Dresdener Buchverlag, 1. Auflage November 2009
Hardcover, 236 Seiten
17,90 Euro (D)
ISBN: 978-3-941757-09-7
Leseprobe

Genre: Mystery-Jugendroman



Klappentext:

Niemand hat dem langweiligen Eduart angesehen,
was er wirklich war – bis ein Autounfall eine Lawine
von Ereignissen ins Rollen bringt, mit denen keiner gerechnet hätte.
Mit sehr viel Mut retten der dicke Hugo und sein flippiger Freund Felix Eduart vor einem sehr seltsamen Doktor.
Dabei lernen sie eine andere Galaxis kennen und helfen Eduart sogar bei seinem Kampf gegen außerirdische Verräter.
Währenddessen haben die Jungs auch immer einen frechen Sprung auf den Lippen und werden zu Freunden, die sich bedingungslos aufeinander verlassen können.

Gebt also acht: Wenn Nebel über das Land zieht, dann muss es nicht immer nur Wasserdampf sein …



Rezension:

Eduart ist ein ganz normaler Junge. Glaubt er. Ein ganz normaler Außenseiter, der sich für Mathematik, Chemie und Bücher interessiert, immer mit den gleichen grauen Klamotten rumläuft und lediglich zu den beiden anderen Außenseitern der Klasse Hugo und Felix Anschluss findet. Seine Eltern sind ständig unterwegs, einzig seine Betreuerin Frau Schmidt bekommt er täglich zu Gesicht. Ebenfalls engen Kontakt hält er zu dem Apotheker Herrn Rosenberg, der seine Neugier in Sachen Chemie durch die Gabe von Reagenzgläsern und weiteren Dingen unterstützt. Beide Bezugspersonen sind immer von einer seltsamen Duftwolke umgeben, die an die vier Elemente erinnert – Erde, Feuer, Wasser und Luft. Eine Sache, die Eduart schon gar nicht mehr auffällt, genausowenig wie die Tatsache, dass alle von Frau Schmidt zubereiteten Speisen dieselbe graue Farbe haben – ganz ähnlich der seiner Kleidung.

Als bei einem Versuch ein Gefäß mit grauem Pulver zu Bruch geht und er sich in der Apotheke eine neue Ration sowie einige andere Dinge für seinen Versuch besorgen möchte, fallen ihm seltsame Dinge dort auf. Überhaupt fühlt er sich an diesem Tag anders als sonst, irgendwie freier. Dass Herr Rosenberg sich ebenfalls merkwürdig verhält, wundert Eduart zwar noch mehr, aber er lässt die seltsamen Dinge einfach seltsam sein und gibt seine Bestellungen auf. Am Tag der Abholung wird er vor der Apotheke von einem Auto erfasst, durch die Luft geschleudert – und überlebt ohne einen einzigen Kratzer. Klar, dass das Ärzte und Tests auf den Plan ruft, aus deren Fängen Eduart von seinen Freunden Hugo und Felix befreit wird.

Was folgt, muss jeder Leser selbst herausfinden, denn hier mehr zu verraten würde zu sehr spoilern und den möglichen Lesespaß sowie die Spannung nehmen. Nur so viel sei verraten: Die Autorin versteht es, Spannungsbögen aufzubauen und abrupt enden zu lassen, manche Fäden zielen leider ins Leere und doch will man wissen, wie es weitergeht und schließlich endet. Die Mischung aus Mystery, Science Fiction, Fantasy und Jugendliteratur übt einen gewissen Reiz aus, der jedoch nur unzureichend bedient wird. Aus der Idee hätte man sehr viel mehr holen können und mit etwas mehr Liebe zur Sprache und zu den Charakteren wäre Elke Keller vielleicht auch besser gelungen, das Leserherz für sich zu gewinnen.

Die Charaktere sind sehr klischeehaft gestaltet – typische Außenseiter, typische Rudeltiere und Rudelanführer, typische Verräter – fast ist man gelangweilt von dieser stereotypen Gestaltung wichtiger Protagonisten. Dazu kommt, dass die Autorin durch ihre Sprache und unnütze Zwischenbemerkungen diskriminierend wirkt, was insbesondere bei Jugendliteratur eine schwierige Sache darstellt. So manches Mal schüttelt man als (erwachsener) Leser den Kopf, wo Jugendliche möglicherweise Humor und Amüsement entdecken. Das ist schade, denn gerade in der heutigen Zeit sollten Bücher Akzeptanz vermitteln und nicht zusätzlich gegen die gesellschaftlichen „Randgruppen“ aufhetzen. Insbesondere der „dicke“ Hugo bekommt des Öfteren Seitenhiebe zu spüren – auch von seinen eigentlich besten Freunden, wobei man sicherlich manches als freundschaftliches Necken abtun könnte.
Trotzdem hat Nebeljunge auch erzieherischen Wert, denn die Freundschaft ist anfangs sehr einseitig, doch im Laufe der Erzählung wächst Eduart mit seinen neu entdeckten „Fähigkeiten“ und öffnet sich seinen Mitmenschen.

Sprachlich und erzählerisch bietet Elke Kellers Debüt nichts, was man als besonders bezeichnen könnte. Einige sehr ins Auge fallende grammatikalische Fehler, die dem Lektorat entgangen sind, stoßen Sprachliebhabern sauer auf und die Autorin muss noch lernen, mit den Worten zu spielen und sie ihre Wirkung selbst entfalten zu lassen. Das Buch ist seicht geschrieben und dementsprechend dümpelt auch die Handlung vor sich hin – bis auf einen starken, aber verhältnismäßig kurzen Mittelteil hinterlässt Nebeljunge ein Gefühl der Gleichgültigkeit – es wäre auch nicht schlimm gewesen, wenn das Buch an einem vorbeigezogen wäre.

Durch das recht offen gehaltene Ende stellt sich natürlich die Frage, ob die Autorin einen weiteren Versuch in der Literatur-Branche wagen wird. Potential ist erkennbar und wenn sie an ihrer guten Idee festhält und an ihrer Umsetzung arbeitet, könnten eventuell folgende Bände um den Nebeljungen Eduart und seine Freunde durchaus lesenswert sein. Es bleibt also abzuwarten, ob und wie man wieder von Elke Keller hören wird.



Fazit:

Für Jugendliche ohne hohen literarischen Anspruch dürfte Nebeljunge eine gewisse Spannung inne haben. Die Grundidee der Geschichte lässt viel erhoffen, die Umsetzung hingegen ruft den Vergleich mit einem Kartenhaus wach. Unpassende und vor allem unnötige, versteckte und auch offensichtliche Diskriminierungen schmälern das ohnehin schon sehr rare Lesevergnügen noch zusätzlich. Für eventuelle zukünftige Bücher sollte die Autorin mehr an sich halten.



Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 1,5/5
Preis/Leistung: 1,5/5

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