Droemer Knaur, 1. Auflage August 2010
Originaltitel: This is where I leave you
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
HC mit SU, 448 Seiten
€ 16,95 (D) | € 17,50 (A)
ISBN: 978-3-426-66273-1
Leseprobe

Genre: Belletristik



Klappentext:

»Ich bin deine Mutter,
und ich liebe dich.«
Das sagt Mom immer.
Das nächste Wort lautet stets:
»Aber …«

Die Familientreffen der Foxmans enden stets mit Türenschlagen und quietschenden Reifen, wenn Judd und seine Geschwister so schnell wie möglich einen Sicherheitsabstand zwischen sich und das Elternhaus bringen. Doch nun ist ihr Vater gestorben. Sein letzter Wunsch treibt allen den Angstschweiß auf die Stirn: Die Foxmans sollen Schiwa sitzen, sieben Tage die traditionelle Totenwache halten. Das bedeutet, dass sie auf unbequemen Stühlen in einem kleinen Raum gefangen sind und nicht davonlaufen können. Nicht vor dem, was zwischen ihnen passiert ist – und nicht vor dem, was die Zukunft für sie bereithält …



Rezension:

Bei „normalen“ Familien sind regelmäßige Zusammenkünfte eine Selbstverständlichkeit – Familienfeiern zu Geburtstagen, Feiertagen und auch einfach nur mal so zwischendurch. Nicht so aber bei den Foxmans, die sich ein ums andere Mal um solche Treffen zu drücken versuchen und es nie länger als wirklich unbedingt nötig miteinander aushalten. Der Tod des Familienvaters ändert dies, wenn auch nur für eine Woche. Denn der letzte Wunsch, den er geäußert hat, zwingt sie dazu, ganze sieben Tage unter ein und demselben Dach zu verbringen – ohne Wenn und Aber, ohne Ausreden und Ausflüchte, ohne einen Ausweg.
Besonders für Judd ist es eine harte Zeit, denn normalerweise steht ihm bei solchen Treffen seine Frau unterstützend zur Seite. Doch die hat er vor nicht allzu langer Zeit im eigenen Ehebett mit einem anderen Mann erwischt, und zwar mit niemand Geringerem als seinem Boss. Aber nicht nur Judd, auch die anderen Familienmitglieder und Freunde bringen jeder sein ganz persönliches Säckchen mit zu dieser Schiwa-Woche, in der jede Menge Geheimnisse sowohl ans Licht kommen als auch neu entstehen, alte Bekannt- und Liebschaften zurück in das Leben der Familie Foxman finden und sich auch neue Gesichter ihren Weg in die Herzen der Charaktere (und der Leser) bahnen.

Die Geschwister Paul, Wendy, Judd und Nachzügler Phillipp könnten verschiedener nicht sein, und ihre Frau Mama kann man ohne schlechtes Gewissen durchaus als unkonventionell bezeichnen. Doch wie es so schön heißt: Die Mischung macht’s. Und genau das ist auch eines der Geheimnisse, die Jonathan Tropper in seinem Roman großartig dafür zu verwenden weiß, das Lesen angenehm und spannend zu gestalten, ohne dabei den ernsten Hintergrund ins Lächerliche zu ziehen oder gar außen vor zu lassen. Besonders die kleinen, aber lebensnahen Schwächen der Charaktere machen Sieben verdammt lange Tage zu einem unterhaltsamen und realistisch-nachvollziehbaren Roman, der nicht nur Platz für Unterhaltung und Nachdenklichkeit lässt, sondern zusätzlich auch das Interesse an einer fremden Kultur, nämlich dem Judentum, weckt. Ohne dass dem Leser der jüdische Glauben „aufgezwungen“ wird, streut der Autor sehr geschickt Begrifflichkeiten und Erklärungen in die Geschichte ein – Dinge, die dem Leser auch im Nachhinein noch im Kopf bleiben, sodass er sich nach dem Lesen auf Recherche begibt, um den Roman in seiner Gänze verstehen zu lernen.

Obwohl der Roman nur sieben Tage lang dauert, gibt er inhaltlich so viel mehr her. Verschiedene Rückblicke und Erinnerungssequenzen lockern das Schiwa-Sitzen auf, Fluchtversuche vor Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bringen die Protagonisten zu seltsamen Aktionen, alte Geschwisterfehden sorgen für unheimlich Spaß machende Dialoge und vor allem die Vielseitigkeit der Charaktere weckt auch beim Leser viele Seiten. Mehr als einmal fragt man sich, wie man selbst reagieren, was man empfinden würde. Denn trotz der Erzählform aus der Ich-Perspektive, die im Normalfall recht einseitig und eintönig ist, bekommen in Troppers Roman alle Charaktere die Chance zur Lebendigkeit – und nutzen sie. Gerade durch die Widersprüchlichkeiten der einzelnen Mitglieder wird eine authentische Familienzusammengehörigkeit vermittelt, die nicht erst nach dem Tod des Vaters und aus Zwang durch dessen letzten Wunsch entsteht, sondern immer da war. In den sieben Tagen, die die Foxmans gemeinsam verbringen müssen, erfahren sie nicht nur viel über sich selbst, sondern auch über jeden Einzelnen, der ihnen wirklich nahe steht. Und so schafft Jonathan Tropper es, ein offenes Ende mit Happy- und Nicht-Happy-Ends zu gestalten, von dem der Leser nicht mal enttäuscht sein kann. Denn wie im wahren Leben steht auch für die Foxmans nach dieser gemeinsamen Woche alles offen – sie selbst, jeder Einzelne, haben alle Chancen, die sie nur erkennen und vor allem ergreifen müssen. Und das ist etwas, das man auch als Leser mitnehmen kann, wenn das Buch zur Seite gelegt wird.

Sieben verdammt lange Tage ist im Grunde ein ernsthaftes Buch, das jedoch auch zum Lachen bringen kann. Beide Komponenten harmonieren so gut miteinander, dass man sich unterhalten, aber auch zum Nachdenken angeregt wird – und die verquere, aber überaus liebenswerte Familie Foxman lässt einen doch das eine oder andere Mal aufatmend feststellen, dass die eigene Familie doch gar nicht so schlimm ist.



Fazit:

In seinem dritten Roman Sieben verdammt lange Tage vereint Jonathan Tropper lockeren Humor mit einem ernsten Thema. Sympathische und vielseitige Protagonisten, tolle Dialoge und teilweise unmögliche Situationen verschaffen den einen oder anderen Schmunzler, die dafür sorgen, dass der Leser sich nicht nur dem erhobenen Zeigefinger ausgesetzt fühlen muss.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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