Fischer Jugendbuch, 1. Auflage Juni 2011
Originaltitel: The Poison Diaries
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
Nach einer Idee der Herzogin von Northumberland
HC mit SU, 272 Seiten
€ (D) 14,95 | € (A) 15,40 | SFR 26,90
ISBN: 978-3-8414-2124-1

Genre: Jugendbelletristik mit historischem Hintergrund und phantastischen Elementen


Über das Buch:

Die Poison Diaries – der Beginn einer lebensgefährlichen Liebe

Um 1800: Jessamine lebt mit ihrem Vater in einer verlassenen Kapelle im Norden Englands. Sie führen ein stilles, von Jahreszeiten geprägtes Leben. Jessamines Vater ist Botaniker, seine Leidenschaft sind Heil- und Giftpflanzen. In einem verborgenen Giftgarten züchtet er mächtige tödliche Gewächse, sorgsam darauf bedacht, seine Tochter von der Gefahr fernzuhalten. Als eines Tages Weed auftaucht, ein rätselhafter Fremder mit absinthgrünen Augen, verfällt Jessmine ihm sofort. Doch kaum haben die beiden zueinander gefunden, wird das Mädchen sterbenskrank. Was ist Weeds dunkles Geheimnis? Ist er ihre Rettung oder bringt er den Tod?

Eine Geschichte, so geheimnisvoll wie die unergründliche Welt der Pflanzen. Denn ob Belladonna heilt oder tötet, darüber entscheidet am Ende die Liebe …


Rezension:

Jessamine und ihr Vater leben weitab anderer Siedlungen. Seit dem Tod der Mutter ist das junge Mädchen diejenige, die sich um den Haushalt kümmert, während der Vater mit Hilfe der Kräuter und Pflanzen seines Gartens des Öfteren als eine Art Heiler unterwegs ist und bei den meisten Menschen nur als der Apotheker bekannt war. Die Tage sind recht eintönig, da das Leben auf dem alten Gelände eines ehemaligen Mönchklosters nicht viel Abwechslung zu bieten hat. Einzig der geheime Giftgarten ihres Vaters, in dem er Giftpflanzen aus aller Welt anbaut, übt eine gewisse Anziehungskraft auf Jessamine aus, doch das Betreten desselben ist ihr strengstens verboten. Obwohl nicht zufrieden mit dieser Einschränkung, ist Jessamine wohlerzogen genug, um ihrem Vater zu gehorchen und sich nur um die Dinge zu kümmern, die ihr aufgetragen werden. Als eines Tages der Inhaber einer Irrenanstalt vorbei reitet und ihnen den Jungen Weed quasi vor die Füße wirft, kommt endlich etwas Bewegung in den trägen und einsamen Alltag, der Jessamines Leben beherrscht. Denn Weed umgibt ein Geheimnis und seine nicht zu übersehende Angst vor dem Giftgarten stellt Jessamine vor ein zusätzliches Rätsel. Doch nicht nur diese beiden Punkte gilt es zu entschlüsseln – auch die erwachenden Gefühle, die sie für Weed entwickelt, sind neu und unbekannt. Das Glück soll nicht lange anhalten und schließlich steht Weed vor einer schweren Entscheidung und einer harten Probe.

Ein sofort ins Auge stechendes Cover und ein vielversprechender Klappentext laden sofort dazu ein, zum ersten Band der Poison Diaries zu greifen. Und auch die ersten Seiten der Geschichte verschaffen dem Leser das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und ein Mal mehr gute Unterhaltung im Bücherregal gefunden zu haben. Leider lässt dieses Hochgefühl recht schnell nach, denn obwohl Maryrose Wood tatsächlich erzählerisches Talent aufweist, wird das detailreiche Beschreiben von Hausarbeit und Pflanzenwachstum schnell langweilig und eintönig – ganz so wie das Leben, das Jessamine vor Weeds Auftauchen führt. Botaniker finden in den langen Ausschweifungen in die Pflanzenwelt sicher ihren Reiz, doch für Leser, die nicht viel für die Ausführlichkeit von Anbau übrig haben, sind diese Passagen eher lästig und sehr zäh. Dabei hat sich die Autorin wirklich Mühe bei der Ausarbeitung dieser Details gegeben, es jedoch doch ein wenig übertrieben – in diesem Fall wäre weniger definitiv mehr gewesen. Während die Geschichte daher größtenteils eher dahinplätschert und kaum mit Höhepunkten aufwarten kann, bündelt sich die meiste Spannung am Ende des Buches, als Jessamine erkrankt und Weed scheinbar die einzige Rettung für sie darstellt. Leider ist auch hier der eine oder andere Schwachpunkt zu erkennen, denn Maryrose Wood lässt sehr plötzlich Fantasy-Elemente in die Geschichte einfließen, die bis hierhin auch wunderbar ohne funktioniert hat.

Die Atmosphäre betreffend schafft die Autorin es mit den Poison Diaries recht gut, den Leser in die Zeit um 1800 zu entführen. Die Abgeschiedenheit und auch die Art des Umgangs miteinander lässt die historischen Grundgedanken aufleben und auch Menschen, die mit historischer Literatur eher wenig anfangen können, gewinnen einen leichten Eindruck der damaligen Zeit, ohne dass es überladen ist. Ebenfalls angepasst ist die Sprache, die Maryrose Wood für ihre Geschichte verwendet. Zusammen mit der wunderschönen optischen Aufmachung gewinnt das Buch dadurch einige Pluspunkte, die den mangelnden Inhalt zumindest ein stück weit ausgleichen können. Trotzdem wird den folgenden Poison Diaries, die ohne Zweifel kommen werden, wahrscheinlich eher mit Skepsis entgegen geblickt werden – das offene Ende bietet einen nicht unbedingt zwangsläufigen Cliffhanger, aber die Möglichkeit, dass die Geschichte sich weiterentwickelt und Schwachstellen in Angriff nimmt und ausmerzt.


Fazit:

Die wunderschöne Optik der Poison Diaries kann leider nicht über den nur mittelmäßigen und nur wenig anspruchsvollen Inhalt hinwegtrösten. Den Folgebänden steht ein hartes Stück Arbeit bevor, wenn sie den Leser überzeugen und mitreißen wollen.


Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 2,5/5
Optische Aufmachung: 5/5
Preis/Leistung: 3/5

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