Schattenkämpferin: Hallo Michael! Danke, dass Du Zeit findest, um meinen Lesern und mir ein paar Fragen zu beantworten. Stell Dich doch am besten kurz vor – Michael Bresser in drei Worten?

Michael Bresser: Ich bin Autor und schreibe Krimis und satirische Texte.

Schattenkämpferin: Und etwas ausführlicher? Wer bist Du und was machst Du?

Michael: Ich bin 39 Jahre jung, stamme aus dem Ruhrgebiet und lebe seit einigen Jahren mit meiner Familie in Hannover. Mit Anfang zwanzig habe ich begonnen zusammen mit Martin Springenberg Krimis zu schreiben. 2005 wurde dann unser erster Roman „Schwein gehabt“ vom Ullstein-Verlag veröffentlicht. Ich habe vor kurzem einen Comedyroman über einen schüchternen 28-jährigen Mann geschrieben, der mit Hilfe eines Flirttrainers seine erste Freundin erobern will. Dafür suche ich zurzeit einen Verlag oder eine Agentur.
Weitere Projekte sind in der Pipeline.

Schattenkämpferin: Zusammen mit Martin Springenberg schreibst Du seit einigen Jahren an den Münsterland-Abenteuern des Privatdetektives Dieter Nannen. Wie habt ihr zusammen gefunden und wie ist die Idee entstanden, gemeinsam eine Krimi-Reihe zu schreiben? Gestaltet sich die Zusammenarbeit eher schwierig oder passt es einfach?

Michael: Martin und ich stammen beide aus Feldhausen, einem kleinen Dorf im nördlichen Ruhrgebiet. Ich bin mit seinem Bruder zur Schule gegangen, da sind wir uns eines Tages über den Weg gelaufen. Er spielte Schlagzeug, ich Gitarre und Keyboards, da haben wir beschlossen zusammen Musik zu machen. Wir haben einige Jahre zusammen in einer Hard-Rock-Band gespielt. Leider waren unsere Mitmusiker nicht besonders zuverlässig, so dass wir oft alleine vor dem Proberaum standen. Auch die Miete wurde oft nur von uns beiden bezahlt. Wir haben uns dann überlegt, etwas auf künstlerischem Gebiet zu starten, woran nur wir beide beteiligt sind. Da wir gerne Krimis lasen, lag es nah, uns auf diesem Gebiet zu versuchen. Das verlief und verläuft bis heute sehr harmonisch.

Schattenkämpferin: Wie genau funktioniert die Zusammenarbeit zwischen euch? Schreibt jeder ein Kapitel und das nächste wird dann der jeweils andere verfasst oder schickt ihr euch gegenseitig eure Ideen und Entwürfe, um sie vom anderen Korrektur lesen und/oder einarbeiten zu lassen? Oder trefft ihr euch auf einen Kaffee bzw. alternative Getränke, um gemeinsam an den Ideen zu feilen?

Michael: Wir planen gemeinsam den Plot. Einer hat eine Idee, der andere ergänzt. Wir schreiben dann nach Zeit und Lust abwechselnd. Früher haben wir uns für Korrekturen in der Kneipe zu Cappuccino-Schlachten getroffen. Durch die heute räumliche Entfernung, sind diese Gelegenheiten eher selten geworden. Meistens kommunizieren wir per Mail.

Schattenkämpferin: Dieter Nannen ist ein ziemlich spezieller Charakter, der mit für sich inzwischen typischen Eigenschaften jeden noch so kniffligen Fall zu lösen scheint. Welche Einflüsse haben bei der Entstehung dieses Protagonisten eine Rolle gespielt? Gibt es Parallelen zum wahren Leben, vielleicht sogar zu einem der beiden Autoren?

Michael: Es gibt sicherlich Details bei Dieter Nannen, die zu unseren eigenen Biographien Parallelen aufweisen, z.B. Nannens Liebe zur Musik. Ich selber habe mir früher als Kirchenorganist Geld während des Studiums verdient. Vom Charakter her ist Dieter doch ein wenig draufgängerischer als wir.

Schattenkämpferin: Im Dezember erschien der letzte Münsterland-Krimi „Mein Schwein pfeift“ bei Ullstein – gibt es schon Pläne für weitere Teile um den Ermittler Dieter Nannen? Für wie viele Bücher habt ihr noch Ideen im Kopf?

Michael: Zwei weitere Bände sind so gut wie fertig. Den siebten Teil gehen wir momentan an. Ich denke, an Ideen wird es uns nie mangeln. So spielt unser neuster Fall in der Vorweihnachtszeit. Das ergibt neue Facetten und ein ganz eigene Atmosphäre und bietet genügend Raum, sich über Klischees lustig zu machen.

Schattenkämpferin: Im Juli 2009 erschien Dein erstes eigenständiges Buch „Bestseller“, das Du über BoD veröffentlicht hast. Wie kam es dazu, dass der Ullstein-Verlag, bei dem ja die Nannen-Krimis erscheinen, nicht auch dieses Buch im Programm aufgenommen hat? War das Dein eigener Wunsch, hast Du diese Möglichkeit vielleicht gar nicht in Betracht gezogen?

Michael: Ich hatte es in einem Gespräch mit unserer Lektorin kurz vorgestellt. Aber die meinte, dass sich Bücher über Autoren schlecht verkaufen würden. Da habe ich es anderen Verlagen bzw. Agenturen vorgestellt, die aber eher reserviert reagierten. Das hat mich etwas frustriert, so dass ich es selber als BoD herausgebracht habe. Vielleicht hätte ich da mehr Geduld haben müssen.

Schattenkämpferin: BoD hat einen sehr durchwachsenen Ruf. Würdest Du Anfängern und Erstveröffentlichern diesen Schritt empfehlen oder rätst Du eher davon ab? Welche positiven Aspekte gibt es und worauf sollte man als Anfänger ganz besonders achten?

Michael: BoD war unser Türöffner zum ersten Buchmarkt. Wir haben in den Neunzigern unsere Manuskripte an alle großen Publikumsverlage geschickt und nur Absagen erhalten. Mit der wachsenden Popularität des Internets wurden wir auf BoD aufmerksam und brachten 2002 unseren ersten Nannen-Krimi in Eigenregie heraus. Der verkaufte sich überraschend gut. Da wurde Ullstein auf uns aufmerksam und bot uns an, die Serie zu veröffentlichen. Daher kann ich BoD nur empfehlen. Natürlich ist dort der Autor in Bezug auf Marketing völlig auf sich allein gestellt. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass sich Buchhandlungen nur selten BoDs ins Regal stellen. Aber auch Freunde von mir sind mit einem Sachbuch nach nur einem halben Jahr bei einem großen Verlag gelandet. Wenn die Qualität und Marketing stimmen, kann dieser Weg also durchaus zum Erfolg führen.

Schattenkämpferin: Wenn Du beides vergleichst – die Dieter-Nannen-Romane und „Bestseller“ – welche Variante des Schreibens gefällt Dir besser? Liegt Dir eher die Partnerarbeit oder bist du beim Schreiben lieber so selbstständig und lässt Dir so wenig reinreden wie möglich? Liegt deine schriftstellerische Zukunft eher bei den Nannen- oder bei eigenständigen Projekten?

Michael: Das ist schwer zu beantworten. Ich mag beides. Es ist übrigens durchaus von Vorteil, wenn der Autor bei der Arbeit mit einem Partner permanentes Feedback bekommt. Beim Schreibvorgang selber schalte ich den inneren Kritiker aus und lasse die Worte fließen. Da kommt es schon vor, dass ich von einer Idee begeistert bin, die Martin nicht gut findet; bzw. umgekehrt. Letztendlich hat man immer eine Kontrollinstanz, die schaut, was am Ende für das Buch am besten ist. Oft finde ich mit etwas zeitlichem Abstand meine ursprüngliche Idee auch nicht mehr gut. Außerdem inspirieren wir uns gegenseitig. Die Freiheit bei eigenen Projekten ist natürlich auch schön. Ich denke, dass ich beides gut miteinander verbinden kann.

Schattenkämpferin: Gibt es Autoren, die Du bewunderst und mit denen Du gerne mal ein Projekt machen würdest? Für welche (deutschen) Kollegen kannst Du Dich besonders begeistern, wen würdest Du ohne zu zögern weiterempfehlen?

Michael: Ich schätze viele Kollegen. Jo Nesbo liebe ich, von dem habe ich in den letzten Monaten alle Bücher verschlungen. An deutschen Krimis mag ich Jörg Fauser und Jörg Juretzka. Momentan lese ich gerade „Deutsche Meisterschaft“ von meinem Hannoveraner Kollegen Richard Birkefeld. Ein grandios geschriebener Roman, der in der Weimarer Republik spielt. Hans Fallada bewundere ich. Er versteht es wie kein Zweiter, Zeitgeschichte, Humor und Spannung miteinander zu verweben. Mein persönliches Buch des letzten Jahres war „Zwischen allen Wolken“ von Michael Gantenberg. Dieser Roman bewegt sich mitreißend zwischen skurriler Komik und abgrundtiefer Tragik. Im Text werden sehr unterhaltsam, fundamentale Lebenswahrheiten abgebildet. Das hat mich tief beeindruckt.

Schattenkämpferin: Die Dieter-Nannen-Romane fallen in den Bereich der Lokalkrimis, „Bestseller“ würde man eher unter Belletristik und Gegenwartsliteratur einordnen. Wo liegen Deine privaten Vorlieben in Sachen Literatur? Besteht auch dein privates Bücherregal eher aus Kriminalliteratur oder findet man dort auch Stücke aus anderen Genres? Welches Gebiet liegt Dir gar nicht?

Michael: Ich lese selber gerne Krimis und Thriller, klar, belletristische Literatur von Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Jetztzeit, witzige Romane, etc., manchmal Klassiker. Da bin ich nicht festgelegt. Fantasy- und Vampirromane liegen mir eher nicht.

Schattenkämpferin: Bleiben wir einen Moment im privaten Bereich. Wie jeder Mensch hast auch Du ein Umfeld aus Bekannten, Freunden und Familie. Welche Reaktionen werden an Dich herangetragen, wie geht Dein Umfeld mit Deinem Autoren-Dasein um? Hat sich nach der ersten erfolgreichen Veröffentlichung viel verändert? Oder bist Du für „Deine Leute“ immer noch der, der Du immer warst?

Michael: Da hat sich eigentlich nichts für mich geändert. Für die meisten meiner Freunde spielt Literatur keine so große Rolle. Da wird das nebenher zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Vereinzelt gab es Neider, die meinten, man würde bei Veröffentlichung bei einem großen Verlag seine Seele verkaufen. Aber solche Aussagen können wir nicht ernst nehmen. Die Mehrzahl meiner Freunde hat sich mit uns gefreut, aber das war es dann auch schon. Die Erde dreht sich genauso weiter wie vorher.

Schattenkämpferin: Rückmeldungen gibt es auch zahlreiche auf diversen Internetplattformen und natürlich auch von Seiten eurer Fans. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu den Lesern? Beantwortest Du Fan-Mails selbst und regelmäßig? Und wie ist das, wenn Du auf der Straße unterwegs bist? Wirst Du erkannt und angesprochen?

Michael: Mails beantworte ich selber, aber das hält sich alles im Rahmen. Der Kontakt zu Lesern, z.B. bei Lesungen, ist uns sehr wichtig. Auf der Straße wurde ich noch nie angesprochen. Als Autor genießt du nicht die mediale Öffentlichkeit wie z.B. Schauspieler. Obwohl Werbung auch via TV natürlich immer gut ist, kann ich aber auch darauf verzichten, nicht mehr in Ruhe einkaufen gehen zu können. Aber das sehe ich in der nächsten Zeit auch noch gewährleistet :)

Schattenkämpferin: Oft hat man als Kind ganz andere Vorstellungen von dem, was man später als „Großer“ machen möchte. Welche Berufswünsche hattest Du als kleiner Junge und woran sind diese letztlich gescheitert? Wie bist Du schließlich zum Schriftstellertum gekommen? Bist Du zufrieden mit dieser Entwicklung oder gibt es noch immer einen anderen Beruf, den Du gern ausüben würdest?

Michael: Als Grundschulkind wollte ich Automechaniker werden, das wollte jeder Junge. Die Mädchen bevorzugten Tierärztin. Da ich mich später nie besonders für Technik interessierte, verblasste dieser Wunsch. Später wollte ich aussteigen, Asien und den Rest der Welt bereisen und mich dann als Schafzüchter in Ostfriesland zur Ruhe setzen. Ist auch so nicht gekommen. Eine Rockstarkarriere ist mangels Begabung geplatzt. Da blieb nichts anderes als Schreiben übrig. Es scheint meine karmische Bestimmung zu sein.

Schattenkämpferin: Stichwort Schreiben: Wo schreibst Du im Allgemeinen? Hast Du einen festen Arbeitsplatz oder gehörst Du zu den Menschen, die dort arbeiten, wo es gerade passt? Und wie arbeitest Du – personifiziertes Chaos mit vielen losen Zetteln oder strukturiertes Vorgehen mit einem genauen Plan? Welche Atmosphäre brauchst Du beim Schreiben? Was inspiriert dich?

Michael: Ich schreibe am liebsten an meinem Schreibtisch. Der sieht ziemlich chaotisch aus, allerdings schreibe ich erstaunlicherweise ziemlich strukturiert. Ich lege mir vorher –auch für kurze Texte– einen Ablauf- und Personalplan fest, an den ich mich halte. Beim Schreiben trinke ich vormittags Kaffee, nachmittags grünen Tee. Gerne höre ich dabei Musik, Klassik oder relativ entspannten Rock wie z.B. Chris Rea oder Radiohead. Normalerweise höre ich bevorzugt härtere Musik aus der Punk und Hard-Rock-Ecke, aber das lenkt mich beim Schreiben zu sehr ab.

Schattenkämpferin: Nachdem Du nun zwei verschiedene Wege ausprobiert hast, wohin werden Dich zukünftige Projekte führen? Welche Pläne gibt es in Bezug auf Dieter Nannen und werden die Leser vielleicht den einen oder anderen Protagonisten aus „Bestseller“ noch mal zu Gesicht bekommen? Worauf dürfen sich Deine Fans in Zukunft freuen?

Michael: Da bin ich ziemlich offen. Momentan schreiben wir an den Nannen-Romanen 5 und 6. Ich werde in naher Zukunft einen Thriller beginnen. Aber welche Ideen die Zukunft mit sich bringt? Mal schauen.

Schattenkämpferin: Zum Abschluss natürlich noch die Frage, die speziell für die User im Literatopia-Forum von großer Bedeutung ist: Was gibst Du denen mit auf den Weg, die ebenfalls den Weg als Autor einschlagen möchten?

Michael: Wenn ihr Freude am Schreiben habt, bleibt am Ball und glaubt an euch. Es ist nicht einfach, bei einem guten Verlag unterzukommen. Seht Absagen nicht als Qualitätskriterium und behaltet euren Elan und Eifer. Es sind oft nicht die besten Autoren, die verlegt werden, sondern die, die am meisten an sich selbst geglaubt haben.

Schattenkämpferin: Herzlichen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten, Michael! Für Deine kommenden Pläne wünsche ich Dir viel Erfolg.

Michael: Ich danke auch für das nette Gespräch und wünsche dem Forum alles Gute für die Zukunft.


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