EgmontLyx, 1. Auflage April 2011
Originaltitel: An Artificial Night
Aus dem Amerikanischen von Rene Satzer
Klappenbroschur, 384 Seiten
12,99 EUR (D) | 13,40 EUR (A)
ISBN: 978-3-8025-8290-5
Leseprobe

Genre: Urban Fantasy


Klappentext:

Unter den Feen von San Francisco ist er ein vertrauter Schrecken: Blind Michael, der Kinderdieb, der mit seiner grausamen Schar in Vollmondnächten über die Hügel von Berkley jagt. Bisher hatte October Daye keinen Gedanken an ihn verschwendet, plagen sie doch ganz andere Sorgen. Aber als die Kinder ihrer Freundin Stacy plötzlich unter mysteriösen Umständen verschwinden, muss sich Toby diesem schlimmsten Albtraum von Faerie stellen …


Rezension:

Ich bin keine Wunderwerkerin, ich bin nur ein Halbblut mit dem Talent, sich nicht umbringen zu lassen.
(Seite 45)

October Daye kommt einfach nicht zum Durchatmen. Kaum das letzte Abenteuer verarbeitet und noch nicht mal annähernd von den Strapazen ebendieses erholt, steht die nächste Überraschung vor ihrer Tür: Ein perfektes Abbild ihrer selbst. Die sogenannten Holinge sind eigentliche Todesbotschafter, denn sie werden geschickt, um die betreffende Person auf ihren bevorstehenden Tod vorzubereiten. Für Toby, die bei ihren waghalsigen Abenteuern sowieso jedes Mal mit dem Ableben rechnen muss, ist das Auftauchen von May Daye – was übrigens eine tolle Metapher darstellt – zwar nicht besonders überraschend, hat aber doch auch seinen ganz eigenen Schrecken. Denn Toby hat keine Zeit zum Sterben: Erst kürzlich wurden mehrere Kinder von Blind Michael entführt, darunter nicht nur die beiden jüngsten ihrer besten Freunde, sondern auch normalsterbliche wie Quentins Freundin und Kinder vom Hof der Katzen. Letztere zu retten ist der Auftrag, den Tybalt, seines Zeichens König der Cat-Sidhe, October gibt – mit der Auflage, heil aus diesem Schlamassel wiederzukommen. Und auch Tobys Lehnherr Sylvester schickt ihr einen jungen Freund an die Seite, der den Auftrag hat, nicht ohne Toby zurück zu kehren.

So steht Toby in ihrem dritten Abenteuer nicht nur dem eigenen Tod gegenüber, sondern trägt auch noch die Verantwortung für die Rettung von etwa zwanzig verschwundenen Kindern. Irgendwie klar, dass Blind Michael seinen Ritt, der nur alle hundert Jahre stattfindet, genau in die Zeit legen muss, in der Toby für solche Aufträge zuständig ist. Als Leser darf man mit Erstaunen feststellen, wie gelassen die liebgewonnene Protagonistin mit der Situation umgeht und doch zum ersten Mal tatsächlich Angst zu haben scheint – nicht nur um die zu rettenden Charaktere, sondern auch um sich selbst. Das Auftauchen ihres Holings wirft sie einerseits aus der Bahn, stellt sich aber andererseits als sehr nützlich heraus. Besonders als October mit Hilfe der Luidaeg, die schon einmal Octobers Schuld durch Hilfestellung erlangte, auf verschiedenen Wegen ins Territorium des Blinden Michaels – der wie die Luidaeg einer der Erstgeborenen und daher sehr machtvoll ist – gelangt und dort nicht nur auf Feinde, sondern auch auf Verbündete und so einige, nicht nur angenehme Überraschungen trifft. Mays Anwesenheit geht im Trubel gerne mal ein wenig unter und wird „missbraucht“, doch sie gibt ihr Bestes, um ihren Zweck zu erfüllen. Nur hat sie ihre Berechnungen ohne Toby und deren Freunde gemacht.

So erwartet den Leser einmal mehr ein rasantes Abenteuer mit erstaunlichen Elementen aus den verschiedenen Genres der Literaturwelt. Phantastisches wird großartig mit Mystischem verbunden, auch Krimifans kommen erneut auf ihre Kosten und für die Sprachliebhaber hat die Autorin wieder wundervolle Sätze, Sprichwörter und Metaphern in ihre Geschichte fließen lassen. Nachtmahr ist ein Unterhaltungsbuch auf der ganzen Linie und kann sich nach den ersten beiden Teilen definitiv als gelungen einreihen. Das Wiedersehen mit alten Bekannten und überraschende Informationen über einige Charaktere runden den optisch ebenfalls wieder einen Blickfang darstellenden und zum Inhalt passenden dritten Band um die Halbfee October Daye perfekt ab. Nun bleibt abzuwarten, was an den Gerüchten dran ist, dass die Serie in Deutschland nicht länger fortgesetzt werden soll – denn eines ist sicher: Dies wäre ein herber Verlust für alle Fans der Urban Fantasy und solche, die es werden wollen.


Fazit:

Auch der dritte Band um Privatdetektiven October „Toby“ Daye kann in vollen Zügen überzeugen. Mit jeder weiteren Geschichte steigt die Begeisterung, mit jedem neuen Abenteuer versinkt der Leser tiefer in der Parallelwelt San Franciscos und erfreut sich immer mehr an den längst liebgewonnenen Charakteren. Nun wird mit Hoffnung und Spannung der Fortsetzung entgegen geblickt.


Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


McGuire, Seanan: October Daye I – Winterfluch
McGuire, Seanan: October Daye II – Nebelbann

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