle des Weltenretters geschubst, hat gerade mal zwei Tage Zeit, um herauszufinden, wo sich die sogenannten Portale befinden, durch die sich die Menschheit retten kann, diese von ihren Schutzschilden zu befreien und auch seine Freunde und Familie zum nächstgelegenen Portal zu treiben. Klingt an sich schon schwierig genug, bedenkt man den Zeitdruck und die Tatsache, dass Vincent bis dato nicht einmal was von der wirklichen Existenz seiner neuen Freunde – den Elfen und Feen – und seiner neuen Feinde – den Dämonen – wusste, sondern sie immer nur als Märchenfiguren kennen gelernt hat. Bei seiner Mission stolpert er von einem Fettnäpfchen in das nächste, schon bald weiß der Leser bei jeder neuen Aufgabe, dass irgendwas schief läuft, ja sogar schief laufen muss. Hier hätte Carter gerne ein wenig zurückfahren können, denn etwas mehr Überraschung hätte dem Buch definitiv gut gestanden. So bleibt die Geschichte die ganze Zeit sehr vorhersehbar, obwohl man dem Autor zugute halten muss, dass er Vincent nicht auf die offensichtlich aussichtslose Mission der Weltenrettung geschickt hat.

Aber auch bei den Charakteren wurde ganz schön nachlässig gehandelt. Sämtliche Darsteller, völlig egal in welcher Rolle, wirken eher lustlos und bleiben bis auf ganz seltene Lichtmomente grau und fad. Einzig die Dämonen schaffen es, dem Leser im Gedächtnis zu bleiben, was aber vielleicht auch der Gestaltung des Buches zuzuweisen ist. Denn die roten Kugelbäuche, mit denen das Cover verziert ist und die auch bei jedem neuen Kapitel bildlich auftauchen – je fortgeschrittener die Geschichte, desto mehr Dämonen am Kapitelbeginn -, wurden überaus plastisch dargestellt, sodass dem Leser klare Vorstellungen gegeben sind. Selbst die Art des Sterbens – ja, die Dämonen in Carters Roman können getötet werden, aber auf welche Art! – ist innovativ und großartig – auf diese Idee muss man erstmal kommen.
Überhaupt ist Carters Debüt insgesamt eine wirklich nette Idee und mal etwas völlig anderes als die üblichen Untergangsszenarien der Welt. Vor allem die Bezugnahme auf das Kaputtspielen der Erde durch die Menschheit und die überspitzten Beispiele machen unheimlichen Spaß – wäre da nicht die eher lieblose und gelangweilte Umsetzung. Der Autor hätte einiges mehr aus seiner Geschichte holen können, so bleibt das Buch eine nette und kurzweilige Unterhaltung, aber definitiv nicht die „witzigste und turbulenteste Weltuntergangsgeschichte aller Zeiten.“



Fazit:

Mit Dämonenhunger zeigt Timothy Carter den drohenden Untergang der uns bekannten mal von einer völlig anderen, etwas amüsanteren, aber nicht unbedingt weniger düsteren Seite. Mit einigen Logikfehlern und teilweise langweiliger Sprache, aber einem interessant gestalteten Layout und wenigstens zeitweise lebendig wirkenden Charakteren (und Dämonen) bleibt der Leser zwiegespalten zurück – weder wirklich überzeugt noch wirklich enttäuscht.



Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

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