Allitera Verlag/Die Schatzkiste, 1. Auflage Juni 2010
Paperback, 200 Seiten
€ 12,90 (D)
ISBN: 978-3-86906-127-6
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy



Klappentext:

Eines Tages verschwinden weltweit die Geräusche:
Das Wasser in den Haushalten, in den Bächen und
Seen verstummt. Vögel und Insekten, Wind und Regen schweigen. Die Autos fahren lautlos. Innerhalb von zwei Monaten ist es totenstill auf der Erde, nur die menschliche Stimme ist noch zu hören. Wissenschaftler vermuten einen Umweltvirus oder einen Terroranschlag hinter den gespenstischen Vorgängen. Gorli, ein zwölfjähriges Mädchen, das die Geräusche liebt und naturgetreu nachahmen kann, kommt dem ungeheuerlichen Geheimnis auf die Spur, das hinter dem Geräuschesterben lauert. Sie gerät in tödliche Gefahr. Wie gut, dass sie einen Verbündeten findet, der ihr helfen will, die schreckliche Stille zu beenden. Doch die Lage ist fast hoffnungslos …



Rezension:

Gorli liebt Geräusche. Mit einem ausgeprägten Gehörsinn kann sie auch sehr leise, für andere Menschen kaum wahrnehmbare Laute und Töne hören, und sie ist schnell in der Lage, diese dann aus dem Gedächtnis zu imitieren – so gut, dass man glauben könnte, sie wären echt. Gemeinsam mit ihren Eltern lebt sie in einem kleinen Dorf in der Nähe der Ostsee, schon immer ist sie mit dem Nachbarsjungen Pedro befreundet und seit jeher übt die Welt der Töne eine Faszination auf sie aus.
Als in den Pfingstferien plötzlich ein Geräusch nach dem anderen verschwindet und irgendwann selbst Atem und Herzschlag des eigenen Körpers nicht mehr zu hören sind, wird die Welt in ein Chaos gestürzt. Neben vielen kleinen Katastrophen, die nichts mit dem Geräuscheverschwinden zu tun haben, macht es Gorli und auch die anderen Dorfbewohner fast verrückt, nichts mehr zu hören – lediglich die menschliche Stimme kann noch gehört werden. Technische Geräte, Musik, Tiere – alles hat seine Sprache verloren, die Welt ist stumm. Doch das soll noch nicht das Ende sein: Jemand plant, den Menschen nach und nach auch die Buchstaben wegzunehmen, bis schließlich die ganze Welt im Schweigen liegt.
Und dann verschwindet auch noch Pedro spurlos nach einem schlimmen Streit mit seinem Vater. Gorli macht sich auf die Suche nach ihm und stößt dabei auf den Verursacher des Geräuschesterbens. Doch ist er wirklich der Schuldige? Und wird es Gorli gelingen, dem Bösewicht das Handwerk zu legen und der Welt die Geräusche zurück zu bringen?

Eva Severini-Meszaros schafft mit Tausend Jahre Stille einen phantastischen Roman für abenteuerlustige Jugendliche, die nicht nur auf Spaß aus sind, sondern auch den Ernst des Lebens verstehen wollen. Denn neben einigen phantastischen Elementen hat das Buch auch lehrreiche, geschickt in die Geschichte eingebundene Lektionen über Freundschaft, Akzeptanz und den Mut, auch mal etwas für andere zu riskieren.
Gorli ist eine überaus liebenswerte Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Aufgeschlossen, neugierig, schlau und mit ihrer Gabe, Geräusche täuschend echt zu imitieren, gehört sie zu einem Kreis von Charakteren, die besonders bei Jugendlichen gut ankommen dürften. Realistisch gestaltet ohne tatsächlich übersinnliche Fähigkeiten kann man sich gut mit ihr identifizieren, ihre Handlungen und Gedankengänge sind nachvollziehbar und die Botschaften, die ihr von der Autorin mit auf den Weg gegeben wurden, kommen bei den Lesern tatsächlich an.
Auch die „gegnerischen“ Parteien sind so gestaltet, dass sie aus dem wahren Leben stammen könnten – hier hat die Autorin gute Arbeit geleistet und nah an der Wirklichkeit geschrieben. Selbiges gilt für die Hintergründe, die im Laufe der Geräuschrettung aufgeklärt werden – sie bleiben immer nachvollziehbar und verständlich. Das Traurige daran ist, dass es auch hier leicht fällt, die Szenerie in die echte Welt zu übertragen, den Akzeptanz wird zwar überall und immer wieder gepredigt, doch tatsächlich gelebt wird sie leider nicht. Die Möglichkeiten, die Severini-Meszaros im Bereich der Jugendliteratur nutzt, sind zumindest ein guter Ansatz, daran etwas zu ändern.

Ein wenig störend wirken allerdings diverse Kleinigkeiten, die für den Geschichtenverlauf unwichtig sind, aber dennoch angerissen werden. Leider bleibt es bei diesen Anrissen, einige Fäden werden nicht weiter verfolgt, was schade ist, denn etwas mehr Tiefe an bestimmten Stellen hätte an sich schon sehr zum Nachdenken anregenden Roman sicherlich gut getan. So bleibt der Leser mit einigen Fragezeichen zurück, das eine oder andere auch den Hauptstrang betreffend. Da die Geschichte und auch die Charaktere insgesamt jedoch durchaus Potential für eine mögliche Fortsetzung bieten, kann hierüber noch gerade so hinweg gesehen werden.

Für erwachsene Leser eventuell ein wenig zu variationslos bietet die leicht verständliche Sprache gerade der Zielgruppe die Möglichkeit, ganz ins Geschehen einzutauchen und trotzdem die Botschaft des Romans zu ergreifen. Ohne jeden Zweifel ist Tausend Jahre Stille ein Buch, das jederzeit aus ganz verschiedenen Gründen in der Schule als Unterrichtsstoff gelesen und besprochen werden kann. Und mitunter wahrscheinlich auch sollte.



Fazit:

Tausend Jahre Stille ist ein Märchen über ein mutiges Mädchen, das den Kampf gegen die Stille aufnimmt und die Geräusche wieder zurück in die Welt holen will. Unabgeschlossene oder nur angerissene und dadurch zu kurz kommende Handlungsstränge und Hintergründe schmälern das Lesevergnügen ein wenig, doch für junge Leser ist der kurzweilige Roman von Eva Severini-Meszaros eine tolle Gelegenheit, in eine zugleich reale und fantastische Welt zu tauchen – und hierbei noch etwas über Mut und Freundschaft zu lernen.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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