Blanvalet, 1. Auflage April 2011
Klappenbroschur, 352 Seiten
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-442-37493-9
Leseprobe

Genre: Thriller


Klappentext:

Sie suchten den Mann fürs Leben – und fanden einen Mann zum Sterben …

Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt, und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder bereits getötet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis …

Ein psychopathischer Serienmörder, eine neue Frau an Kerns Seite und ein Rivale, der sein ganz eigenes, eiskaltes Spiel treibt – Julius Kern und sein Gegenspieler Tassilo sind mit einem neuen Fall zurück!


Rezension:

Ganz Deutschland wird seit mehreren Jahren von einem Serienmörder in Atem gehalten, der bisher nicht die geringste nützliche Spur hinterlassen zu haben. Deutschlans Polizei steht vor einem Rätsel – und nun hat es den sogenannten Schläfenmörder nach Berlin verschlagen. Für Hauptkommissar Julius Kern steht fest, dass Berlin die letzte mörderische Station auf dem Weg des Schläfenmörders sein wird – er will den Kerl fassen und den Fall lösen, um jeden Preis. Doch der Preis steigt ins Unermessliche, als sich sein erbitterter Gegenspieler Tassilo Michaelis einschaltet. Dessen Leben hat sich trotz des damaligen Freispruchs nicht beruhigt, denn Name und Gesicht sind selbstverständlich überall bekannt – mit Ruhe ist es für Tassilo definitiv vorbei. Aber er wäre nicht er, hätte er nicht längst einen Plan gefasst, und der Schläfenmörder spielt hierbei keine unwesentliche Rolle.
Zur Seite gestellt wird Kern bei den Ermittlungen seine bayrische Kollegin Eva Fuchs, die von Anfang an mit dem Schläfenmörder-Fall vertraut ist. Es stellt sich heraus, dass sie nicht nur als Ermittlungsteam gut funktionieren, sondern auch eine gewisse persönliche Anziehungskraft nicht abzusprechen ist. Für Kern, dessen Familie sich gerade wieder zusammengerauft hat, steht also auch im zweiten Kliesch-Roman wieder einiges auf dem Spiel – und Tassilo versteht es erneut hervorragend, seine Einsätze voll auszuschöpfen.

Nach dem überzeugenden Debüt Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch war die Erwartungshaltung seinem zweiten Roman gegenüber verhältnismäßig groß – man freute sich auf ein Wiedersehen mit Julius Kern und Tassilo Michaelis, wunderte sich über den Klappentext-Teilsatz „eine neue Frau an Kerns Seite“ und versprach sich viel von dem offenbar talentierten Serienkiller, der bundesweit siebzehn Frauen töten konnte, ohne bisher auch nur ansatzweise aufgeflogen zu sein. Klieschs Grundrezept geht auf: Obwohl man auch hier wieder von nahezu Anfang an wusste, wer der Täter ist – denn wieder hat dieser einen eigenen Erzählstrang erhalten – , wissen die Protagonisten einmal mehr grandios zu agieren. Hervorstechend dieses Mal ist die Entstehungsgeschichte des Schläfenmörders mitsamt der Hintergründe, die nicht nur eine Art Verständnis wachrufen, sondern auch wie ein Fingerzeig darauf hinweisen, wie die Gesellschaft ihre Mitmenschen zu formen versteht – bewusst und unbewusst. Des Öfteren findet man sich selbst kopfschüttelnd wieder, wobei dies jedoch nicht am Killer liegt, sondern seine Ursache in den Wegen dorthin hat.

Während sich Kliesch in Die Reinheit des Todes noch mit zahlreichen und teils ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung aufgehalten hat, kommen in Der Todeszauberer nur wirklich relevante Orte des Geschehens zum Zuge. Was vollkommen ausreichend und umso wichtiger ist, da diese kleinen Details der Wirkungskreise eine dichte und greifbare Atmosphäre schaffen. Sprachlich gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, einzig die sanfte Covergestaltung könnte ein kleiner Punkt zur Kritik sein. Vielleicht ist aber auch gerade diese Sanftheit das Passende, denn obwohl die Morde sehr brutal und ziemlich blutig sind und auch dargestellt werden, verbirgt die ganze Geschichte um den Schläfenmörder eine emotionale Tiefe, die es herauszufiltern gilt und sich lohnt.

Schwer zu sagen, ob Kliesch mit seinem zweiten Roman einen Sprung geschafft hat und sich vom Debüt abhebt, doch Fakt ist, dass auch das zweite Buch jede seiner Seiten wert ist. Dank des relativ offenen Endes darf man auf weitere Thriller um das ungleiche Gegner-Duo Julius Kern und Tassilo Michaelis hoffen. Ob es dann auch zu einem Wiedersehen mit Eva Fuchs kommen wird oder nicht – in jedem Fall hat sich Vincent Kliesch einen festen Platz in der deutschen Thriller-Szene verdient und sollte diesen weiter ausbauen und festigen.


Fazit:

Kern und Tassilo sind auch im zweiten Kliesch-Roman ein Garant für spannenden und abwechslungsreichen Thrill. Der Todeszauberer besticht wie sein Vorgänger durch Unvorhersehbarkeit trotz bekanntem Täter und spannenden Disputen und fügt außerdem noch eine leichte Prise Sex hinzu – eine Mischung, die es in sich hat und definitiv überzeugt!


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Kliesch, Vincent: Die Reinheit des Todes

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