Jugendliteratur


cbj, 1. Auflage September 2011
Originaltitel: A Monster Calls
Übersetzt von Bettina Abarbanell
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 216 Seiten
Mit s/w-Illustrationen von Jim Kay
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A]
ISBN: 978-3-570-15374-1

Genre: Jugendroman mit phantastischen Elementen


Klappentext:

Das Monster tauchte kurz nach Mitternacht auf.
Wie Monster das so machen.
Conor war wach, als es kam.
Er hatte einen Albtraum gehabt.
Na gut, nicht irgendeinen. Den Albtraum.
Den einen, den er in letzter Zeit ziemlich oft hatte.
Den mit der Dunkelheit und dem Wind und dem Schrei.
Den mit den Händen, die er irgendwann nicht mehr festhalten konnte,
egal wie sehr er sich bemühte.
Den, der immer damit endete, dass …

Glaubwürdig, herzzerreißend und unendlich tröstlich – dieses Buch lässt keinen mehr los.


Rezension:

Ich hatte und habe das Gefühl, als sei ein Stab an mich weitergereicht worden; als habe eine besonders gute Schriftstellerin mir ihre Geschichte gegeben und gesagt: „Lauf. Lauf damit los. Stifte Unruhe.“ Und das habe ich versucht. Untergwes gab es für mich nur eine einzige Leitlinie: ein Buch zu schreiben, von dem ich glaubte, dass es Siobhan gefallen würde. Kein anderes Kriterium konnte letztendlich zählen.
Und jetzt ich es an der Zeit, den Stab an euch weiterzureichen. Geschichten hören nicht bei denen auf, die sie schreiben, egal, wie viele von uns ins Rennen gegangen sind. Hier ist das, was Siobhan und ich uns ausgedacht haben. Und nun lauft. Lauft damit los.
Stiftet Unruhe.
(aus dem Vorwort von Patrick Ness)

Seit einiger Zeit schläft Conor sehr schlecht, immer wieder quält ihn ein Albtraum, von dem er niemandem auf der Welt jemals erzählen wird. Als er eines Nachts wieder einmal aus dem Schlaf gerissen wird, ist jedoch etwas anders, denn vor seinem Fenster steht ein Monster. Furchteinflößend ist es zwar nicht, dennoch gibt es Conor zu denken, denn von nun an stattet es ihm regelmäßig Besuche ab. Immer zur selben Zeit, immer um sieben Minuten nach Mitternacht. Was Conor erwartet, ist jedoch nicht das typische Grauen, das nachts in die Kinderzimmer huscht und in Schränken oder unter dem Bett lauert. Nein, das Monster hat eine Bestimmung und bringt den Jungen anhand von drei Geschichten dazu, seinen Albtraum endlich zu teilen, seine Angst loszulassen. Und nicht nur die, denn Conors Albtraum kommt nicht einfach irgendwo her – die Angst, die ihn jede Nacht im Traum verfolgt und einholt, hat auch im Wachsein von ihm Besitz ergriffen. Und so lange er an seinem Albtraum festhält, wird weder das Monster noch seine Angst verschwinden.

Bevor Siobhan Dowd im Jahr 2007 ihrem Krebsleiden erlag, entwickelte sie die Grundidee und die Figuren zu Sieben Minuten nach Mitternacht. Außerdem verfasste sie bereits ein Exposé und widmete sich dem Anfang der Geschichte, die sie ihrem guten Freund Patrick Ness mit der Aufgabe hinterließ, Conors Weg weiterzuführen und zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Gemeinsam mit dem Illustrator Jim Kay nahm Ness sich dieser Aufgabe an und erschuf nach den Vorgaben der verstorbenen Kinderbuchautorin ein Werk, das nicht feinfühliger und behutsamer mit dem Thema des Verlustes umgehen könnte. Obwohl die Zeichnungen von Jim Kay, die sich durch das gesamte Buch ziehen, sehr düster und mitunter erschreckend sind, haben sie auch etwas Tröstliches an sich. Der ohnehin stimmungsvolle und atmosphärische Text, dessen Lesen man immer wieder zu unterbrechen gezwungen ist, wird durch diese Bilder noch zusätzlich unterstützt – sie bilden eine Art Schutzhülle um Conors Geschichte und liefern gleichzeitig einen Grund mehr, sich immer weiter vorzuarbeiten. Was Jim Kay mit seinen Zeichnungen schafft, ist auch Patrick Ness mit Worten gelungen. Emotional, aber nicht kitschig oder gar übertreibend gibt Ness dem Leser die Chance, selbst zu entscheiden, ob und wie weit man sich in die Geschichte fallen lassen möchte. Eine Gratwanderung auch für den Leser, denn wenn Sieben Minuten nach Mitternacht eines definitiv ist, dann mitreißend auf jede nur erdenkliche Weise. Es fällt schwer, sich nicht vollständig an Conors Seite stellen und dem 13jährigen Jungen ein Stück seiner Ängste und Verantwortung abnehmen zu wollen.

Der Umgang mit und die Umsetzung einer solch schwierigen Thematik stellt immer wieder neue und auch erfahrene Autoren vor eine Herausforderung. Nicht immer gelingt es, trotz der belastenden Schwere auch eine gewisse Leichtigkeit beizubehalten und dem Leser nicht nur eine Last auf die Schultern zu legen, sondern auch den Unterhaltungswert nicht außen vor zu lassen. Patrick Ness schafft es mit seiner stilsicheren und einfachen Sprache, sowohl jugendliche als auch erwachsene Leser in vollem Maße anzusprechen und dabei sämtliche Charaktere und Ereignisse so lebensecht wie nur irgendmöglich darzustellen. Wie viel hiervon den eigenen Erfahrungen und Eindrücken von Siobhan Dowd zuzuschreiben ist, kann wahrscheinlich keiner zu hundert Prozent beantworten. Fakt ist jedoch, dass dieses Buch anders ist als andere zum Thema. Es hebt sich ab, nicht nur durch seine Vorgeschichte und das Zusammenspiel dreier verschiedener Menschen, sondern auch durch seine Umsetzung und die nachwirkende Tiefe.

Trotz der noch auffallend zahlreichen in der vorab zur Rezension zur Verfügung gestellten Druckfahne vorhandenen Fehler und Anmerkungen des Verlages versteht bereits das noch unfertige Buch es hervorragend, den Leser auf vielerlei Art in seinen Bann zu ziehen. Völlig egal, ob in der düsteren Jugendbuchausgabe von cbj oder in der so gegenteilig hellen Erwachsenenausgabe des Goldmann-Verlages: Dieses Buch ist in jedem Fall ein Gewinn für jedes Bücherregal und sollte nicht nur von Betroffenen gelesen werden.


Fazit:

Sieben Minuten nach Mitternacht ist eine wundervolle Zusammenarbeit zweier Autoren und eines Illustrators, die einfühlsam mit dem Thema Krebs und dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen weiß. Die einnehmende Grundidee von Siobhan Dowd findet in der mitreißenden Umsetzung durch Patrick Ness und den beängstigenden Illustrationen von Jim Kay ein wohlbehütetes Zuhause, das als Gesamtpaket nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen durchaus ans Herz gelegt wird. Eine Geschichte vom Loslassen und Festhalten, die nahe geht und lange nachwirkt.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5

Loewe Verlag, 1. Auflage Juni 2011
Originaltitel: Kissed by an Angel
Aus dem Amerikanischen von Claudia Max
Klappenbroschur, 256 Seiten
€ 12,00 (D) | € 12,40 (A)
ISBN: 978-3-78557-360-0
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy


Klappentext:

Die Liebe hat ihr die Freude am Leben,
das Lachen und das Glück wiedergeschenkt.

Der Tod hat ihr diese Liebe genommen,
hat ihr Tristan genommen,
gerade als ihr gemeinsames Leben so richtig beginnen sollte.

Doch wahre Liebe überwindet alles,
sogar den Tod –
sogar die Pläne eines brutalen Mörders …


Rezension:

Im Alter von vier Jahren hatte Ivy ein traumatisches Erlebnis, seit dem sie Angst vor Wasser hat und geradezu in Panik verfällt, wenn es darum geht, hinein zu springen oder weiter als bis zur Hüfte rein zu gehen. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihr damals ein Engel zur Seite stand, und glaubt seitdem ebenfalls voller Überzeugung an die Existenz von Engeln. Ihre Sammlung aus Porzellanengeln umfasst fünfzehn kleine Figuren, die sie wie ihren Augapfel hütet. Nur ihr kleiner Bruder darf sie anfassen. Nach einem Schulwechsel lernt sie – erstmal nur von Ferne – das Schwimmtalent Tristan kennen, der klares Interesse an ihr zeigt und sie schließlich zum Schwimmunterricht überreden kann. Und tatsächlich findet Ivy Gefallen am Schwimmen und auch immer mehr an Tristan – eine zarte Liebesgeschichte entsteht. Doch nach einem romantischen Date kommt es zu einem verheerenden Autounfall, bei dem Tristan stirbt, und plötzlich ist in Ivys Leben nichts mehr, wie es sein sollte. Tristans Tod nimmt ihr nicht nur die Lebensfreude, sondern auch den Glauben an ihre Engel – und das ist so ziemlich das Schlimmste, was beiden passieren kann.

Elizabeth Chandler greift wie viele andere AutorInnen ebenfalls das Trendthema Engel auf und verbindet es mit jugendlichen Charakteren zu einem Konzept, das grundsätzlich einfach klappen muss. Und grundsätzlich tut es das auch, denn Kissed by an Angel liefert als Trilogie-Start durchaus interessante Komponenten, die zwar alle irgendwie schon mal da waren und nicht wirklich innovativ sind, jedoch in ihrem Zusammenspiel durch Frische überzeugen können. Dass die Autorin den Leser dabei im ersten Band noch nicht tief in die Geschichte eintauchen lässt, sondern sich viel mit Geplänkel und Zeitschinderei durch Wiederholungen von Szenen aufhält, wirft allerdings ein negatives Licht auf die netten Grundideen. So wird dem Leser zum Beispiel bereits im Klappentext verraten, dass Tristan ums Leben kommen wird, im Buch selbst kommt man jedoch erst nach der Hälfte tatsächlich auch bei diesem Unfall an – vorher gibt es jede Menge Unsicherheit, Geschwafel und derlei Momente, in denen man beide Protagonisten packen und schütteln möchte, da ihre Zuneigung so offensichtlich ist, dass sie fast schon wieder nervt, weil sie nicht zueinander kommen.
Und während die Story selbst locker vor sich hinplätschert, versuchen die Charaktere mitunter durch ihre schlimmen Lebenserfahrungen trotz des jungen Alters, etwas mehr Tiefgang einzubringen. Was nur bedingt funktioniert, denn all die Schicksale und Zufälle auf einem Haufen sind letzten Endes dann doch ein ganz kleines bisschen zu viel. So hat sich die Mutter des einen Charakters umgebracht, der Vater eines anderen ist gestorben und irgendwie finden ausgerechnet diese beiden Familien zueinander – ehrlich, man kann es auch übertreiben. Die geballte Ladung an Negativität lässt Kissed by an Angel sehr viel düsterer wirken, als die Geschichte letztendlich tatsächlich ist und wohl auch sein soll.

Etwas zwiespältig bleibt der Leser auch auf Grund der optischen Gestaltung des Buches. Passend zum Thema sind auf dem Cover die Schatten von Federn zu erkennen, allerdings stören die beiden unterschiedlichen Schriftarten doch sehr: beide für sich sind schön anzuschauen, sodass sie sich durch das Miteinander eher gegenseitig aus- als den Leser bestechen. Und auch der starre Blick des abgebildeten Gesichtes berührt eher unangenehm – nicht nur weil (Frauen-)Gesichter aktuell offenbar Standard in der Jugendliteratur sind. Ein Lob hingegen muss unbedingt für die Kapitelanfänge und den Aufdruck am längsseitigen Schnitt ausgesprochen werden. Letzteres kommt nur selten vor und ist eine wirklich ansehnliche Idee; man kommt tatsächlich ins Grübeln, in welche Richtung zeigend man das Buch ins Regal stellen soll.

Wirft man einen Blick auf das Gesamtpaket, weist der Trilogie-Start von Elizabeth Chandler noch zahlreiche Schwächen auf, die sich mit dem erkennbaren Potential die Waage halten. Es bleibt also abzuwarten, ob die Charaktere und auch die Geschichte sich in beiden Folgebänden weiterentwickeln können und der Leser doch noch mitgerissen wird.


Fazit:

Der erste Teil der Trilogie um Ivy und Tristan Kissed by an Angel bietet noch nicht besonders viel, um den Leser von sich zu überzeugen. Langes Vorhergeplänkel und das durch den Klappentext vorweg genommene „Geheimnis“ lassen die Geschichte nur langsam anlaufen, aber auch darauf hoffen, dass die beiden Folgebände mehr zu bieten haben. Ein flüssiger Sprachstil macht das Debüt von Elizabeth Chandler zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, von dem zwar nicht unbedingt viel hängen bleibt, das jedoch auch Lust auf die Folgeromane macht.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

cbj audio, 1. Auflage März 2011
Gekürzte Lesung
Gesprochen von Yvonne Catterfeld
Originalverlag: S. Fischer
5 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 310 Minuten
€ 16,99 [D] | € 16,99 [A] | CHF 28,50
ISBN: 978-3-8371-0849-1

Genre: Belletristik-Hörbuch


Klappentext:

Folge deinem Traum!

Angelia hat einen Traum. Sie will unbedingt als Sängerin den Durchbruch schaffen. Und sie ist fest davon überzeugt: Nur wer träumt, der lebt! Um ihren Traum wahrzumachen, geht sie nach London. Dort erlebt sie mit dem ungleichen Brüderpaar Josh und Jeremy Licht und Schatten von Freundschaft und Liebe. Angelia geht durch Glück und Enttäuschung, muss sich ihrer Vergangenheit stellen – und bleibt doch immer auf dem Weg, den ihr Traum ihr zeigt …


Rezension:

Als ihr Vater seinem Krebsleiden erliegt und ihre Mutter viel zu schnell wieder zum Alltag zurückkehrt, beschließt Jana, ihr Leben zu ändern. Mehrere Wochen gibt sie sich der Trauer hin und nutzt diese Zeit zum Nachdenken, bis sie schließlich den Entschluss fasst, nicht länger den von ihrer Mutter gern gesehenen Weg zu gehen, sondern ihre eigenen Ziele zu verfolgen und ihren Traum vom Musikgeschäft wahr werden zu lassen. Welche Stadt käme dafür mehr in Frage als London, wo ihr Vater aufgewachsen ist? Er war es schließlich, der ihr alles, was sie über Musik und das Gefühl dafür wissen muss, beigebracht hat. Er war nicht nur ihr Vater, sondern auch ihr Mentor und ihr bester Freund. Seit seinem Tod ist Janas Welt nicht mehr rund, nicht mehr vollständig und für sie gibt es nur einen Weg, sich wieder wirklich lebendig fühlen zu können: Die Erfüllung ihres Traumes. Und sie ist sich sicher, dass ihr Vater diese Entscheidung in jedem Punkt gut heißen würde, also tritt sie nach recht kurzer Vorbereitungszeit die Reise nach London an, um dort ihr Leben endlich eigenständig in Angriff zu nehmen. Der erste Schritt hierzu ist die Ingebrauchnahme ihres zweiten Vornamens, den ihr Vater ihr direkt nach der Geburt gegeben hat: Angelia.

In London angekommen macht Angelia sich auf die Suche nach ihrer neuen Unterkunft und gerät sofort mit Jeremy aneinander, der mit ihrem Einzug in das alte Haus seiner Tante gar nicht einverstanden ist. Doch sein Bruder Josh hat Angelias Einzug bereits beschlossen, sodass Jeremy nicht viel übrig bleibt, als sich seinem Schicksal zu fügen und seine neue Mitbewohnerin zu akzeptieren. In Josh findet Angelia einen Seelenverwandten, während Jeremy immer abweisend bleibt – ein ungleiches Geschwister-Paar, das jedoch auf seine ganz eigene Art Reiz auf Angel ausübt. Schnell kommt sie jedoch dahinter, dass beide Brüder ihre Geheimnisse haben – und nicht nur das. Sie stellt auch fest, dass ihr Vorhaben, weshalb sie nach London gekommen ist, sich gar nicht so einfach umsetzen lässt. Und so gestaltet sich ihr neues Leben sehr vielseitig, mal anstrengend und frustrierend, mal erheiternd und federleicht – jedoch immer lebenswert und sie lernt nicht nur viel über sich selbst, sondern erfährt auch eine Menge über ihren Vater, über Freundschaft und was es bedeutet, wirklich zu lieben.

Das Lied der Träumerin konnte bereits als Roman in gebundener Form, erschienen beim Fischer Jugendbuch Verlag, in seinen Bann ziehen. Nur selten beeindruckt ein Buch mit einer solchen Macht, dass man über seinen Schatten springt und auch dem eigentlich eher abneigungswürdigem Genre des Hörbuchs eine Chance gibt. Im Fall des vorliegenden Hörbuchs ist dieser Schritt ein vielfältig lohnenswerter, denn neben der – zwar leicht gekürzten, jedoch nicht weniger wirkungsvollen – Geschichte von Angelia, ihrem Lebenstraum und dem steinigen Weg dorthin erwarten den Hörer auch noch einige von der Autorin geschriebene und selbst eingesungene Lieder, die schon als Liedtexte im Roman eingeflochten eine besondere Wirkung hatten. Nun bekommen diese Texte eine Stimme und schnell wird klar, dass sich Tanya Stewner, sollte es mit dem Schreiben irgendwann einmal nicht mehr klappen, getrost auf eine zweite Karriere als Musikerin und Sängerin einlassen kann – ganz wie ihre Protagonistin Angelia.

Doch nicht nur die Stimme der Autorin versteht überraschend zu überzeugen, auch die Wahl der Sprecherin scheint wohlüberlegt zu sein. Die klare und sanfte, in den richtigen Szenen aber auch harte und laute Stimme von Yvonne Catterfeld – bekannt geworden vor allem durch ihre Zeit in der DailySoap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und diverse Charthits – lädt passend zur Geschichte ebenfalls zum Träumen ein, was beim Anhören besonders leicht fällt, da man sich – wenn gewollt – bereits von Anfang an gemütlich zurücklehnen und Angelias Weg einfach auf sich wirken lassen kann.

Als Gesamtpaket besticht die Hörbuch-Fassung vom Lied der Träumerin mindestens genauso gut wie die Roman-Ausgabe. Hörbuch-Skeptikern ist mit dieser Geschichte die Möglichkeit gegeben, ein in jeder Hinsicht nicht allzu anstrengendes Buch aus sich wirken lassen zu können, und sie funktioniert. Aufgeschlossener nicht nur den eigenen Träumen und Zielen, sondern auch anderen Hörbüchern gegenüber ist die Rezensentin nach dem Hören zufrieden. Ein erneutes Eintauchen in die Geschichte eines jungen Mädchens, das auszog, um sich von den Fesseln ihrer Mutter loszumachen und ihren Traum zu verwirklichen, war lohnenswert – und wird es wahrscheinlich immer wieder sein.


Fazit:

Auch als Hörbuch kann Das Lied der Träumerin vollends überzeugen. Angelias Geschichte, die schon beim Lesen ein Gänsehautgefühl ausgelöst hat, bekommt durch die Stimme der bekannten deutschen Sängerin Yvonne Catterfeld eine neue Intensität. In Kombination dürften Roman und Hörbuch das perfekte Geschenk für jede Träumer-Seele sein und gerade für Hörbuch-Neueinsteiger ist dieses hervorragend geeignet.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Hörspaß: 4,5/5
Sprecherin: 5/5
Lieder: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Rezension des Romans

cbt, 1. Auflage April 2011
Originaltitel: Embrace # 1
Aus dem Englischen von Sonja Häußler
Taschenbuch, 480 Seiten
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-570-38011-6
Leseprobe

Genre: jugendliche Dark-Fantasy


Klappentext:

An Violet Edens 17. Geburtstag gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie erhält einen Brief ihrer verstorbenen Mutter und erfährt: Sie ist eine Grigori, ein Wächter-Engel – genau wie der unglaublich attraktive, nur leider so unnahbare Lincoln, für den sie schwärmt. Mit siebzehn erwachen ihre Fähigkeiten und rufen gefährliche Gegner auf den Plan. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie ihre Gabe annimmt in einer Welt, in der Engel des Lichts und Engel der Finsternis einen schrecklichen Kampf führen …

Romantisch. Dramatisch. Atemberaubend.


Rezension:

Violet ist ein normales Mädchen mit normalen Alltagsproblemchen. Ihr Vater arbeitet viel und ist kaum Zuhause, ihre Mutter starb bei ihrer Geburt. So hat Vi viel Zeit für ihre beste Freundin und das Training mit Lincoln, in den sie schon lange heimlich verliebt ist, der jedoch nichts von ihren Gefühlen zu ahnen scheint. Zu Violets siebzehnten Geburtstag bestellt ihr Vater sie in sein Büro, wo er ihr ein geheimnisvoll wirkendes Holzkästchen und einen versiegelten Brief überreicht – das Erbe ihrer Mutter, die lange vor ihrem Tod wusste, was mit dem siebzehnten Lebensjahr auf ihre Tochter zukommen würde. Denn Violet trägt wie ihre Mutter das Blut der Grigori in sich und ist dazu bestimmt, die gefallenen Engel des Lichts und der Finsternis auf den richtigen Weg und schließlich zurück ins Himmelreich zu bringen. Doch diese Neuigkeit soll nicht die einzige bleiben, mit der die Teenagerin ab diesem Tag klarkommen muss – denn noch mehr Geheimnisse kommen ans Licht und ziehen Violet immer tiefer zwischen die Fronten, ob sie nun will oder nicht. Und Lincoln wird nicht der Einzige bleiben, der sie auf diese ganz bestimmte Art anzieht …

Ein junges Mädchen, das seine wahre Bestimmung erfährt, in einen Krieg hineingezogen wird und zwischen zwei Männern steht – der Stoff, aus dem die Jugendliteratur der Dark Fantasy ist. Und tatsächlich scheint auf den ersten Blick auch Erwacht zu den typischen Klischee-Geschichten zu gehören, doch der Leser wird mit fortschreitender Seitenanzahl eines Besseren belehrt. Wirklich innovativ ist Violets Geschichte dabei zwar nicht, doch irgendwie hat dieses Buch etwas, das man bei anderen Romanzen dieser Art noch nicht entdeckt hat. Was genau, kann hier leider nicht in Worte gefasst werden, schließlich soll der Leser sich ja selbst ein Bild vom vorliegenden Roman machen. Für Freunde der paranormalen Literatur ist der Auftakt der Trilogie um die Wächter-Engel eine wahre Fundgrube und gerade Jugendliche dürften sich hervorragend unterhalten wissen. Der Zielgruppe entsprechend ausgerichtet ist die Sprache leicht zu lesen und leicht zu verstehen, sodass es für Erwachsene so manches Mal eventuell an Spannung fehlen könnte.

Dass es hier und da ein wenig holpert, ist gar nicht schlimm und kann durchaus als Debüt-krankheit abgetan werden. Zwar gibt sich Violet viel zu schnell mit ihrem neuen Leben zufrieden – jedem anderen hätte diese Entdeckung wahrscheinlich mehr Angst gemacht – , doch sie schafft es erstaunlich gut, mit der ganzen Wächter-Engel-Situation umzugehen. Ihre Freundschaft zu Lincoln wird hier auf eine harte Probe gestellt und mehr als einmal sieht es stark danach aus, als wäre sie zum Scheitern verurteilt. Jessica Shirvington versteht es hier sehr gut, den emotionalen Zwiespalt von Violett darzustellen, wobei nicht immer dieser andere Junge – Phoenix – für diese Verwirrtheit verantwortlich ist. Vieles liegt auch in der Vergangenheit begraben und kommt nur langsam ans Licht. Violet muss ihr Erbe als Grigori offiziell anerkennen und dies bedeutet einen einsamen und anstrengenden Weg, der Gefahren birgt und sie vor neue Herausforderungen stellt. Am Ende der anschaulich beschriebenen Reise, die einen der besten Teile des Romans darstellt, warten jedoch schon neue Aufgaben auf sie und sie muss schnellstens herausfinden, wem sie vertrauen kann. Die verschiedenen Charaktere, die insgesamt zum Einsatz kommen, dürfen sich im Folgeband hoffentlich auf längeres Mitspielen freuen, sehr gerne auch mit mehr Ecken und Kanten, denn mitunter sind die Protagonisten doch sehr glatt anzusehen.

Das Debüt von Jessica Shirvington hat noch einige Macken, die es in den Folgebänden glatt zu bügeln gilt. Trotzdem versprechen die Grundidee und der erste Band der voraussichtlichen Trilogie um die Wächter-Engel zumindest zeitweise gute Unterhaltung und einen spannenden Zeitvertreib. Verlockt steht schon jetzt auf der Leseliste für das kommende Jahr.


Fazit:

Ein anschauliches Debüt und ein Trilogie-Auftakt, der sich trotz kleiner Schwächen durchaus sehen lassen kann – Erwacht liefert Einblicke und einen guten Einstieg in das Leben und die Geschichte von Violet und den anderen Grigori. Der Fortsetzung Verlockt wird nun sehnsüchtig entgegen geblickt, um hoffentlich den Erwartungen des angefütterten Lesers gerecht zu werden.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Fischer Jugendbuch, 1. Auflage Juni 2011
Originaltitel: The Poison Diaries
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
Nach einer Idee der Herzogin von Northumberland
HC mit SU, 272 Seiten
€ (D) 14,95 | € (A) 15,40 | SFR 26,90
ISBN: 978-3-8414-2124-1

Genre: Jugendbelletristik mit historischem Hintergrund und phantastischen Elementen


Über das Buch:

Die Poison Diaries – der Beginn einer lebensgefährlichen Liebe

Um 1800: Jessamine lebt mit ihrem Vater in einer verlassenen Kapelle im Norden Englands. Sie führen ein stilles, von Jahreszeiten geprägtes Leben. Jessamines Vater ist Botaniker, seine Leidenschaft sind Heil- und Giftpflanzen. In einem verborgenen Giftgarten züchtet er mächtige tödliche Gewächse, sorgsam darauf bedacht, seine Tochter von der Gefahr fernzuhalten. Als eines Tages Weed auftaucht, ein rätselhafter Fremder mit absinthgrünen Augen, verfällt Jessmine ihm sofort. Doch kaum haben die beiden zueinander gefunden, wird das Mädchen sterbenskrank. Was ist Weeds dunkles Geheimnis? Ist er ihre Rettung oder bringt er den Tod?

Eine Geschichte, so geheimnisvoll wie die unergründliche Welt der Pflanzen. Denn ob Belladonna heilt oder tötet, darüber entscheidet am Ende die Liebe …


Rezension:

Jessamine und ihr Vater leben weitab anderer Siedlungen. Seit dem Tod der Mutter ist das junge Mädchen diejenige, die sich um den Haushalt kümmert, während der Vater mit Hilfe der Kräuter und Pflanzen seines Gartens des Öfteren als eine Art Heiler unterwegs ist und bei den meisten Menschen nur als der Apotheker bekannt war. Die Tage sind recht eintönig, da das Leben auf dem alten Gelände eines ehemaligen Mönchklosters nicht viel Abwechslung zu bieten hat. Einzig der geheime Giftgarten ihres Vaters, in dem er Giftpflanzen aus aller Welt anbaut, übt eine gewisse Anziehungskraft auf Jessamine aus, doch das Betreten desselben ist ihr strengstens verboten. Obwohl nicht zufrieden mit dieser Einschränkung, ist Jessamine wohlerzogen genug, um ihrem Vater zu gehorchen und sich nur um die Dinge zu kümmern, die ihr aufgetragen werden. Als eines Tages der Inhaber einer Irrenanstalt vorbei reitet und ihnen den Jungen Weed quasi vor die Füße wirft, kommt endlich etwas Bewegung in den trägen und einsamen Alltag, der Jessamines Leben beherrscht. Denn Weed umgibt ein Geheimnis und seine nicht zu übersehende Angst vor dem Giftgarten stellt Jessamine vor ein zusätzliches Rätsel. Doch nicht nur diese beiden Punkte gilt es zu entschlüsseln – auch die erwachenden Gefühle, die sie für Weed entwickelt, sind neu und unbekannt. Das Glück soll nicht lange anhalten und schließlich steht Weed vor einer schweren Entscheidung und einer harten Probe.

Ein sofort ins Auge stechendes Cover und ein vielversprechender Klappentext laden sofort dazu ein, zum ersten Band der Poison Diaries zu greifen. Und auch die ersten Seiten der Geschichte verschaffen dem Leser das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und ein Mal mehr gute Unterhaltung im Bücherregal gefunden zu haben. Leider lässt dieses Hochgefühl recht schnell nach, denn obwohl Maryrose Wood tatsächlich erzählerisches Talent aufweist, wird das detailreiche Beschreiben von Hausarbeit und Pflanzenwachstum schnell langweilig und eintönig – ganz so wie das Leben, das Jessamine vor Weeds Auftauchen führt. Botaniker finden in den langen Ausschweifungen in die Pflanzenwelt sicher ihren Reiz, doch für Leser, die nicht viel für die Ausführlichkeit von Anbau übrig haben, sind diese Passagen eher lästig und sehr zäh. Dabei hat sich die Autorin wirklich Mühe bei der Ausarbeitung dieser Details gegeben, es jedoch doch ein wenig übertrieben – in diesem Fall wäre weniger definitiv mehr gewesen. Während die Geschichte daher größtenteils eher dahinplätschert und kaum mit Höhepunkten aufwarten kann, bündelt sich die meiste Spannung am Ende des Buches, als Jessamine erkrankt und Weed scheinbar die einzige Rettung für sie darstellt. Leider ist auch hier der eine oder andere Schwachpunkt zu erkennen, denn Maryrose Wood lässt sehr plötzlich Fantasy-Elemente in die Geschichte einfließen, die bis hierhin auch wunderbar ohne funktioniert hat.

Die Atmosphäre betreffend schafft die Autorin es mit den Poison Diaries recht gut, den Leser in die Zeit um 1800 zu entführen. Die Abgeschiedenheit und auch die Art des Umgangs miteinander lässt die historischen Grundgedanken aufleben und auch Menschen, die mit historischer Literatur eher wenig anfangen können, gewinnen einen leichten Eindruck der damaligen Zeit, ohne dass es überladen ist. Ebenfalls angepasst ist die Sprache, die Maryrose Wood für ihre Geschichte verwendet. Zusammen mit der wunderschönen optischen Aufmachung gewinnt das Buch dadurch einige Pluspunkte, die den mangelnden Inhalt zumindest ein stück weit ausgleichen können. Trotzdem wird den folgenden Poison Diaries, die ohne Zweifel kommen werden, wahrscheinlich eher mit Skepsis entgegen geblickt werden – das offene Ende bietet einen nicht unbedingt zwangsläufigen Cliffhanger, aber die Möglichkeit, dass die Geschichte sich weiterentwickelt und Schwachstellen in Angriff nimmt und ausmerzt.


Fazit:

Die wunderschöne Optik der Poison Diaries kann leider nicht über den nur mittelmäßigen und nur wenig anspruchsvollen Inhalt hinwegtrösten. Den Folgebänden steht ein hartes Stück Arbeit bevor, wenn sie den Leser überzeugen und mitreißen wollen.


Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 2,5/5
Optische Aufmachung: 5/5
Preis/Leistung: 3/5

cbt, 1. Auflage Mai 2011
Originaltitel: Captivate
Aus dem Amerikanischen von Ute Mihr
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 24,90
ISBN: 978-3-570-16112-8
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy


Klappentext:

Unsere Blicke begegnen sich. Seine Augen sind unergründlich, fast hypnotisierend.
«Was mit dir los ist?», fragt er. «Ich glaube, etwas in meinem Blut fodert etwas in dir heraus. Wir ziehen einander an.»
Ich schüttele den Kopf. «Ich fühle mich nicht zu dir hingezogen. Ich liebe Nick.»
Sein Mund verzieht sich wieder zu diesem Lächeln und sein Gesicht sieht fast glücklich aus, wenigstens nicht mehr so traurig. «Ich verspreche dir, dass ich dich nur küsse, wenn du es selbst willst.»

Zara begegnet Astley mit gesundem Misstrauen. Schließlich haben er und seinesgleichen viel Unheil nach Maine gebracht. Doch als Zaras Freund Nick in tödliche Gefahr gerät, muss sie neue Bündnisse schließen und sich einer ungeahnten Herausforderung stellen …


Rezension:

Nach den turbulenten Ereignissen in Flüsterndes Gold kommen Zara und ihre Freunde auch im Nachfolgeband nicht zur Ruhe. Immer wieder gehen sie auf Patrouille und fangen Elfen, um sie im mit Eisen jeder Art präparierten Haus einzusperren. Doch nicht nur die Elfen ihres Vaters machen Zara das Leben weiterhin schwer, sondern auch von der Führerlosigkeit des Territoriums angelockte, mitunter sehr viel gefährlichere Elfen treten ins Bild und wollen die Macht an sich reißen. Als die eingesperrten Elfen befreit und auf die Stadt losgelassen werden, kommt es zu schlimmen Überfällen auf die normalen Bewohner, und bei dem Versuch, ihnen Einhalt zu gebieten, wird Nick – Zaras große Liebe – tödlich verwundet und von einer Walküre ins Walhalla gebracht. Um ihn möglicherweise retten zu können, muss Zara sich endlich ihrem Elfenblut stellen und der Wahrheit ins Gesicht sehen: Sie ist dazu bestimmt, die Braut eines Elfenkönigs zu werden. Blöd nur, dass nun gleich zwei dieser Art um ihre Aufmerksamkeit und die damit verbundene Macht buhlen – doch wem kann Zara noch trauen, wenn sie schon sich selbst und ihrer wahren Natur gegenüber kaum noch Vertrauen hat? Und was hat es mit dieser unerklärlichen Anziehungskraft auf sich, die der junge Elfenkönig Astley auf sie hat?

Auch der zweite Band um die junge Halbelfe Zara und ihre Freunde verspricht eine interessante Geschichte. Doch auch in Finsteres Gold wird dieses Versprechen erneut gebrochen, denn obwohl die Handlung ein wenig mehr Inhalt und mehr Abwechslung hat, schafft die offenbar überaus cholerische Protagonistin es auf erstaunliche Weise, jede leicht an der Oberfläche brodelne Begeisterung nahezu im Keim zu ersticken. Während man bei Flüsterndes Gold noch die Debüt-Ausrede vorhalten konnte, gehen beim vorliegenden Nachfolger langsam, aber sicher die Argumente aus, warum man die Serie weiter verfolgen sollte. Selbst die in Band 1 sympathischen Charaktere verkommen im zweiten Teil zu immer unangenehmeren Zeitgenossen. Während Iz und Dev anfangs zumindest erwachsene Züge vorweisen konnten, stoßen sie mit fortschreitender Seitenzahl auf immer mehr Unverständnis beim Leser. Und auch die zarten Bande zwischen Zara und Nick werden durch überzogene Beschreibungen und ständiges „Baby“-Genenne eher durch den Kakao gezogen, als dass man sie als angenehme Nebenstory ansehen könnte.
Sehr überzeugend ist jedoch der neue Protagonist Astley, der entgegen aller bisherigen Darstellungen endlich einmal ein eher positives Bild von den Elfen vermittelt – er ist zuvorkommend und zurückhaltend und macht sich mehrfach Sorgen um Zara, auch wenn er natürlich ganz eigene Absichten verfolgt. Als Leser hat man jedoch nie den Eindruck, dass die Ziele für ihn im Vordergrund stehen, vielmehr scheint da echtes Interesse an Zara selbst zu bestehen. Und auch die Walküre, die zwar nur kleine Nebenauftritte vorweisen kann, ist auf ihre ganz spezielle, nicht hundertprozentig ins Buch passende Art eine willkommene und erfrischende Abwechslung im eher mittelmäßigen und langweiligen Schwarz-Weiß-Gezeichne der Autorin. Weitere neu ins Geschehen eintretende Charaktere verschaffen vielleicht keinen tatsächlich verbessernden Einschnitt, liefern aber wenigstens etwas Abwechslung und durchaus auch amüsante Szenen – ein bisschen gesunde Eifersucht schadet nie, und wenn die Damen und Herren das kindliche Gehabe ablegen würden, hätte es sicherlich zu interessanten Disputen kommen können.

Was am Ende übrig bleibt, ist erneut ein fader Nachgeschmack, denn man fragt sich schon, ob Carrie Jones diese Chance verdient hat oder man sich die Zeit nicht besser für ein gutes Buch hätte aufsparen sollen. Leider weiß man solche Dinge immer erst nach dem Lesen. Finsteres Gold hat sicherlich einen schweren Start, denn die Enttäuschung nach dem Lesen des Vorbandes macht es dem Leser schwer, sich ohne Vorurteil an den zweiten Band um Zara und Co. zu wagen. Vorbehalte werden leider ziemlich schnell bestätigt und Fehler sowie Übertreibungen fallen besonders negativ auf. Ob die Autorin in der Lage ist, das Ruder im Laufe der weiterführenden Bände tatsächlich rumzureißen, ist zweifelhaft – gute Fantasy sieht leider anders aus, und Carrie Jones wird weiterhin hart an sich und ihrer Story arbeiten müssen.


Fazit:

Nur minimal mehr als sein Vorgänger kann Finsteres Gold überzeugen. Noch immer ist Zara unsympathisch und völlig überzogen, während die meisten der übrigen Charaktere leider nachziehen, noch immer lässt der Handlungsrahmen zu viel Luft zum Abschweifen, noch immer bleibt der Leser unzufrieden zurück. Eine leichte Steigerung ist zwar erkennbar, doch eine wirkliche Verbesserung ist leider nur in wenigen Punkten vorhanden.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 2,5/5


Jones, Carrie: Flüsterndes Gold

Arena-Verlag, 1. Auflage Februar 2011
Originaltitel: Please ignore Vera Dietz
Aus dem Amerikanischen von Katharina Bendixen
HC mit LB, 392 Seiten
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-401-06644-8
Leseprobe

Genre: Jugendbelletristik


Klappentext:

Kann man vergessen, was war?
Muss man verzeihen, um den anderen zu retten?
Wie viel Mut braucht die Wahrheit?

Vera hasst Charlie. Aus tiefstem Herzen. Obwohl er einmal ihr bester Freund war, für den sie alles getan hätte. Obwohl sie seine dunkelsten Geheimnisse kannte. Obwohl sie ihn so geliebt hat. Und doch ist sie die Einzige, die weiß, was in jener Nacht wirklich geschah. Der Nacht, in der Charlie starb.

Erschütternd und berührend:
Ein Roman, der einem das Herz bricht und den man nicht mehr aus der Hand legen kann.


Rezension:

Vera und Charlie sind von klein auf die besten Freunde. Schon immer bietet das eher stille Mädchen dem aufgeweckten und neugierigen Jungen ein Schlupfloch, wenn im Haus seiner Eltern mal wieder die Fetzen fliegen. Worüber selbstverständlich niemand spricht, obwohl alle aus der Nachbarschaft Bescheid wissen. Für beide ist der jeweils andere lange Zeit die Hauptbezugsperson unter den Gleichaltrigen, bis schließlich der Tag kommt, an dem Charlie neue und vor allem andere Freunde findet. Der Tag, ab dem Vera immer unwichtiger zu werden scheint und die gemeinsamen Interessen Charlie plötzlich langweilig erscheinen. Nun ist Charlie tot und Vera kann nicht aufhören, ihn für das zu hassen, was er ihr in den letzten Jahren angetan hat und seine Freunde ihr hat antun lassen, ohne ein Wort zu sagen oder ihnen Einhalt zu gebieten. Für Vera stellt der doppelte Verlust Charlies eine große Herausforderung dar – und nicht nur dieser. Denn Vera steht vor der Entscheidung, was sie mit ihrem Leben anfangen will, und wie bei den meisten Jugendlichen sehen ihre eigenen Vorstellungen schon immer so ganz anders aus als die ihres Vaters.

Was genau zu dem Bruch zwischen den beiden sich eigentlich so ähnlichen Jugendlichen führte und warum Vera nicht in der Lage ist, loszulassen und Charlie zu verzeihen, das ist die Geschichte, die in Please don’t hate me erzählt wird. Besonders dabei ist, dass nicht nur Vera als Protagonistin zu Wort kommt, sondern auch ihr Vater und der verstorbene Charlie selbst ihre eigenen kleinen Kapitel bekommen. Dadurch erhält der Leser tolle Einblicke und kann die Hintergründe besser nachvollziehen. Charlies Tod wird Stück für Stück in Rückblenden, die zwischen aktuelle Geschehen und Gedankengänge geschoben werden, erklärt und auch die Wege, die dorthin führten, und was sonst noch durch die Verkettung zahlreicher Umstände ausgelöst wurde, findet seinen Platz in A. S. Kings Roman.

Obwohl keine Liebesgeschichte im eigentlichen Sinn, erfährt der Leser doch viel über die Gefühlswelt der beiden Hauptpersonen – Emotionen füreinander, aber auch ganz eigene Gedanken, die ihren Weg an die Oberfläche finden wollen und müssen. Erstaunlich, mit welcher Kraft hier die Worte zum Leben erweckt werden und wie tief sie unter die Haut dringen können. Tatsächlich wird der Leser von Veras Reflexionen berührt, und auch die Wortmeldungen der anderen Protagonisten (und Orte, doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden) erfassen den Leser auf eine besondere Art. Auch aus sprachlicher Sicht findet man sich gut zurecht und verliert sich des Öfteren in kleinen, aber sehr schönen Wort-Gedanken-Spielereien, die zum Zurücklehnen einladen. Passend zum Alter der Protagonisten bewegt sich auch der Sprachstil auf einem leicht verständlichen, aber nicht zu einfachen Niveau, sondern fordert zumindest stellenweise gerne auch mal heraus.

Ein Buch über Freundschaft und deren Verlust, über Träume und den Wandel derselben, über unterschiedliche Ansichten und wie man trotzdem zueinander finden kann – Please don’t hate me gehört in die Sparte der Jugendliteratur, die nachdenklich macht und zu unterhalten versteht. In keinem Moment fühlt der Leser sich gelangweilt oder überfordert und doch gibt es Augenblicke, in denen das Buch aus der Hand gelegt werden und nachwirken muss – nur um dann so schnell wie möglich wieder ergriffen und weitergelesen zu werden.


Fazit:

Mit Please don’t hate me liegt ein beeindruckender Jugendroman vor, der nicht nur Tiefgang aufweisen kann, sondern auch ein wichtiges Zeugnis über die Bedeutung von Freundschaft und Familie darstellt. A. S. King greift wichtige Themen auf und zeigt, dass es immer verschiedene Wege für den Umgang mit schwierigen Situationen gibt.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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