Otherworld, 1. Auflage Januar 2011
Originaltitel: The Jigsaw Men
Aus dem Englischen von Michael Krug
Klappbroschur, 350 Seiten
EUR 14,95 (D) | sFr 23,50
ISBN: 978-3-8000-9538-4

Genre: Horror / Mystery


Klappentext:

Was würden Sie für zwei Millionen Dollar tun?

Michael Fox ist bereit, dafür einen Arm zu verkaufen. An einen reichen, brillanten Chirurgen. Was kann dabei schon schief gehen?
Mehr, als er sich in seinen schlimmsten Albträumen ausmalen könnte …

Innerer Klappentext:

Michael Fox ist im Begriff, Selbstmord zu begehen, als ihm ein Fremder zwei Millionen Dollar anbietet. Alles, was er dafür will, ist Fox’ rechter Arm.

Doch das ist erst der Anfang. Die Pläne des geheimnisvollen Chirurgen gehen weit über einen schlichten Arm hinaus. Und Fox ist nicht der einzige »Spender«.

Gefangen hinter den Türen des Operationssaals muss Fox feststellen, dass er einem Wahnsinnigen in die Falle gegangen ist … und es kein Entrinnen gibt.


Rezension:

«Ich wusste es. Ich wusste einfach, dass Sie der Richtige sind, Mike. Darum bin ich heute hier – um Ihnen zurück auf die Beine zu helfen. Auf meine Empfehlung hin ist Dr. Marshall bereit, Ihnen eine stattliche Summe dafür zu bieten, dass Sie ihm bei der Fortführung seiner Forschungen unterstützen. Was er von Ihnen möchte, ist völlig legal, und niemand bekommt Schwierigkeiten. Alles, was Sie verloren haben, können Sie zurückhaben – und mehr. Sie können alles haben, was Sie sich je erträumt oder gewünscht haben. Es ist ganz einfach, Mike. Wenn Sie bereit sind, Dr. Marshall zu geben, was er will, ist er bereit, Sie reich zu machen.»
(Seite 40)

Vor drei Jahren verlor Michael Fox bei einem Autounfall seine Frau und seinen Sohn. Seitdem ist er in den Sumpf der Obdachlosigkeit gerutscht, seine Tochter hat sich von ihm abgewandt und er selbst empfindet nur noch Todessehnsucht. Auf dem Weg in den Freitod wird ihm in nahezu letzter Sekunde ein unglaubliches Angebot unterbreitet: Zwei Millionen Dollar für seinen rechten Arm. Obwohl ihn von Anfang an ein seltsames Gefühl beschleicht, lässt er sich schließlich von der Menge des Geldes überzeugen, das nicht nur sein eigenes Leben wieder auf eine gerade Spur befördern, sondern auch seine Tochter zu ihm zurück bringen könnte.

Doch bei der Ankunft auf Dr. Marshalls Anwesen stellt Mike fest, dass er nicht der Einzige ist, dem eine bestimmte Summe für eine Gliedmaße angeboten wurde. Neben ihm werden drei weitere Männer, die ebenfalls zu der Obdachlosen-Szene der Stadt gehören, in die Privatklinik gebracht und das mulmige Gefühl verstärkt sich immer weiter. Ein erklärender Vortrag des Chirurgen beruhigt Mike ein wenig, aber schon bald muss er feststellen, dass er nicht den Weg in ein neues Leben, sondern in seinen ganz persönlichen Alptraum gefunden hat. Ein Alptraum, den unzählige andere Männer mit ihm teilen.

Gord Rollo greift in seinem Roman Amputiert die bereits wohlbekannte Idee des Frankenstein auf und holt sie in unsere moderne Welt: Die Erschaffung eines künstlichen Menschen, der trotzdem lebensfähig ist. Hierbei bedient er sich nicht nur Grauen erregenden Bildern, die er geschickt an den Leser bringt, sondern auch mitunter unblutigen und gerade dadurch so tiefgehenden Szenen. Obwohl die Idee selbst keine neue ist, stellt der vorliegende Roman keinen billigen Abklatsch dar, sondern verspricht trotz schlichtem Cover überaus spannende und fesselnde Unterhaltung. Dass dabei zwar der Held der Story eher blass rüberkommt und nicht zu hundert Prozent überzeugen kann, wird durch den fiesen und geisteskranken Doktor und seine Schergen mehr als ausgeglichen. In Amputiert glänzen die Bösen mehr als die Guten und gerade das macht das Buch so überaus erfrischend.

Angepasst an die Idee wird auch sprachlich ein wenig experimentiert, ohne zu sehr auf Risiko zu spielen. Leicht verständlich, aber trotzdem tiefgehend schafft Gord Rollo zumindest zeitweise eine Atmosphäre, die düster und beklemmend auf den Leser wirkt und sehr gut zum dunklen Gemäuer von Marshalls Anwesen passt. Der Autor nimmt kaum Rücksicht auf schwache Nerven, sodass zartbesaitete Leser das Buch wohl des Öfteren zur Seite legen müssen, um ihren Magen wieder zur Ruhe kommen zu lassen. Und auch Hartgesottene dürften das eine oder andere Mal mit ihrem Schluckreflex zu kämpfen haben, denn leicht verdaulich ist Amputiert mit Sicherheit nicht.

Dass der Otherworld-Verlag sich nicht am Originalcover orientiert hat, kann man mit zwiespältiger Meinung betrachten. Denn so wird der Leser zwar durch den Titel, jedoch nicht durch die doch eher schlichte Covergestaltung auf die ihn erwartende Geschichte vorbereitet. Abzuwarten bleibt, was der deutsche Buchmarkt noch von Gord Rollo zu Gesicht bekommen wird – mit diesem Start sichert er sich allerdings auf Anhieb einen festen Platz in dem einen oder anderen Regal von Lesefreunden.


Fazit:

Amputiert mag auf den ersten Blick wie ein Frankenstein-Imitat wirken und tatsächlich sind einige Parallelen erkennbar. In die moderne Welt gezogen bewirkt diese Geschichte beim Leser vor allem eins: Beklemmung, da sie eine erschreckende Realität inne hat und in der heutigen Zeit gar nicht so abwegig erscheint.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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