cbt, 1. Auflage März 2011
Originaltitel: Wherever Nina lies
Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova
Taschenbuch, 320 Seiten
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-570-30741-0
Leseprobe

Genre: Jugend-Thriller



Klappentext:

Sie sucht die Wahrheit –
doch die Wahrheit kann grausam sein …

Ellie sucht ihre Schwester Nina – und das schon seit zwei Jahren. Nina ist eines Tages plötzlich verschwunden. Die Polizei glaubt, das wilde Mädchen ist weggelaufen. Doch Ellie ist felsenfest überzeugt: Nina ist etwas passiert.
Da trifft Ellie den attraktiven Sean – sogleich spürt sie eine tiefe Verbindung, denn auch Sean hat einen Bruder verloren. Gemeinsam machen sich Ellie und Sean mit dem Auto auf die Suche, immer auf den Spuren Ninas. Bald glaubt sich Ellie nah am Ziel, da erfährt sie die schockierende Wahrheit …



Rezension:

Eines Nachts kommt Ellies ältere Schwester Nina weinend nach Hause, am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden – das war vor zwei Jahren. Während die Mutter sich seitdem in Arbeit stürzt und scheinbar nicht weiter darüber nachdenkt, hört Ellie nicht auf, an ihre Schwester zu denken und zu hoffen, dass sie eines Tages wiederkommen würde. Ihre große Schwester fehlt ihr so sehr, dass sie die ganzen zwei Jahre über nie die Suche aufgegeben hat.
Als ihr nun bei einem Trödelankauf im Laden gegenüber des Cafés, in dem sie arbeitet, eine Zeichnung in die Hände fällt, die nur von Nina stammen kann, flammt erneut Hoffnung in ihr auf und sie setzt alles daran, den Verkäufer dieser Zeichnung ausfindig zu machen. Hilfreich dabei scheint zuerst die in die Zeichnung eingearbeitete Telefonnummer zu sein, die sich aber als Reinfall erweist. Ein Blick auf die Überwachungsbänder des Ladens lässt Ellie schließlich zu einer Abrissparty gehen, wo sie mit einem Foto rumgeht und sämtliche greifbare Anwesende nach ihrer Schwester fragt.
Auf dieser Party wird sie von einem Fremden angesprochen, der eine Maske trägt und sich als Sean vorstellt. Ellie fallen sofort seine schiefergrauen Augen auf und sie lässt sich auf einen kurzen Flirt ein, doch dann erkennt sie unter den Partygästen den Mann vom Überwachungsband wieder und läuft ihm hinterher. Doch auch dieser mögliche Hinweis erweist sich leider als Sackgasse.

Ellies beste Freundin Amanda kann sich das ganze Elend nicht mehr mit ansehen und fleht nahezu auf Knien, dass Ellie sich endlich mit der Tatsache abfindet und ihre Schwester gehen lässt. Doch das kommt für Ellie auf keinen Fall in Frage. Als Sean bei ihr im Café auftaucht und ihr seine Hilfe anbietet, zögert sie nicht lange und begibt sich mit ihm auf Spurensuche. Denn der Zufall – oder das Schicksal – spielt ihr erstaunlich gut in die Hände, indem sie bei jeder Zwischenstation auf neue Hinweise stößt. Und als wäre das Glück ihr wohlgesonnen, entdeckt sie in Sean einen Menschen, der sie versteht und ihre Gefühle nachvollziehen kann. Schnell kommen sie sich während ihrer Fahrt näher, doch Ellie verliert nie ihr Ziel aus den Augen: Das Finden ihrer großen Schwester. Und tatsächlich sieht alles ganz danach aus, gut werden zu können. Bis das Schicksal plötzlich eine grausame Wendung nimmt und Ellie vor einem Alptraum steht, den man sich schlimmer kaum vorstellen kann.

Lynn Weingartens Jugend-Thriller-Debüt ist ein Buch, das den Leser zwiegespalten zurücklässt. Die Geschichte läuft nur sehr langsam an, erst knapp bei der Hälfte beginnt ein Spannungsaufbau, der dann jedoch ziemlich schnell an seinen Höhepunkt gelangt. Nach dem seichten Einstieg und relativ langem, fast belanglos erscheinendem Geplänkel ist der Sturz mitten ins Geschehen fast schon ein wenig zu schnell – hier wäre ein bisschen Ausgewogenheit und gleichmäßige Verteilung sicher angebracht gewesen. Trotzdem liest sich Mottentanz von Anfang an flüssig und gut, die Sprache der Autorin passt gut zum Inhalt und zur Zielgruppe. Durch den die sanfte Steigerung des Spannungsbogens werden immer mehr kleine Details aus Ninas Leben bekannt, die schließlich dazu führen, dass am Ende alles einen Sinn ergibt – und das wirklich von Anfang bis Ende. Fragen bleiben – zumindest bei der Rezensentin – keine übrig, man schließt das Buch mit einem zufriedenen Gefühl.

Die Charaktere scheinen zu Beginn recht klischeehaft zu sein – ein geheimnisvoller Fremder, eine leicht überdrehte beste Freundin, eine stille und in sich gekehrte Protagonistin -, erfrischend dabei ist jedoch Ellies Café-Kollege Brad. Ein überaus liebenswerter und typischer Schwuler, dem nichts mehr am Herzen liegt, als dass Ellie sich endlich einmal verliebt. Er ist auch derjenige, der während Ellies Reise kein einziges Mal böse wird, obwohl er sämtliche ihrer Schichten im Café übernehmen muss. Wer wünscht sich nicht einen solchen Kollegen?
Was hingegen ein wenig fernab der Realität zu sein scheint, sind manche Handlungen der Protagonisten. So zum Beispiel der überstürzte Aufbruch Ellies, ohne ihre Mutter zu informieren oder wenigstens einen Zettel zu hinterlassen. Oder die Tatsache, dass Amanda ohne Probleme mal eben einen Flug buchen kann, um Ellie hinterher zu fliegen – die Frage, welche Vorbildfunktion diese Mädchen auf die Leser haben, besonders in Bezug auf Verantwortungsbewusstsein, taucht im Laufe des Romans einige Male im Kopf auf.

Positiv hervorzuheben ist die Gestaltung des Buches. Bereits das Cover besticht durch schlichte Schönheit, auch wenn Aufmachung und Titel nicht so recht zum Inhalt passen wollen. Besonders schön sind die Zeichnungen, die man im Buch findet – diese sind die kleinen Hinweise, denen Ellie folgen kann, und durch ihren Abdruck bekommt der Leser nicht nur die Möglichkeit, seine Augen ab und zu ausruhen zu können, sondern wird so noch ein Stück weit mehr Teil der Geschichte.
Als Rundumpaket betrachtet liefert die Autorin also einen soliden Jugendroman des Thriller-Genres. Bleibt abzuwarten, ob sie noch steigerungsfähig ist – Potential ist in jedem Fall erkennbar und man darf sich hoffentlich auf weitere Bücher freuen.



Fazit:

Für echte Thriller-Fans ist Mottentanz sicher nicht mehr als nur eine schnelle Zwischenmahlzeit. Die jugendliche Zielgruppe hingegen dürfte sich mit Lynn Weingartens Debüt durchaus wohl fühlen. Obwohl in manchen Punkten nicht ganz nachvollziehbar und erst ziemlich spät wirklich einen Spannungsbogen aufbauend, schafft dieser Jugend-Thriller kurzweilige, wenn auch nicht unbedingt hängenbleibende Unterhaltung.



Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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