Tokyopop, 1. Auflage Oktober 2010
Aus dem Japanischen von Yuko Keller
HC, 80 Seiten
€ 14,00 (D) | € 14,40 (A)
ISBN: 978-3-86719-984-1

Genre: Fantasy-Manga



Über das Buch:

TOKYOPOP präsentiert nun mit der Interpretation
der japanischen Künstlerin Sakura Kinoshita eine Pflichtlektüre für jeden Fan von Hutmacher, Grinsekatze und Co. Die Detektiv Loki– und Tactics-Zeichnerin Sakura Kinoshita liefert mit Alice im Wunderland – Der Manga ein Kunstwerk der besonderen Art: Sowohl Liebhaber japanischer Zeichenkunst als auch Anhänger des Carroll’schen Kultwerks Alice im Wunderland werden von dem komplett farbigen Manga begeistert sein, der die Kultstory um das Mädchen Alice in bezaubernden Bildern originalgetreu umsetzt.



Rezension:

Die Geschichte um Alice im Wunderland gehört wohl heutzutage zum Standardwerk der Kinder- und Jugendliteratur. Zahlreiche und sehr vielfältige Verfilmungen gibt es inzwischen anzusehen und werden jedes Mal zu einem nahezu sicheren Kinoerfolg. Auch das Buch selbst kann bis heute gute Verkaufszahlen verzeichnen, und wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Alice auch den Weg in die Manga-Welt finden würde.
Sakura Kinoshita, selbst bekennender Fan von Alice, hat sich der Geschichte um ein kleines Mädchen und ihr großes Abenteuer angenommen und versucht, dem Kult vom Lewis Carrol mit ihren Zeichnungen gerecht zu werden. Auf vielseitige und zeitgemäße Art bekommt Alice nicht nur ein, sondern gleich mehrere Gesichter, denn in jedem Kapitel wird das junge Mädchen auf eine andere Weise dargestellt.

Leider ist genau diese Vielseitigkeit das, was der Leser nicht erwartet und wovon er letztendlich möglicherweise enttäuscht sein könnte. Trotz zahlreicher Verfilmungen behielt Alice immer eine gewisse Unschuld, die in Alice im Wunderland – Der Manga verloren geht. Vielmehr ist Alice ein eher naives, fast sogar dummes und dabei doch dreistes Mädchen, das weder die eigene Welt versteht noch die, in der sie in ihren Träumen landet. Auch die kapitelweise optische Änderung des Charakters trägt nicht dazu bei, sich mit dem Buch und in der Geschichte wohlzufühlen. Als Leser fühlt man sich mit jedem Kapitel in eine neue Geschichte mit neuen Charakteren geworfen, sodass man trotz der Vorkenntnisse, die man im Normalfall durch das Lesen des Originals oder dem Anschauen einer Verfilmung mitbringt, nicht wirklich in die Geschichte findet. Dazu kommt die eher flapsige Sprache, die sehr dem aktuellen Sprachstil der Jugend angepasst zu sein scheint, aber weder zur Geschichte noch zum Charakter der Alice passt. Alice wird im vorliegenden Buch als eine vorlaute Göre dargestellt, die keine Zurückhaltung und keinen Anstand kennt, und schafft es nicht, die Sympathien des Lesers zu gewinnen.

Die Zeichnungen sind entgegen der Manga-Tradition gänzlich in Farbe gehalten, was durch den ebenfalls manga-untypischen Zeichenstil den Eindruck eines Comics verstärkt. Nur wenige Bilder überzeugen wirklich und bieten dem Leser die Feinheiten, die man von anderen Manga-Zeichnern kennt. Die Ahnung, wie großartig ein Alice-Manga mit ausschließlich der Qualität dieser wenigen Bilder sein könnte, lässt den Leser hoffen und weiterblättern, doch die Hoffnung wird leider nicht erfüllt.
Am Ende des Buches wartet, was irgendwie ein Widerspruch ist, ein Nachwort der Zeichnerin, in dem sie von der Carroll’schen Vorlage schwärmt und ihre persönliche Begeisterung für Alice im Wunderland berichtet. Eine tatsächlich annähernd ausgleichende Wirkung hat einzig das wunderschön gestaltete Cover, das im roten Gewand mit goldener Schrift unheimlich edel wirkt, und auch das Making-Of mit einzelnen Etappen des Entstehungsprozesses kann ein paar Minuspunkte wieder gut machen.



Fazit:

Mit Alice im Wunderland – Der Manga hat Sakura Kinoshita weder sich selbst noch den Fans von Alice einen Gefallen getan. Die durchgängig farbige Gestaltung, obwohl Markenzeichen Kinoshitas, und teilweise auch der Zeichenstil erinnern eher an einen Comic, während die Story nur bruchstückhaft in den Bildern zu lesen ist, sodass der 80 Seiten starke Manga der Geschichte um Alice kaum gerecht wird.



Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 2,5/5
Zeichnungen: 2/5
Lesespaß: 2/5
Preis/Leistung: 2/5

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