Fischer Jugendbuch, 1. Auflage Februar 2011
Originaltitel: Matched
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer
HC mit SU, 464 Seiten
€ 16,95 (D) | € 17,50 (A) | SFR 25,90
ISBN: 978-3-8414-2119-7

Genre: Science Fiction, Jugendliteratur



Klappentext:

Das System sagt, wen du lieben sollst – aber was sagt dein Herz?

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die ein absolut sicheres Leben garantiert. Doch dafür musst du dich den Gesetzen des Systems beugen: den Menschen lieben, der für dich bestimmt wird.

Was würdest du tun?
Für die wahre Liebe dein Leben riskieren?

Innerer Klappentext:

Für die 17-jährige Cassia ist es der wichtigste Tag ihres Lebens: Heute erfährt sie, wen sie mit 21 heiraten wird – wen das System für sie ausgewählt hat. Es könnte jeder Junge aus Bria sein, doch zur großen Überraschung aller wird ihr bester Freund Xander als ihr Partner bekannt gegeben.

Als Cassia sich später auf dem feierlich überreichten Mikrochip Informationen über Xander ansehen will, passiert etwas schier Unmögliches: Es erscheint das Gesicht eines anderen Jungen – das von Ky. Cassia ist schockiert und verängstigt. Das System macht keine Fehler! Und tatsächlich wird ihr von offizieller Seite versichert, dass es sich um ein einmaliges Versehen handelt. Aber Cassia geht Kys Anblick nicht mehr aus dem Kopf. Gibt es doch die Möglichkeit zu wählen?



Rezension:

Die Paarung verfolgt zwei Ziele: Unserer Gesellschaft möglichst gesunde Bürger zu garantieren und den interessierten Bürgern die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Familienleben zu bieten. Für die Gesellschaft ist es von größter Wichtigkeit, dass die Partner so optimal zusammenpassen wie möglich.
(aus den offiziellen Paarungsunterlagen, Seite 56)

Cassia ist siebzehn Jahre alt und steht kurz vor einem der wichtigsten Wendepunkte ihres Lebens: Dem Paarungsbankett, auf dem ihr der Junge vorgestellt wird, den sie in vier Jahren heiraten wird. Dieser Junge wurde vom System als ihr perfekter Partner ermittelt und als ein Mädchen, das bisher nie eigene Entscheidungen getroffen hat, ist Cassia sich sicher, dass diese Entscheidung die einzig richtige ist. Große Freude löst der schwarzbleibende Bildschirm auf besagtem Paarungsbankett aus, auf dem normalerweise aus anderen Bezirken derjenige zugeschaltet wird, der ihr zugewiesen wurde – dass kein Bild auftaucht, kann nur bedeuten, dass ihr perfekter Partner sich im selben Raum befindet. Und tatsächlich: Als der Name ihres besten Freundes fällt, kann Cassia ihr Glück kaum fassen. Schließlich kennt sie den Jungen, mit dem sie nun den Rest ihres Lebens verbringen und eine Familie gründen wird, schon ihr ganzes bisheriges Leben, weiß so gut wie alles über ihn und umgekehrt. Er ist in jeder Hinsicht tatsächlich ihr perfektes Gegenstück.

Trotz ihres bereits umfangreichen Wissens über Xander ist Cassia neugierig auf den Inhalt des ausgehändigten Mikrochips und so möchte sie sich eines Abends vor dem Schlafengehen noch einmal sein Gesicht auf den Monitor rufen. Doch das Gesicht, das sie dort zu sehen bekommt, ist nicht Xanders, auch wenn ihr der Junge ebenfalls seit Jahren bekannt ist – Ky Markham, der nach dem Tod seiner Eltern und dem Verschwinden des leiblichen Sohns seines Onkels und seiner Tante in der Ahorn-Siedlung aufwächst. An sich wäre das kein Problem, doch Ky ist nicht nur nicht Cassias ausgewählter Partner, sondern darüber hinaus auch noch eine Aberation – also jemand, dessen Daten nicht einmal im Paarungspool hinterlegt sein dürften.
Cassia ist durcheinander, doch schon am nächsten Tag kommt eine Funktionärin auf sie zu und beruhigt sie, außerdem bekommt sie einen neuen Mikrochip mit den korrekten Daten, nämlich denen Xanders, ausgehändigt. Doch für Cassia ist die Sache damit nicht so einfach erledigt – es kam noch nie vor, dass dem System ein Fehler unterlaufen ist. Sie beginnt, die Gesellschaft und deren Machenschaften in Frage zu stellen, und kann sich nicht dagegen wehren, dass Ky sich immer und immer wieder in ihren Kopf schleicht. Sie steht vor einer schweren Entscheidung: Soll sie sich dem System beugen und der Sicherheit hingeben? Oder bricht eine Zeit der Auflehnung an, in der es so viel Neues zu entdecken gibt?

In einer Welt, die nicht lange nach unserer heutigen Zeit spielt und mit gar nicht so abwegigen, nicht nur technischen Fortschritten auffährt, begegnet der Leser einem Mädchen, das nie irgendwas hinterfragt hat und nur durch einen lästigen Fehler mit der Nase darauf gestoßen wird, dass das Leben eigentlich auch anders aussehen könnte. Dass die Menschen, die früher gelebt haben, eigene Entscheidungen treffen konnten und mit diesem Leben glücklich waren. Die Zeit, in der Cassia aufwächst, ist durchzogen von strikten Zeitplänen, eingeschränkten Freizeitaktivitäten, festgelegten Abläufen und seltsam anmutenden Richtlinien. Da sie nie etwas anderes kennen gelernt hat, überrascht der doch gravierende Fehler auf dem Mikrochip umso mehr, vor allem weil die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zufalls nahezu nicht vorhanden ist: Zwei perfekte Partner für ein Mädchen, noch dazu beide bereits fest in das Leben dieses Mädchens eingebunden.
Ally Condie schafft eine Welt, die der unseren ähnlich und doch so gänzlich anders ist. Die Vorstellung, dass einem sämtliche wichtigen Entscheidungen von der Regierung abgenommen werden, hat ihren Reiz – macht aber gleichzeitig Angst. Nicht selbst entscheiden zu dürfen, wann und in wen man sich verliebt, was und wie viel man isst, wo man zur Schule geht oder welchen Arbeitsplatz man später annimmt, wann und wie viele Kinder man in die Welt setzt, in welchem Alter man aus dem Leben scheidet – all das sind Dinge, die die Menschen in Cassia & Ky 01: Die Auswahl nicht selbst entscheiden dürfen. Verlieben mit 17, heiraten mit 21, Kinder kriegen bis maximal 31 und sterben mit 80, das ist der Lebensplan, den das System vorherbestimmt – geringste Abweichungen werden mit hohen Strafen geahndet. Wie weit sind wir heute noch entfernt von einer derartigen Überwachung und Kontrolle?

Neben dieser irgendwie absurden, aber doch auch vorstellbaren Idee, mit der die Autorin eine wundervolle Abwechslung auf den Literaturmarkt bringt, versteht Ally Condie offenbar eine Menge von der Gestaltung ihrer Charaktere. Ruhig, aber doch rebellisch werden sämtliche Protagonisten dargestellt, hierbei sticht jedoch keine einzelne Person derart hervor, dass alle anderen in den Hintergrund gestellt werden. Gegenteilig ist es, wie die in der Geschichte dargstellte Gesellschaft, ein großes Miteinander, das erst dann funktioniert, wenn alle vor Ort sind. Und doch entdeckt man bei jedem Charakter kleine liebevolle Details, die jeden einzelnen einzigartig machen.
Auch sprachlich findet der Leser in diesem Trilogie-Auftakt eine angenehme Mischung aus jugendgemäßer Sprache und erwachsenen Einflüssen – durch die angenehme Schriftgröße und den flüssigen Sprachstil lässt sich der Roman leicht lesen und bietet gleichzeitig immer wieder Erholpausen. Obwohl sich viel Zeit gelassen wird beim Storyaufbau und der Spannungsbogen in der ersten Hälfte des Buches in der Talsohle vor sich hin dümpelt, fesselt Die Auswahl auf eine Art, die den Leser in solchen Lesepausen trotzdem an das Buch denken lässt. Einen wirklichen Aufschwung bekommt das Buch jedoch erst im letzten Drittel, allerdings zu einem sehr passenden Zeitpunkt – man fragt sich nämlich inzwischen doch immer wieder klammheimlich, wie lange es denn nun noch so weitergehen soll. Ob von der Autorin beabsichtigt oder nicht, dieser Punkt zeigt einmal mehr auf, dass man einem Buch nicht allzu schnell die Chance versagen sollte.

»Und wie sind sie jetzt?«, fragt er. Er weitet seine Augen noch ein bisschen mehr, beugt sich zu mir und lässt mich in seine Augen schauen – so lange und so tief ich möchte.
Und es ist so viel zu sehen in seinen Augen. Sie sind blau und schwarz und auch noch andersfarbig, und ich weiß manches, was sie gesehen haben, und anderes, wovon ich hoffe, dass es jetzt sehen. Mich. Cassia. Was ich empfinde, wer ich bin.
»Und?«, fragt Ky.
»Alles«, antworte ich ihm. »Sie sind alles.«
(Seite 295)

Durch das Uptempo auf den letzten hundert bis hundertfünfzig Seiten, durch das die Story unheimlich an Fahrt und Überzeugungskraft gewonnen hat, ist die Neugier auf beide Folgebände in schwindelerregende Höhe geschossen. Doch deutsche Fans werden sich sehr in Geduld üben müssen, denn als Erscheinungstermin für den zweiten Original-Band Crossed ist der 01. November 2011 vorgesehen, der abschließende Band soll dann im November 2012 folgen – man kann also nur hoffen, dass die deutsche Veröffentlichung ebenso zeitnah wie bei Band 1 stattfinden wird.



Fazit:

Ein optischer Hingucker aus jedem Blickwinkel und eine Geschichte, die gar nicht so abwegig ist – Cassia & Ky 01: Die Auswahl von Ally Condie braucht zwar einen etwas längeren Anlauf, überzeugt dann aber umso einschlagender. Ein vielversprechender Trilogie-Auftakt – wenn die Autorin am Stil der letzten hundertfünfzig Seiten festhält und weiter darauf aufbaut!



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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