C. Bertelsmann, 1. Auflage November 2010
Originaltitel: Le froid modifie la trajectoire des poissons
Aus dem Französischen von Andreas Jandl
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten
16,99 [D] | 17,50 [A] | CHF 29,90
ISBN: 978-3-570-10017-2
Leseprobe

Genre: Belletristik



Klappentext:

Ein Eissturm wirbelt alles durcheinander – und das Schönste daran ist, dass aus einer Katastrophe
plötzlich etwas ganz Wundervolles werden kann.

Innerer Klappentext:

Zur Weihnachtszeit erfährt unser Held, ein elfjähriger Junge, dass sich seine Eltern trennen wollen. Seine Welt bricht zusammen, er bittet den Himmel um Hilfe, und tatsächlich beginnt am nächsten Tag der größte Eissturm, den Montréal je gesehen hat. Das hindert seinen Vater zwar nicht daran auszuziehen, aber er wird wiederkommen – mit zwei gebrochenen Armen.

Der Eissturm verändert auch das Leben der Nachbarn. Da ist beispielsweise Boris Bogdanov, ein Doktorand russischer Herkunft, der die Bahnen seiner Fische mathematisch untersucht – ein Stromausfall gefährdet seine Resultate. So ist er sehr dankbar dafür, dass Julie, eine Nachtclubtänzerin, ihn und seine Fische bei sich aufnimmt. Er weiß zwar viel, aber er sieht nicht, wie sich Julie nach der wahren Liebe sehnt …

Der kanadische Autor Pierre Szalowski hat einen wunderbar komischen und hoffnungsvollen Roman geschrieben, dessen Herzenswärme jedes Eis schmelzen lässt.



Rezension:

Schön soll das Leben sein, schön!
(Seite 222)

Ein elfjähriger Junge, der nie an irgendetwas geglaubt hat, erfährt kurz nach Neujahr, dass seine Eltern sich trennen werden. In ihrer Anwesenheit lässt er sich nichts anmerken, ist allerdings schwer geschockt und geht verzweifelt ins Bett. Als ihn dort in der Stille und der Einsamkeit die Tränen überkommen, fleht er den Himmel um Hilfe an – und wird scheinbar erhört, denn am nächsten Tag setzt schlimmer Eisregen ein, der nicht nur die Straßen zu Rutschbahnen macht, sondern auch den Stromleitungen hart zusetzt und damit nahezu die ganze Stadt zum Frieren im Dunkeln verdonnert. Obwohl er um Hilfe gebeten hat, ist der junge Portagonist der Ansicht, dass der Himmel doch ein wenig übertreibt, besonders in dem Moment, als er aus der Schule nach Hause kommt und feststellen muss, dass sich an der Entscheidung seiner Eltern nichts geändert hat: Er überrascht seinen Vater beim Auszug. Erneut bricht seine Welt zusammen, und auch sein bester Freund Alex ist keine besondere Stütze.

Der allerdings hat auch ganz eigene Sorgen, denn seine Mutter ging weg, als er noch klein war, und mit seinem Vater ging es seitdem nur noch bergab. Auch er bekommt durch den Eisregen die Chance, seinen Vater besser kennen zu lernen, mehr über seine Vergangenheit zu erfahren und sich selbst zu verändern. Auch das Bruderpaar, bei dem Alex und sein Vater während des Stromausfalls unterkommen, haben ihr eigenes kleines Geheimnis, das während des Eissturms ans Licht kommt, was für einige mehr, für andere weniger überraschend ist. Und schließlich muss der russische Mathematiker Boris seine vier Fische, deren Schwimmbahnen er seit Jahren analysiert, bei der Stripperin Julie und ihren drei Katzen unterstellen, denn ohne Strom besteht nicht die geringste Chance, die Wassertemperatur auf den notwendigen 33°C zu halten.

Bei Kälte ändern Fische ihre Bahnen erzählt die Geschichte einer sich bisher unbekannten und aus dem Weg gehenden Nachbarschaft, unterteilt in drei kleine Familien und zwei Einzelcharaktere, die allesamt eine neue Gruppe bilden, als es ums Überleben geht. Pierre Szalowski stützt sich dabei auf die Komponenten des Glaubens und des Hoffens, auf das Festhalten daran, dass gute Dinge passieren können. Ohne den Zeigefinger tadelnd zu heben, übermittelt er eine klare Botschaft: Hört einander zu und achtet aufeinander, kümmert euch nicht nur um euch selbst. Auch mit den Themen Ängste und Vorurteile beschäftigt sich der Autor in seinem Erstlingswerk, dabei geht er geschickt vor und bleibt ganzheitlich realistisch. Fans der Mathematik bekommen außerdem einiges an Input, ohne dass Leser mit Abneigung für Zahlen vor diesen Passagen Reißaus nehmen müssen. Man kann ruhigen Gewissens behaupten, dass Pierre Szalowski es ziemlich gut versteht, verschiedene Bereiche des Lebens zu verbinden und geschickt eine wichtige Aussage in seine Geschichte zu verankern.

Auch sprachlich lässt sich an Szalowskis Debütroman nichts aussetzen. Leicht verständlich und einfach gehalten bietet Bei Kälte ändern Fische ihre Bahnen einen angenehmen Lesefluss und in realistischem Umfeld die gar nicht so abwegige Idee, dass simple Wünsche tatsächlich etwas auslösen können. Obwohl man nie den Namen des Jungen erfährt, wächst er dem Leser schnell ans Herz, und auch die anderen Protagonisten sind durchweg sympathisch gestaltet. Was in anderen Fällen mehr als langweilig ist, gestaltet sich hier durch die Vielfalt der Charaktere jedoch überaus interessant, denn hier treffen verschiedene Welten aufeinander. Szalowski passt seinen Sprachstil der jeweiligen Szene an, jede Konstellation erhält ihr eigenes Gesicht und bleibt doch Teil des Ganzen. Ein für manchen Geschmack vielleicht zu reibungsloses Ende rundet dieses Erstlingswerk ab und macht in jedem Fall Lust auf weiteren Stoff aus der Feder des Autors. Man darf gespannt sein, was es von Pierre Szalowski noch zu lesen geben wird – sein Debüt bereitet ohne jeden Zweifel einen weiteren Vormarsch im Bereich der Literatur gut vor.



Fazit:

Pierre Szalowski schafft mit seinem Debütroman Bei Kälte ändern Fische ihre Bahnen einen zur Weihnachtszeit passenden, wundervoll tiefsinnigen Roman, der zeigt, dass manche Dinge ihre eigenen Wege finden und manchmal eben doch Wünsche in Erfüllung gehen können. Leise wie fallender Schnee und wärmend wie ein Kaminfeuer – eine Empfehlung zu Weihnachten!



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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