PAN-Verlag, 1. Auflage März 2011
Originaltitel: Dark Parties
Aus dem Englischen von Kerstin Winter
HC mit SU, 352 Seiten
EUR (D) 16,99 | EUR 17,50 (A)
ISBN: 978-3-426-28348-6
Leseprobe

Genre: Science Fiction


Klappentext:

Verliebt, verzweifelt, in größter Gefahr.
Und verdammt mutig.

Die 16-jährige Neva hat es satt, keine Antworten auf Fragen zu bekommen, die sie nicht einmal laut stellen darf: Warum wird ihr Heimatland von einer undurchdringbaren Energiekuppel von der Außenwelt abgeschottet? Warum verschwinden immer wieder Menschen spurlos? Und was ist mit ihrer Großmutter geschehen, die eines Tages nicht mehr nach Hause kam? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Sanna beschließt Neva, Antworten zu verlangen und nicht mehr brav alle Gesetze und Regeln zu befolgen. Doch dabei verliebt sie sich nicht nur in den einen Jungen, der für sie tabu sein muss – sondern gerät auch in tödliche Gefahr …


Rezension:

Es gibt Momente, grell und flüchtig wie das Blitzlicht einer Kamera, da glaube ich, dass ich für Größeres geschaffen bin. Meine Großmutter hat immer gesagt, dass man alles tun kann, wenn man es nur wirklich von ganzem Herzen will. Aber das war, bevor die Regierung uns vorzuschreiben begann, welchen Beruf wir ergreifen müssen. Dennoch hat meine Großmutter mir den Optimismus wie ein winziges Saatkorn eingepflanzt. Und es kommt mir so vor, als würde es jetzt endlich keimen.
(aus dem vierten Kapitel, Seite 36)

Neva ist vor kurzem sechzehn geworden und somit nach dem Gesetz von Heimatland erwachsen. Bei einer Dunkelparty im Haus ihres Vaters, der für die Regierung arbeitet und von dieser Party unter keinen Umständen wissen darf, wollen sie und ihre beste Freundin neue Verbündete für einen ersten Revolte-Versuch gewinnen. Denn Sanna ist von jeher, gesprägt durch ihre Kindheit, eine kleine Revolutionärin mit einfachen, aber guten Ideen. Für sie kommt nichts anderes in Frage, als sich endlich gegen das System aufzulehnen, dass sie alle gefangen hält und ihr Leben vorherbestimmt. Neva geht mit gemischten Gefühlen an diese Party heran, doch als sie in der Finsternis von einem Fremden geküsst wird, regen sich ganz neue Emotionen in ihr und mit einem Mal ist ihr klar, dass es noch mehr geben muss als das, was ihr von den Eltern vorgelebt und von der Regierung vorgeschrieben wird – wie es ihre Großmama, bevor sie spurlos verschwand, ihr schon immer zu sagen versuchte. Gemeinsam mit ihren Freunden und die Erinnerungen an ihre Großmutter immer in den Gedanken dabei, macht Neva sich auf, gegen jeden Widerstand ihr Recht auf Freiheit einzufordern. Sie möchte wissen, was hinter der sogenannten Protektosphäre ist, und scheut dabei keine Risiken. Doch als sie sich schließlich auch noch in den festen Freund ihrer besten Freundin verliebt, muss Neva nicht nur um ihre Freiheit, sondern auch um ihre Freundschaft kämpfen.

Ohne eine große Einleitungsphase wirft Sara Grant den Leser direkt mitten ins Geschehen ihres Debüts. Man taucht praktisch im Dunkeln der Party auf und hängt sozusagen von Anfang an mittendrin, ohne großartige Vorkenntnisse zu sammeln. Doch die sind auch nicht nötig, denn Sara Grant arbeitet mit den Komponenten, die man derzeit bereits in vielen anderen Dystopie-Romanen findet. Ein überausgereiftes System, eine kleine Gruppe Widerständler, Altbekanntes gegen das Fremde und eben dadurch Reizende. Dabei immer im Hintergrund: Die Gedanken, wohin das Leben der heutigen Gesellschaft möglicherweise führen könnte. Und obwohl Neva mit eben diesen bekannten Komponenten daher kommt, fällt es dem Leser schwer, sich wirklich in das Buch fallen zu lassen – nicht weil die Geschichte langweilig wäre, sondern vielmehr weil viele Ungereimtheiten im Verlauf des Romans aufkommen und kaum Fragen bis zum Ende aufgeklärt werden. Was besonders im Hinblick darauf störend ist, dass der vorliegende Roman ein Einzelband und nicht, wie viele andere Dystopien dieser Zeit, in einer Reihe fortgeführt werden soll. Durch den überaus angenehm lesbaren Schreibstil, der sich perfekt für einen Jugendroman eignet, kommt die Geschichte um Neva von allein ins Fließen, bis man schließlich am Ende ankommt und mit Fragezeichen über dem Kopf zurückschaut. Leise kommt der Verdacht auf, dass es sich vielleicht doch um den Auftakt einer mehrteiligen Reihe handeln könnte, da einige ungeklärte Punkte neugierig machen und man mehr erfahren möchte.

In Bezug auf die Charaktere ist in Neva so ziemlich alles vorhanden, was das Leserherz begehrt – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Denn während einige wenige Charaktere vollauf überzeugen können, geht der Rest leider etwas unter.
Besonders hervorstechend ist die beste Freundin der Protagonistin. Sanna ist rebellisch und durchsetzungsfähig, lässt aber auch einiges an Unsicherheit durchblitzen. Ebenfalls sehr charismatisch wirkt Braydon, der nicht nur Sannas fester Freund ist, sondern im Laufe der Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle übernimmt. Dabei ist zwar einiges leicht vorhersehbar, jedoch man fühlt sich zu jedem Zeitpunkt recht gut unterhalten. Ein schönes Beispiel für die nicht bzw. nur nach außen hin funktionierende Regierungsweise sind Nevas Eltern: Der Vater als Minister für Altgeschichte steht ganz im Schatten der Regierung, die Mutter hingegen unterstützt Neva in ihrem Denken und Handeln – solange der Vater das nicht mitbekommt. Auch hier läuft einiges den Spekulationen im Kopf des Lesers direkt in die Arme, worüber man allerdings gerne hinwegschaut.

Trotz vieler positiver Eindrücke schafft Neva es nicht, den Leser rundum zu überzeugen. Zuviel bleibt am Ende ungeklärt, und vor allem wirft die Sara Grant in den letzten Kapiteln mit jeder Menge Sprengstoff um sich, der sich sehr gut, wenn nicht sogar sehr viel besser in anderen Ecken der Geschichte gemacht hätte. Beim Leser bleiben dadurch zwiespältige Gefühle zurück, denn einerseits ist dieses Debüt durchaus lesenswert, andererseits aber eben auch nichts wirklich Besonderes – trotz der wunderschönen Aufmachung durch den Verlag und das immer wiederkehrende Zeichen der Schneeflocke.


Fazit:

Mit bekannten Komponenten des aktuellen Dystopien-Marktes, nicht ganz ausgereiften Charakteren und einer zu großen Teilen vorhersehbaren Handlung bringt Neva nicht unbedingt neuen Wind in die Bücherregale. Für kurzweilige Unterhaltung ist jedoch gesorgt, und ob das Debüt von Sara Grant tatsächlich ein Einzelband bleiben wird, ist abzuwarten.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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