cbt, 1. Auflage Oktober 2010
Originaltitel: Need
Aus dem Amerikanischen von Ute Mihr
HC mit SU, 352 Seiten
€ 14,99 (D) | € 15,50 (A) | CHF 26,90
ISBN: 978-3-570-16060-2
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy



Klappentext:

»Nick? Bist du da draußen?«
Und da höre ich es, das wütende Geheul eines Hundes.
Ich erstarre.
Und dann höre ich etwas noch Schlimmeres.
Vom Waldrand kommt ein heiseres Flüstern.
Es ist nicht Nicks Stimme, aber ich erkenne sie.
Ich habe sie gestern Abend gehört, als ich laufen war.
»Zara«, sagt sie. »Komm zu mir.«

Zara zieht zu ihrer Großmutter ins einsame und verschneite Maine, und gleich am ersten Schultag verliebt sie sich in Nick – Nick, der sie vor dem seltsamen Fremden beschützt, der ihr immer wieder auflauert, und Nick, der ihr nicht nur die dunkle Seite ihrer idyllischen neuen Heimat offenbart, sondern selbst ein übernatürliches Geheimnis hat.

Innerer Klappentext:

Er riecht nach Wald und hinterlässt eine Spur aus Goldstaub – der rätselhafte Fremde, der Zara überallhin zu folgen scheint. Seine Anwesenheit spürt sie schon, bevor sie ihn sieht, und es fällt ihr zunehmend schwer, seinem sanften Flüstern zu widerstehen, mit dem er sie zu sich locken will.

Zara sucht Hilfe bei ihren Mitschülern Issie und Devyn, und gemeinsam kommen sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur: Maine ist die Heimat von Elfen und ihr Anführer ist auf der Suche nach einer Königin – eine Tatsache, die nicht nur Zaras Freund Nick, sondern auch ihre Familie in ganz neuem Licht erscheinen lässt …



Rezension:

Zara fühlt sich innerlich taub. Seit Monaten hat sie nicht mehr gelächelt oder sonst irgendeine Gefühlsregung gezeigt. Auch gefühlt hat sie seit dem Tod ihres Stiefvaters nichts Nennenswertes mehr. Sie verstrickt sich in Selbstvorwürfen, weil sie ihrem einzigen Daddy nicht helfen konnte, als ein Herzanfall ihn aus dem Leben reißt. Zaras Mutter, die sich große Sorgen um sie macht, schickt sie nach Maine zur Großmutter Betty, von der schon sie selbst vor Jahren herzlich aufgenommen wurde, als sie sich in deren Sohn verliebte. Zara selbst war noch nie in Maine, und die bittere Kälte, der viele Schnee und das frühe Dunkelwerden zerren noch mehr an ihren eh schon stark strapazierten Nerven und Emotionen.
Betty nimmt sie liebevoll auf und drängt sie langsam, aber sicher zurück in Richtung Leben – und das beginnt am Tag nach ihrer Ankunft mit Zaras erstem Schultag in Maine. Dort trifft sie als erstes auf Nick, der ihr den Parkplatz klaut. Trotzdem erliegt sie ihm auf der Stelle. Im Schulbüro läuft sie Megan über den Weg, die aus ihrer sofortigen Feindseligkeit nicht den geringsten Hehl macht. Da kommen interessante Zeiten auf Zara zu – doch zum Glück findet sie Unterstützung bei ihren neuen Freunden Ian, Devyn und Issie, die jedoch auch nicht ganz ohne Geheimnisse sind.
Als eines Tages der geheimnisvolle Fremde auf dem Schulhof auftaucht und durch das Kantinenfenster direkt auf Zara zeigt, löst er damit einen wahren Sturm aus. Denn der gleiche Mann stand am Küchenfenster, als Zaras Dad starb, und sie sah ihn auch schon auf der Startbahn in Charleston beim Abflug in Richtung Maine. Verfolgt er sie? Zara bekommt es langsam mit der Angst zu tun und sucht Rat bei ihren Freunden. Gemeinsam kommen sie dem Geheimnis des Mannes auf die Spur und decken dabei noch jede Menge anderer Geheimnisse auf. Geheimnisse, die sie alle in Gefahr bringen könnten.

Was als überaus spannender Plot erscheint, wird in Flüsterndes Gold leider zum Großteil ins Lächerliche gezogen und völlig verunstaltet. Zara ist ein überaus unsympathisches Mädchen, das nicht besonders klug zu sein scheint – ihre Naivität wäre selbst für ein noch jüngeres Mädchen (gemäß Story besucht sie die elfte Klasse) ziemlich peinlich. Sie ist schnell eingeschnappt und bockt aus fadenscheinigen Gründen rum, ihre Gedankengänge bringen den Leser des Öfteren zum Kopfschütteln und ihre ganze Art lässt ein Ans-Herz-Wachsen leider in keiner Art und Weise zu. Dabei scheint sich die Autorin wirklich Mühe gegeben zu haben, denn andere Charaktere schaffen es in ihrer Liebeswürdigkeit durchaus, den Leser von sich zu überzeugen. So sind Devyn und Issie als nicht offizielles, aber doch offensichtliches Pärchen einfach nur verzückend süß in ihrem Handeln. Und auch Betty benimmt sich nicht wie die typische Großmutter, sondern ist eine lockere, aufgedrehte und gescheite Frau, bei der man gerne sofort einziehen würde – trotz der schlechten Kochkünste. Und auch Nick und Ian gehören trotz ihrer Alpha-Tier-Anwandlungen, wenn sie aufeinander treffen, zu den Charakteren, mit denen man sich anfreunden kann. Selbst Megan gewinnt mit ihrer gemeinen und ablehnenden Art eher die Sympathie des Lesers als Zara – irgendwas ist in dieser Hinsicht also richtig schief gelaufen.

Aber nicht nur bei der Charakterdarstellung der Protagonistin scheinen Carrie Jones einige Fehler unterlaufen zu sein. Auch inhaltlich sind manche Dinge einfach ein völliges Ding der Unmöglichkeit. Während die Geschichte anfangs nur so vor sich hin plätschert, was als Einstieg durchaus angenehm ist, wird das Ende geradezu bizarr. Fast scheint es so, als wolle die Autorin auf den letzten hundert Seiten all die Spannung und all das Aufgestaute noch loswerden, als wolle sie sämtliche Kuriositäten und Absurditäten noch unterbringen – leider läuft dieser Plan völlig gegen den Baum und man fragt sich als Leser nicht zum ersten Mal, ob das tatsächlich der Ernst der Autorin sein kann. Auf Grund des Klappentextes und des wieder einmal wunderschön anzusehenden Covers verspricht man sich doch eine Menge vom Buch, doch keine der Erwartungen wird tatsächlich erfüllt. Sicherlich ist durch die Vielzahl der Fantasy-Literatur, auch im Jugendbereich, der Anspruch ein anderer als noch vor einigen Jahren, mit Flüsterndes Gold allerdings hat die Autorin weder sich selbst noch der Leserwelt wirklich einen Gefallen getan, denn weder sprachlich noch inhaltlich kann das Buch überzeugen.

Einzig die Darstellung der verschneiten Winterwelt Maines ist im Buch wirklich zu hundert Prozent gelungen – Schnee- und Winterfans würden sofort eine Reise ins Weiß buchen. Dass das nicht ausreicht, um ein gutes Buch zu schreiben, ist der Autorin hoffentlich genauso klar wie dem Leser, sodass man zumindest den nächsten Band noch abwarten und Carrie Jones die Chance geben wird, den Leser doch vom Gegenteil zu überzeugen.



Fazit:

Selbst für einen Jugendroman erscheint Flüsterndes Gold manchmal sehr naiv und klischeehaft. Ob der eher anspruchslose Sprachstil der Übersetzung geschuldet ist oder tatsächlich auf die Autorin zurückfällt, spielt hier leider keine große Rolle, da auch aus der an sich netten Idee nicht wirklich viel rausgeholt wurde. Der Serienauftakt von Carrie Jones muss, wie auch der potentielle Weiterleser, seine ganze Hoffnung auf die nachfolgenden Bände legen.



Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 2,5/5


Jones, Carrie: Finsteres Gold

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