Blanvalet, 1. Auflage Mai 2010
Klappenbroschur, 320 Seiten
€ 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-442-37492-2
Leseprobe

Genre: Thriller


Klappentext:

Was würdest du tun,
wenn dein größter Feind deine letzte Hoffnung ist?

Ein geheimnisvoller Serienmörder stellt das LKA Berlin vor scheinbar unlösbare Rätsel. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Spuren gibt es keine, denn die Wohnung ist klinisch geputzt – ein Alptraum für die Ermittler. Die letzten Hoffnungen ruhen auf Julius Kern, der Jahre zuvor einen grausamen Massenmörder fassen konnte. Doch Kern ist daran fast zerbrochen. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier.


Rezension:

Ein völlig steriler Leichenfundort stellt das Berliner LKA vor ein alptraumhaftes Rätsel – nicht die geringste Spur und damit nicht den Hauch einer Chance hat der Täter hinterlassen und macht es dem ermittelnden Team schwer. In seiner Not wendet es sich an Julius Kern, der nicht nur mit eigenen Zweifeln, sondern auch denen anderer zu kämpfen hat. Denn die letzte Mordermittlung kostete Kern fast alles: Familie, Job, Verstand. Doch der „Putzteufel“ reizt ihn und so sagt er seine Mitarbeit zu, trotz aller Vorbehalte der höheren Stellen. Doch damit wird nicht nur Kern zurück auf den Plan gerufen, sondern auch sein schlimmster Feind – nämlich genau der Mann, der vor einigen Jahren von Julius gefasst wurde und anschließend einen Freispruch vor Gericht erwirkt hatte. So wird Kern doppelt herausgefordert, denn er muss sich nicht nur mit der aktuellen Ermittlung auseinander setzen, sondern auch mit seiner Vergangenheit, die so stark mit Tassilo zusammenhängt. Was ebendieser ihn nie vergessen lässt und den ohnehin schon alptraumgeplagten Kommisar immer und immer wieder daran erinnert. Für Kern ist es eine Gratwanderung, denn Tassilo bietet seine Hilfe an – doch kann Kern dem Mann, der seine Ehe auf dem Gewissen hat, trauen?

Drei Erzählstränge und ein von Anfang an klarer Täter – klingt erstmal sehr wirr und nicht besonders überzeugend. Und tatsächlich hat der Leser es durch drei unterschiedliche Perspektiven zu Beginn des Buches recht schwer, sich einzufinden und sich vollends in die Geschichte fallen zu lassen. Was Die Reinheit des Todes jedoch ausmacht, ist nicht die Suche (des Lesers) nach dem Täter an sich, sondern das langsam aufzudeckende Rätsel um die Hinter- und Beweggründe. Spannend dabei sind die eingeflochtenen Rückblenden zum alten Tassilo-Fall, der in seiner Komplexität eine eigene Ausarbeitung wert gewesen wäre – leider ein Punkt, der beim Leser etwas sauer aufstößt, denn so verlieren sowohl die alte als auch die neue Ermittlung ein ganzes Stück an Glanz und Spannung. Jede der beiden hätte von mehr „Aufmerksamkeit“ profitieren und den Leser noch ein bisschen besser unterhalten können. Schade, dass der Autor diese Möglichkeit sich und seinen angehenden Fans genommen hat, denn dieser Fall hat seinen ganz eigenen Reiz – selbst in der abgeschwächten und zusammengedrückten Form, die er im vorliegenden Roman bekommen hat.

Eine große Stärke beweist Vincent Kliesch bei der Erschaffung seiner Charaktere. Mit Ecken und Kanten und gerade dadurch unheimlich sympathisch überzeugen sowohl Kommisar Kern als auch Gegenspieler Tassilo – selten hat man einen Massenmörder, auf dessen erneutes Auftreten man sich schon im Voraus freuen kann. Erstaunliche Wesenszüge sind auch bei den anderen Mitwirkenden zu erkennen, Vincent Kliesch kratzt hier nur ein wenig an der Oberfläche der menschlichen Fassade und öffnet damit trotzdem unglaubliche Abgründe. Dabei kommt kein Bereich zu kurz, denn gerade Kerns Privatleben wird durch Noch-Frau und halbwüchsiger Tochter zu einem interessanten Nebenstrang, der nicht unwichtig für das Zusammenspiel mit Tassilo ist. Doch auch der für dieses Buch wichtige „Putzteufel“ weiß auf seine ganz eigene Art zu überzeugen – mit Detailliebe widmet sich der Autor hier der Vergangenheit und den Schlüsselerlebnissen, die nach Aufklärung vieles in einem anderen Licht stehen lassen. Was hierbei sehr positiv auffällt, ist die Gleichwertigkeit aller drei Protagonisten, denn zu keiner Zeit hat man als Leser das Gefühl, dass jemand bevorzugt oder benachteiligt wird.

Berlin-Fans kommen zudem durch umfangreiche, manchmal allerdings auch übertriebene Umgebungsbeschreibungen auf ihre Kosten. Hier hätte das Lektorat gerne das eine oder andere Mal den Rotstift zücken und Kleinigkeiten verändern können. Eine saubere Sprache lässt deutlich erkennen, dass Kliesch in seiner Arbeit als Moderator und Comedian den Umgang mit Worten gewöhnt und trotz dieser gerne als weniger ernste Arbeit verschrieene Tätigkeiten zu durchaus ernsthaften Gedankengängen fähig ist.
Bis zum Ende gut durchdacht und in jeder Hinsicht stimmig, mit faszinierenden und ebenbürtigen Gegenspielern sowie fesselnden Cliffhängern, aber leider viel zu wenigen Seiten und einem zweiten Haupthandlungsstrang, der gerne eine eigene Veröffentlichung hätte erhalten dürfen – Die Reinheit des Todes ist ein glanzvolles Debüt, von dessen Autor jederzeit wieder gelesen werden möchte.


Fazit:

Mit Die Reinheit des Todes liegt das trotz kleinerer, nicht ins Gewicht fallender Mängel überzeugende Debüt eines Allround-Talentes vor. Vincent Kliesch versteht es, den Leser trotz klarem Täter in eine spannende Ermittlung zu verwickeln. Obwohl die eingebundene Vorgeschichte durchaus ein eigenes Buch verdient hätte, kommt hier jeder Thriller-Leser voll auf seine Kosten.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Kliesch, Vincent: Der Todeszauberer

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