Mira Taschenbuchverlag, 1. Auflage Juni 2010
Originaltitel: The Séance
Aus dem Amerikanischen von Volker Schnell
Taschenbuch, 350 Seiten
8,95 EUR [D] | 9,20 EUR [A] | 14,50 sFr
ISBN 978-3-89941-720-3
Leseprobe

Genre: Thriller



Klappentext:

Eine Frau wird vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Das Muster ist exakt dasselbe wie bei einer Mordserie vor zwölf Jahren. Der damals ermittelnde Polizist Beau Kidd wurde für den Täter gehalten und von seinem Partner erschossen. Ist nun ein Nachahmungstäter am Werk oder war Beau Kidd unschuldig? Um dieses Thema dreht sich das Gespräch auf Christinas Einzugsparty in ihrem alten viktorianischen Herrenhaus. Um die Stimmung etwas aufzulockern, holt ein Gast ein Ouija-Bord hervor … und plötzlich steht der ruhelose Geist von Beau Kidd im Raum und fleht Christina an, ihm zu helfen. Die aktuellen Morde sind keine Nachahmungstaten, sondern der ursprüngliche Mörder läuft immer noch frei herum. Der ehemalige Polizist Jed Braden ist skeptisch, als Christina ihm von ihrem geisterhaften Besuch erzählt. Doch seine Freunde bei der Polizei bestätigen die grausamen Details der Fälle. Ihre Quelle aus dem Jenseits ist zuverlässig – der Interstate-Killer läuft immer noch frei herum, und die Zahl der Opfer wächst.



Rezension:

In der Nacht, in der Christinas Großvater starb, sah sie ihn klar und deutlich vor sich. Er redete sogar mit ihr und sagte, sie solle auf ihre Großmutter aufpassen. Erst am nächsten Morgen wurde Christina klar, dass ihr Großvater gestorben war, doch sie ist davon überzeugt, dass er vorher noch bei ihr war. Auf seiner Beerdigung sieht sie ihn erneut, und auf Grund einer Aussage seinerseits geht sie nach der Trauerfeier für ihren Großvater an ein zweites, an diesem Tag ausgehobenes Grab und legt eine einzelne Blume auf dem Sarg ab. Die Trauergemeinde dieses zweiten Grabes ist sehr klein, lediglich zwei Menschen stehen dort und weinen um den Verstorbenen. Schnell stellt sich heraus, dass Christinas Großvater am selben Tag beerdigt wurde wie der lang gesuchte Interstate-Killer und dass Christina dessen Grab mit einer Blume schmückte. Als sie ihrer Großmutter vom nächtlichen Besuch und dem Auftauchen ihres Großvaters bei seiner eigenen Beerdigung erzählt, reagiert ihre Großmutter äußerst seltsam und rügt Christina. Allerdings macht Grandma dabei einen eher ängstlichen als ärgerlichen Eindruck, und da Christina ihrem Großvater versprochen hat, auf ihre Grandma aufzupassen, lässt sie das Thema, das so in Vergessenheit gerät.

Zwölf Jahre später hat Christinas Großmutter ihr nach ihrem Tod das Haus vermacht, in dem sie so viele Momente ihres Lebens verbrachte. Einzig ihre beiden Cousins und sie selbst sind nun noch von der Familie übrig, doch Christina ist ganz und gar nicht allein. Ihre beste Freundin wohnt noch immer gegenüber und ihre neuen Nachbarn sind ebenfalls immer für sie da. Und dann wäre da natürlich noch Jed Braden, in den Christina schon immer ein wenig verknallt war und der auf Grund der aktuellen Geschehnisse plötzlich erstaunlich oft vor Christinas Tür steht – denn Christina passt als attraktive Rothaarige genau in das Opferschema des Täters. Als der vor zwölf Jahren als nicht verurteilter Täter erschossene Beau Kidd schließlich nach einer Runde Ouija-Bord mitten in Christinas Haus und Leben platzt, geht alles drunter und drüber. Jeder macht sich Sorgen, Christina zweifelt immer mehr an ihrem Verstand, Jed glaubt ihr nicht und der Täter scheint der Polizei wieder einmal immer einen Schritt voraus zu sein …

Wer weiß schon, ob es wirklich Menschen unter uns gibt, die Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen können? Wer sagt uns, dass es nicht tatsächlich verirrte Seelen auf der Erde gibt, die noch einen letzten Auftrag zu erfüllen haben, bevor sie auf die andere Seite übersiedeln dürfen? Heather Graham bietet mit Die Séance einen grundsoliden Thriller mit paranormalen Einschüben, die eher gering gehalten sind und dadurch nicht als aufdringlicher Quatsch empfunden werden. Die titelgebende Séance hat nur eine kleine und nicht besonders tragende Rolle, trotzdem passt sie gut ins Buch und im Nachhinein betrachtet liefert sie auch den passenden Titel für den Roman. Es gibt, entgegen dem üblichen Prozedere in diesem Genre, keinen ausschlaggebenden Hinweis auf die Lösung des Rätsels, vielmehr darf sich der Leser an kleinen, leicht zu übersehenden Details erfreuen, die erst ganz am Schluss bei der Auflösung ein komplettes und eindeutig stimmiges Gesamtbild ergeben. Das ist geschickt von der Autorin gelöst, denn zwischendurch hat man einige der Protagonisten im Verdacht, der Täter gewesen sein – damals vor zwölf Jahren und auch zum aktuellen Zeitpunkt.

Die Protagonisten machen einen Großteil des Buches aus, denn hier treffen vielseitige Charaktere aufeinander, die für abwechslungsreiche Unterhaltung sorgen. Man findet zwar auch Einheitsklischees wieder, doch die Autorin versteht es, Neues geschickt mit Altbekanntem zu verbinden. Wirklich überrascht wird man allerdings nicht, es ist eher so, dass unerwartete Wendungen und Anwandlungen der Charaktere die Story würzen.
Leider ist die Geschichte an sich eher gehaltlos und plätschert vor sich hin. Der Lesefluss ist dadurch recht angenehm, aber auch nicht wirklich fesselnd. Nur wenige Stellen bieten Highlights und reißen den Leser aus der eintönigen Story raus. Diesen mangelnden Inhalt macht Heather Graham aber durch ihre lebendige Sprache zumindest in Teilen wieder wett – amüsante Dialoge und nur winzigkleine Einblicke in das Denken des Täters lassen das Plätschern zumindest zeitweise zu einem mitreißenden Flüsschen werden, auch wenn man das Buch am Ende zuklappt und kaum etwas Gehaltvolles aus der Geschichte mitnehmen konnte. Rein durch den Sprachstil gewinnt der vorliegende Roman an Fahrt und kann sich so doch auf die eine oder andere Weise ins Herz des Lesers schleichen.

Für eingefleischte und überzeugte Thrillerfans könnte Die Séance schnell zu einer langweiligen Eintagsfliege werden, die vielleicht nicht einmal zu Ende gelesen wird. Neueinsteiger, denen das Genre noch unbekannt ist und die es nicht ganz so blutig mögen, dürften allerdings ihren Spaß an diesem Buch finden. Man muss sich nur darauf einlassen.



Fazit:

Heather Graham besticht mit einem klaren Schreibstil, der trotz des eher dürftigen Inhalts zu fesseln versteht. Obwohl man Die Séance nicht hundertprozentig dem Thriller-Genre zuordnen kann, wird Seite um Seite mit einer gewissen Spannung umgeblättert, und aller überzeugten Ahnungen zum Trotz ist der Täter am Ende jemand ganz anderes.



Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5

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