rororo, 1. Auflage Januar 2011
Taschenbuch, 208 Seiten
12,99 € (D) | 13,40 € (A)
ISBN: 978-3-499-21573-5
Leseprobe

Genre: Belletristik


Klappentext:

«Warum musst du eigentlich immer so negativ sein?», fragte Dine. «Alles findest du doof.» Katinka drehte sich zu ihr um. «Ich finde alles doof? Kannst du mir bitte eine Sache in den vergangenen vierundzwanzig Stunden sagen, die nicht doof war? Also eine, die nur ansatzweise erträglich war? Wir verfahren uns, du hast die falsche Reisetasche dabei, in dieser Dorfspelunke müssen wir uns wie Schwerverbrecher behandeln lassen und die Nacht im Auto verbringen, und jetzt stehen wir in diesem Kaff hier mit diesem Haus, das gern ein Hotel sein möchte, einem schwachsinnigen Typen an der Seite und einem Pferd, das mir auf die Stiefel scheißt. Da gehe ich lieber ins Gefängnis, als mit dir hierzubleiben.» «Da gehörst du auch hin. Aber vorher müssen wir hier etwas tun, sonst gehen wir leer aus.»


Rezension:

Dine und Katinka waren eineiige Zwillinge. Sie hatten beide fast schwarzes, gelocktes Haar, waren groß und schlank, selbst ihre Bewegungen waren identisch, und beide hatten ein kleines Muttermal an exakt derselben Stelle. Trotzdem konnte man sie bestens auseinanderhalten, denn Dine hatte hellblaue und Katinka hellgrüne Augen. Das kam manchmal vor, und es erleichterte in diesem Fall ja auch vieles.
(Seite 12)

Sie gleichen wie ein Ei dem anderen und könnten doch unterschiedlicher nicht sein: Die Zwillinge Dine und Katinka sind wie Feuer und Wasser. Seit dem Kleinkindalter herrscht eine nicht verständliche Konkurrenz zwischen den beiden, ständig sind sie am Streiten, keine kann es der jeweils anderen recht machen. Als ihre Großmutter stirbt und jeder eine Menge Geld hinterlässt, ist dieses Erbe an eine Bedingung gebunden: Sie müssen das alte Hotel „Friesenzauber“ renovieren und anschließend mehrere Monate durchgehend ausgebucht sein – und während all dieser Zeit dürfen sie einander nicht von der Seite weichen. So steht es im Testament und natürlich lockt das Geld die beiden jungen Frauen – doch lockt es genug, um das Kriegsbeil vorübergehend zu begraben und die Auflagen zu erfüllen?
Schon bei der Anreise werden Dine und Katinka auf eine harte Probe gestellt und bei der Ankunft am Hotel steigt ihre Laune nicht im Geringsten, von der Motivation ganz zu schweigen. Aber nicht nur das sich in einem nicht sehr einladenden Zustand befindenden Hotel bringt die Mädels an ihre Grenzen, auch die Bewohner des kleinen Dörfchens scheinen den beiden Fremdlingen gegenüber nicht besonders aufgeschlossen zu sein. Und so wird den Zwillingen die eine oder andere Hürde in den Weg gestellt, die es zu überwinden gilt – schließlich winkt eine nicht geringe Summe am Ende der Strecke. Auf dem Weg dorthin müssen Dine und Katinka jedoch weit mehr als nur vor die Füße geworfene Felsbrocken aus dem Weg schaffen, denn auch ein lang gehütetes Geheimnis drängt an die Oberfläche und stellt alles auf den Kopf.

Eine an sich wirklich nette Idee für einen lockeren Unterhaltungsroman, die Steffi von Wolff dem Leser da bietet. Wenn die Umsetzung nun – zumindest in Bruchteilen – genauso ansprechend wäre, gäbe es an Ausgebucht nicht viel auszusetzen. Die Realität jedoch sieht anders aus: nämlich völlig unrealistisch. Die Grundidee an sich – eine alte Frau, die ihre beiden Enkelinnen zueinander führen möchte – ist eine schöne und auch der Plan, den die Großmutter der Zwillinge ausgeheckt hat, ist sicherlich einer der guten Sorte. Doch die Probleme, vor die beiden jungen Damen gestellt werden, und vor allem ihr Umgang damit ist wirklich haarsträubend. Auch die letztendliche Auflösung aller Schandtaten und das mehr als klassische HappyEnd sind langweilig und bleiben dem Leser schwer im Magen liegen. Hieraus hätte man sehr viel mehr machen können – sowohl aus der Geschichte an sich als auch aus jedem einzelnen Charakter.

Die Dorfbewohner werden nahezu ununterbrochen als unfreundlich und in keiner Weise umgänglich dargestellt, sodass man sich als nicht in einer Großstadt aufgewachsener Leser doch fragen muss, welche Vorurteile und Klischees die Autorin in ihrem Roman unbedingt bedienen musste. Auch die eingebundene(n) Liebesgeschichte(n) wirken eher plump und liefern zu keinem Zeitpunkt das, was man sich wünschen würde. Einzig die verstorbene Großmutter kann auf kuriose Weise von sich überzeugen, was wahrscheinlich daran liegt, dass ihr keine Möglichkeit zum aktiven Eingreifen in die Geschichte mehr gegeben ist. Und auch bei den Dialogen gibt es kaum Augenblicke, in denen man nicht schnell weiterblättern möchte. Highlights sind insgesamt nur wenige zu finden. Dabei scheinen die Grundzüge der Charaktere tatsächlich durchdacht zu sein, nur ist Steffi von Wolff wohl während des Schreibens die Lust am weiteren Ausarbeiten ausgegangen.

Schade, denn etwas mehr Mühe hätte sich bei diesem Roman für alle Beteiligten durchaus rentiert: Für die Protagonisten, für die Autorin und für die Leser. So bleibt ein fast durchgehend bitterer Nachgeschmack zurück und teilt sich den Platz mit der sich aufdrängenden Frage, wie Steffi von Wolff unter ihrem Pseudonym „Rebecca Stephan“ so anmutige und mitnehmende Literatur verfassen kann, während ihr Original nichts von dieser Raffinesse vorzuweisen hat.


Fazit:

Ein unglaubwürdiger Plot, unsympathische Charaktere, humorlose Dialoge und eine generell vorherrschen zu scheinende Lieblosigkeit machen Ausgebucht zwar zu einer kurzweiligen Unterhaltungslektüre für zwischendurch, lassen den Leser aber enttäuscht und unzufrieden zurück.


Wertung:

Handlung: 2/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 1,5/5


Stephan, Rebecca: Zwei halbe Leben

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