cbt, 1. Auflage Mai 2011
Originaltitel: Captivate
Aus dem Amerikanischen von Ute Mihr
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 24,90
ISBN: 978-3-570-16112-8
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy


Klappentext:

Unsere Blicke begegnen sich. Seine Augen sind unergründlich, fast hypnotisierend.
«Was mit dir los ist?», fragt er. «Ich glaube, etwas in meinem Blut fodert etwas in dir heraus. Wir ziehen einander an.»
Ich schüttele den Kopf. «Ich fühle mich nicht zu dir hingezogen. Ich liebe Nick.»
Sein Mund verzieht sich wieder zu diesem Lächeln und sein Gesicht sieht fast glücklich aus, wenigstens nicht mehr so traurig. «Ich verspreche dir, dass ich dich nur küsse, wenn du es selbst willst.»

Zara begegnet Astley mit gesundem Misstrauen. Schließlich haben er und seinesgleichen viel Unheil nach Maine gebracht. Doch als Zaras Freund Nick in tödliche Gefahr gerät, muss sie neue Bündnisse schließen und sich einer ungeahnten Herausforderung stellen …


Rezension:

Nach den turbulenten Ereignissen in Flüsterndes Gold kommen Zara und ihre Freunde auch im Nachfolgeband nicht zur Ruhe. Immer wieder gehen sie auf Patrouille und fangen Elfen, um sie im mit Eisen jeder Art präparierten Haus einzusperren. Doch nicht nur die Elfen ihres Vaters machen Zara das Leben weiterhin schwer, sondern auch von der Führerlosigkeit des Territoriums angelockte, mitunter sehr viel gefährlichere Elfen treten ins Bild und wollen die Macht an sich reißen. Als die eingesperrten Elfen befreit und auf die Stadt losgelassen werden, kommt es zu schlimmen Überfällen auf die normalen Bewohner, und bei dem Versuch, ihnen Einhalt zu gebieten, wird Nick – Zaras große Liebe – tödlich verwundet und von einer Walküre ins Walhalla gebracht. Um ihn möglicherweise retten zu können, muss Zara sich endlich ihrem Elfenblut stellen und der Wahrheit ins Gesicht sehen: Sie ist dazu bestimmt, die Braut eines Elfenkönigs zu werden. Blöd nur, dass nun gleich zwei dieser Art um ihre Aufmerksamkeit und die damit verbundene Macht buhlen – doch wem kann Zara noch trauen, wenn sie schon sich selbst und ihrer wahren Natur gegenüber kaum noch Vertrauen hat? Und was hat es mit dieser unerklärlichen Anziehungskraft auf sich, die der junge Elfenkönig Astley auf sie hat?

Auch der zweite Band um die junge Halbelfe Zara und ihre Freunde verspricht eine interessante Geschichte. Doch auch in Finsteres Gold wird dieses Versprechen erneut gebrochen, denn obwohl die Handlung ein wenig mehr Inhalt und mehr Abwechslung hat, schafft die offenbar überaus cholerische Protagonistin es auf erstaunliche Weise, jede leicht an der Oberfläche brodelne Begeisterung nahezu im Keim zu ersticken. Während man bei Flüsterndes Gold noch die Debüt-Ausrede vorhalten konnte, gehen beim vorliegenden Nachfolger langsam, aber sicher die Argumente aus, warum man die Serie weiter verfolgen sollte. Selbst die in Band 1 sympathischen Charaktere verkommen im zweiten Teil zu immer unangenehmeren Zeitgenossen. Während Iz und Dev anfangs zumindest erwachsene Züge vorweisen konnten, stoßen sie mit fortschreitender Seitenzahl auf immer mehr Unverständnis beim Leser. Und auch die zarten Bande zwischen Zara und Nick werden durch überzogene Beschreibungen und ständiges „Baby“-Genenne eher durch den Kakao gezogen, als dass man sie als angenehme Nebenstory ansehen könnte.
Sehr überzeugend ist jedoch der neue Protagonist Astley, der entgegen aller bisherigen Darstellungen endlich einmal ein eher positives Bild von den Elfen vermittelt – er ist zuvorkommend und zurückhaltend und macht sich mehrfach Sorgen um Zara, auch wenn er natürlich ganz eigene Absichten verfolgt. Als Leser hat man jedoch nie den Eindruck, dass die Ziele für ihn im Vordergrund stehen, vielmehr scheint da echtes Interesse an Zara selbst zu bestehen. Und auch die Walküre, die zwar nur kleine Nebenauftritte vorweisen kann, ist auf ihre ganz spezielle, nicht hundertprozentig ins Buch passende Art eine willkommene und erfrischende Abwechslung im eher mittelmäßigen und langweiligen Schwarz-Weiß-Gezeichne der Autorin. Weitere neu ins Geschehen eintretende Charaktere verschaffen vielleicht keinen tatsächlich verbessernden Einschnitt, liefern aber wenigstens etwas Abwechslung und durchaus auch amüsante Szenen – ein bisschen gesunde Eifersucht schadet nie, und wenn die Damen und Herren das kindliche Gehabe ablegen würden, hätte es sicherlich zu interessanten Disputen kommen können.

Was am Ende übrig bleibt, ist erneut ein fader Nachgeschmack, denn man fragt sich schon, ob Carrie Jones diese Chance verdient hat oder man sich die Zeit nicht besser für ein gutes Buch hätte aufsparen sollen. Leider weiß man solche Dinge immer erst nach dem Lesen. Finsteres Gold hat sicherlich einen schweren Start, denn die Enttäuschung nach dem Lesen des Vorbandes macht es dem Leser schwer, sich ohne Vorurteil an den zweiten Band um Zara und Co. zu wagen. Vorbehalte werden leider ziemlich schnell bestätigt und Fehler sowie Übertreibungen fallen besonders negativ auf. Ob die Autorin in der Lage ist, das Ruder im Laufe der weiterführenden Bände tatsächlich rumzureißen, ist zweifelhaft – gute Fantasy sieht leider anders aus, und Carrie Jones wird weiterhin hart an sich und ihrer Story arbeiten müssen.


Fazit:

Nur minimal mehr als sein Vorgänger kann Finsteres Gold überzeugen. Noch immer ist Zara unsympathisch und völlig überzogen, während die meisten der übrigen Charaktere leider nachziehen, noch immer lässt der Handlungsrahmen zu viel Luft zum Abschweifen, noch immer bleibt der Leser unzufrieden zurück. Eine leichte Steigerung ist zwar erkennbar, doch eine wirkliche Verbesserung ist leider nur in wenigen Punkten vorhanden.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 2,5/5


Jones, Carrie: Flüsterndes Gold

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