Knaur, 1. Auflage Mai 2011
Originaltitel: I Can See You
Aus dem Amerikanischen von Kerstin Winter
Klappenbroschur, 656 Seiten
EUR (D) 14,99 | (A) 15,50 €
ISBN: 978-3-426-66357-8
Leseprobe

Genre: Lady-Thriller


Klappentext:

Die Angst der Frauen ist sein Aphrodisiakum.
Ihre Qualen seine Ekstase.
Ein berauschender Moment!
Jetzt endlich ist die Zeit gekommen für sein Meisterstück.

Eve Wilson hat die Hölle auf Erden erlebt. Nach einem Mordanschlag ist sie für immer gezeichnet. Dennoch versucht sie sich eine neue Existenz aufzubauen. Sie studiert Psychologie und leitet ein Forschungsprojekt. Als jedoch sechs ihrer Testpersonen auf grausame Weise ums Leben kommen, hat Eve ein schockierendes Déjà-vu. Steht sie erneut auf der Liste eines psychopathischen Killers? Ein Fall für Detective Noah Webster, der die schöne und verletzliche Eve um jeden Preis schützen will …


Rezension:

Die Arbeit im Sal’s ist für Eve Wilson eigentlich nur ein Nebenjob, mit dem sie sich ihr Studium finanziert. Dass diese Bar die Stammkneipe nahezu aller Polizisten aus dem städtischen Hat Squad darstellt, gibt ihr zusätzliche Sicherheit – denn in ihrer Vergangenheit hat sie schon einiges durchgemacht, sodass ihr der normale Umgang mit anderen Menschen nicht gerade leicht fällt. Trotz mehrerer Operationen wird sie für immer gut sichtbare Narben im Gesicht und am Hals tragen und so bei jedem Blick in den Spiegel an ihren persönlichen Alptraum erinnert werden. Aus ihrer Erfahrung rührt auch die Skepsis Männern gegenüber her, denn neben den sichtbaren Hinterlassenschaften ihres damaligen Peinigers tragen ihr Körper und ihre Seele auch nicht mit dem bloßen Auge erkennbare Narben – Wunden, die auch nach drei Jahren noch nicht ansatzweise verheilt sind und immer wieder aufzubrechen drohen. Dass nun ausgerechnet suchtgefährdete Frauen aus ihrem Forschungsprojekt um das Online-Universum „Shadowland“ grausam ermordet aufgefunden werden, hilft bei der Regenerierung nicht unbedingt weiter. Und der Killer scheint kein Ende zu kennen, gegenteilig werden die grausamen Rituale, die er in der Realität auslebt, auch ins Virtuelle übertragen – Grund genug für Eve, gegen sämtliche Regeln zu verstoßen und sich auf die Suche nach den persönlichen Daten ihrer Studienteilnehmerinnen zu machen, um die polizeilichen Ermittlungen zu unterstützen. Natürlich (nicht) ganz ohne Hintergedanken den gutaussehenden Detective Noah Webster betreffend, der zwar offensichtliches Interesse an Eve hegt, jedoch auch ganz eigene Vergangenheitsprobleme mit sich herumschleppt.

Karen Rose ist zurück und nach ihrer fulminanten Todes-Trilogie um die Geschwister Vartanian sind die Erwartungen an ihren neuen Roman schrecklich hoch gesteckt. Rein optisch betrachtet reiht Todesstoß sich ohne Wenn und Aber in die Reihe der schlichten, aber wunderschönen Rosencover ein, ebenfalls als Klappbroschur sieht es im Regal passend aus. Doch auch inhaltlich weiß die Autorin mit ihrem inzwischen zehnten Lady-Thriller auf ganzer Linie zu überzeugen. In Sachen Liebesbeziehung ein wenig gelassener und ruhiger als die direkten Vorgänger findet Todesstoß einen sehr ausgeglichenen und gesunden Mittelweg zwischen Spannung und Erotik, wobei Letztere im vorliegenden Roman sogar ein Stück weit zurückstecken muss. Denn anders als in anderen ihrer Bücher fallen hier die Protagonisten nicht augenscheinlich willenlos übereinander her, vielmehr muss sich das zerbrechliche Band der Anziehungskraft erst langsam entwickeln und festigen. Ein schönes Beispiel für zwei Menschen mit zentnerschweren Rucksäcken voller Vergangenheit, voller Angst und Misstrauen gegenüber der Welt, voller Sehnsüchte und dem sich versteckenden Mut, der schließlich gebraucht wird, um den brodelnden Gefühlen doch eine Chance zu geben. Gerade das Ausbleiben von sexuellen Ausschweifungen könnte möglicherweise langjährige Leser enttäuschen, doch die wenigen Szenen sind wohlplatziert und gut durchdacht. Mehr wäre in diesem Fall definitiv zu viel gewesen und so schafft Karen Rose es erneut, trotz minimaler Mängel, die auch dem Lektorat durchgegangen sind, den Leser auf ihre Seite zu ziehen.
Aber nicht nur die Liebesbeziehung ist eine durchweg ineinander passende Geschichte, auch der Thriller-Part besticht. Bis fast zuletzt ist man sich auch als Leser keineswegs sicher, ob der Verdächtigte tatsächlich der Täter ist – zwischendurch schwirrt einem sogar der Gedanke durch den Kopf, dass einem die Verdächtigen ausgehen. Bei der Aufklärung des Falls schließlich kann man es kaum glauben – Karen Rose und ihr Täter haben nicht nur das Ermittlungsteam, sondern auch den Leser auf beeindruckende Weise an der Nase herumgeführt. Wer für Überraschungen zu haben ist, der sollte auf keinen Fall an Todesstoß vorbei gehen.

Eine Übersicht auf den letzten Seiten gibt Aufschluss über die bisherigen Romane der Autorin und ihre Zusammenhänge sowie gemeinsame Charaktere. Denn das Interessante an den Thrillern von Karen Rose ist, dass alle neun bisher in Deutschland erschienenen Romane in irgendeiner Form miteinander zu tun haben, ohne jedoch voneinander abhängig zu sein. Jedes Buch kann eigenständig gelesen werden – abgesehen von der Todes-Trilogie um die Familie Vartanian – und versteht es trotz teilweise einfließender Vorgeschichte, hervorragend zu unterhalten und nicht im Geringsten an Spannung verliert. So ist aufmerksamen Fans wahrscheinlich schnell aufgefallen (vorausgesetzt, man kennt alle Bücher der Autorin), dass die Protagonistin Eve Wilson bereits ihre Geschichte in Eiskalt ist die Zärtlichkeit erzählt hat. Doch auch ohne das Vorwissen aus diesem Buch ist Todesstoß gut zu verstehen, denn Karen Rose lässt die notwendigen Hintergrunddetails nahezu unmerklich in die Geschichte einfließen. Das macht zum Einen neugierig auf die früheren Bücher, sofern noch nicht gelesen, und rundet die Sache zum Anderen perfekt ab – am Ende bleiben keine Fragen offen, der Leser ist rundum zufrieden und blickt mit Heißhunger dem nächsten Roman entgegen – es soll wohl nicht der letzte „Had Squad“ gewesen sein. Und wenn man dem intuitiven Gespür während des Lesens vertrauen darf, ist auch schon fast ersichtlich, welche beiden Charaktere die nächsten Hauptrollen übernehmen könnten …

Man kann nur hoffen, dass die Autorin niemals ihrer Schreibart oder ihrem Genre untreu wird, denn der Lady-Thriller erhält durch sie ein ganz eigenes Gesicht – Todesstoß ist nur ein weiteres Beispiel für das Können dieser Schriftstellerin.


Fazit:

Im Grunde könnte man nach jedem neuen Lady-Thriller von Karen Rose das Gleiche sagen: Unterhaltung mit der richtigen Mischung aus Liebe und Spannung, sympathische Charaktere, trotz teilweiser Vorhersehbarkeit ansprechender Plot. Auch Todesstoß ist wieder einmal ein Rundum-Paket mit allem, was dieses Genre braucht. Bitte schnellstmöglich für Nachschub sorgen, Frau Rose!


Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rose, Karen: Das Lächeln deines Mörders
Rose, Karen: Todesbräute
Rose, Karen: Todesschrei
Rose, Karen: Todesspiele

Blanvalet, 1. Auflage April 2011
Klappenbroschur, 352 Seiten
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-442-37493-9
Leseprobe

Genre: Thriller


Klappentext:

Sie suchten den Mann fürs Leben – und fanden einen Mann zum Sterben …

Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt, und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder bereits getötet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis …

Ein psychopathischer Serienmörder, eine neue Frau an Kerns Seite und ein Rivale, der sein ganz eigenes, eiskaltes Spiel treibt – Julius Kern und sein Gegenspieler Tassilo sind mit einem neuen Fall zurück!


Rezension:

Ganz Deutschland wird seit mehreren Jahren von einem Serienmörder in Atem gehalten, der bisher nicht die geringste nützliche Spur hinterlassen zu haben. Deutschlans Polizei steht vor einem Rätsel – und nun hat es den sogenannten Schläfenmörder nach Berlin verschlagen. Für Hauptkommissar Julius Kern steht fest, dass Berlin die letzte mörderische Station auf dem Weg des Schläfenmörders sein wird – er will den Kerl fassen und den Fall lösen, um jeden Preis. Doch der Preis steigt ins Unermessliche, als sich sein erbitterter Gegenspieler Tassilo Michaelis einschaltet. Dessen Leben hat sich trotz des damaligen Freispruchs nicht beruhigt, denn Name und Gesicht sind selbstverständlich überall bekannt – mit Ruhe ist es für Tassilo definitiv vorbei. Aber er wäre nicht er, hätte er nicht längst einen Plan gefasst, und der Schläfenmörder spielt hierbei keine unwesentliche Rolle.
Zur Seite gestellt wird Kern bei den Ermittlungen seine bayrische Kollegin Eva Fuchs, die von Anfang an mit dem Schläfenmörder-Fall vertraut ist. Es stellt sich heraus, dass sie nicht nur als Ermittlungsteam gut funktionieren, sondern auch eine gewisse persönliche Anziehungskraft nicht abzusprechen ist. Für Kern, dessen Familie sich gerade wieder zusammengerauft hat, steht also auch im zweiten Kliesch-Roman wieder einiges auf dem Spiel – und Tassilo versteht es erneut hervorragend, seine Einsätze voll auszuschöpfen.

Nach dem überzeugenden Debüt Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch war die Erwartungshaltung seinem zweiten Roman gegenüber verhältnismäßig groß – man freute sich auf ein Wiedersehen mit Julius Kern und Tassilo Michaelis, wunderte sich über den Klappentext-Teilsatz „eine neue Frau an Kerns Seite“ und versprach sich viel von dem offenbar talentierten Serienkiller, der bundesweit siebzehn Frauen töten konnte, ohne bisher auch nur ansatzweise aufgeflogen zu sein. Klieschs Grundrezept geht auf: Obwohl man auch hier wieder von nahezu Anfang an wusste, wer der Täter ist – denn wieder hat dieser einen eigenen Erzählstrang erhalten – , wissen die Protagonisten einmal mehr grandios zu agieren. Hervorstechend dieses Mal ist die Entstehungsgeschichte des Schläfenmörders mitsamt der Hintergründe, die nicht nur eine Art Verständnis wachrufen, sondern auch wie ein Fingerzeig darauf hinweisen, wie die Gesellschaft ihre Mitmenschen zu formen versteht – bewusst und unbewusst. Des Öfteren findet man sich selbst kopfschüttelnd wieder, wobei dies jedoch nicht am Killer liegt, sondern seine Ursache in den Wegen dorthin hat.

Während sich Kliesch in Die Reinheit des Todes noch mit zahlreichen und teils ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung aufgehalten hat, kommen in Der Todeszauberer nur wirklich relevante Orte des Geschehens zum Zuge. Was vollkommen ausreichend und umso wichtiger ist, da diese kleinen Details der Wirkungskreise eine dichte und greifbare Atmosphäre schaffen. Sprachlich gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, einzig die sanfte Covergestaltung könnte ein kleiner Punkt zur Kritik sein. Vielleicht ist aber auch gerade diese Sanftheit das Passende, denn obwohl die Morde sehr brutal und ziemlich blutig sind und auch dargestellt werden, verbirgt die ganze Geschichte um den Schläfenmörder eine emotionale Tiefe, die es herauszufiltern gilt und sich lohnt.

Schwer zu sagen, ob Kliesch mit seinem zweiten Roman einen Sprung geschafft hat und sich vom Debüt abhebt, doch Fakt ist, dass auch das zweite Buch jede seiner Seiten wert ist. Dank des relativ offenen Endes darf man auf weitere Thriller um das ungleiche Gegner-Duo Julius Kern und Tassilo Michaelis hoffen. Ob es dann auch zu einem Wiedersehen mit Eva Fuchs kommen wird oder nicht – in jedem Fall hat sich Vincent Kliesch einen festen Platz in der deutschen Thriller-Szene verdient und sollte diesen weiter ausbauen und festigen.


Fazit:

Kern und Tassilo sind auch im zweiten Kliesch-Roman ein Garant für spannenden und abwechslungsreichen Thrill. Der Todeszauberer besticht wie sein Vorgänger durch Unvorhersehbarkeit trotz bekanntem Täter und spannenden Disputen und fügt außerdem noch eine leichte Prise Sex hinzu – eine Mischung, die es in sich hat und definitiv überzeugt!


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Kliesch, Vincent: Die Reinheit des Todes

Fischer Jugendbuch, 1. Auflage Juni 2011
Originaltitel: The Poison Diaries
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
Nach einer Idee der Herzogin von Northumberland
HC mit SU, 272 Seiten
€ (D) 14,95 | € (A) 15,40 | SFR 26,90
ISBN: 978-3-8414-2124-1

Genre: Jugendbelletristik mit historischem Hintergrund und phantastischen Elementen


Über das Buch:

Die Poison Diaries – der Beginn einer lebensgefährlichen Liebe

Um 1800: Jessamine lebt mit ihrem Vater in einer verlassenen Kapelle im Norden Englands. Sie führen ein stilles, von Jahreszeiten geprägtes Leben. Jessamines Vater ist Botaniker, seine Leidenschaft sind Heil- und Giftpflanzen. In einem verborgenen Giftgarten züchtet er mächtige tödliche Gewächse, sorgsam darauf bedacht, seine Tochter von der Gefahr fernzuhalten. Als eines Tages Weed auftaucht, ein rätselhafter Fremder mit absinthgrünen Augen, verfällt Jessmine ihm sofort. Doch kaum haben die beiden zueinander gefunden, wird das Mädchen sterbenskrank. Was ist Weeds dunkles Geheimnis? Ist er ihre Rettung oder bringt er den Tod?

Eine Geschichte, so geheimnisvoll wie die unergründliche Welt der Pflanzen. Denn ob Belladonna heilt oder tötet, darüber entscheidet am Ende die Liebe …


Rezension:

Jessamine und ihr Vater leben weitab anderer Siedlungen. Seit dem Tod der Mutter ist das junge Mädchen diejenige, die sich um den Haushalt kümmert, während der Vater mit Hilfe der Kräuter und Pflanzen seines Gartens des Öfteren als eine Art Heiler unterwegs ist und bei den meisten Menschen nur als der Apotheker bekannt war. Die Tage sind recht eintönig, da das Leben auf dem alten Gelände eines ehemaligen Mönchklosters nicht viel Abwechslung zu bieten hat. Einzig der geheime Giftgarten ihres Vaters, in dem er Giftpflanzen aus aller Welt anbaut, übt eine gewisse Anziehungskraft auf Jessamine aus, doch das Betreten desselben ist ihr strengstens verboten. Obwohl nicht zufrieden mit dieser Einschränkung, ist Jessamine wohlerzogen genug, um ihrem Vater zu gehorchen und sich nur um die Dinge zu kümmern, die ihr aufgetragen werden. Als eines Tages der Inhaber einer Irrenanstalt vorbei reitet und ihnen den Jungen Weed quasi vor die Füße wirft, kommt endlich etwas Bewegung in den trägen und einsamen Alltag, der Jessamines Leben beherrscht. Denn Weed umgibt ein Geheimnis und seine nicht zu übersehende Angst vor dem Giftgarten stellt Jessamine vor ein zusätzliches Rätsel. Doch nicht nur diese beiden Punkte gilt es zu entschlüsseln – auch die erwachenden Gefühle, die sie für Weed entwickelt, sind neu und unbekannt. Das Glück soll nicht lange anhalten und schließlich steht Weed vor einer schweren Entscheidung und einer harten Probe.

Ein sofort ins Auge stechendes Cover und ein vielversprechender Klappentext laden sofort dazu ein, zum ersten Band der Poison Diaries zu greifen. Und auch die ersten Seiten der Geschichte verschaffen dem Leser das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und ein Mal mehr gute Unterhaltung im Bücherregal gefunden zu haben. Leider lässt dieses Hochgefühl recht schnell nach, denn obwohl Maryrose Wood tatsächlich erzählerisches Talent aufweist, wird das detailreiche Beschreiben von Hausarbeit und Pflanzenwachstum schnell langweilig und eintönig – ganz so wie das Leben, das Jessamine vor Weeds Auftauchen führt. Botaniker finden in den langen Ausschweifungen in die Pflanzenwelt sicher ihren Reiz, doch für Leser, die nicht viel für die Ausführlichkeit von Anbau übrig haben, sind diese Passagen eher lästig und sehr zäh. Dabei hat sich die Autorin wirklich Mühe bei der Ausarbeitung dieser Details gegeben, es jedoch doch ein wenig übertrieben – in diesem Fall wäre weniger definitiv mehr gewesen. Während die Geschichte daher größtenteils eher dahinplätschert und kaum mit Höhepunkten aufwarten kann, bündelt sich die meiste Spannung am Ende des Buches, als Jessamine erkrankt und Weed scheinbar die einzige Rettung für sie darstellt. Leider ist auch hier der eine oder andere Schwachpunkt zu erkennen, denn Maryrose Wood lässt sehr plötzlich Fantasy-Elemente in die Geschichte einfließen, die bis hierhin auch wunderbar ohne funktioniert hat.

Die Atmosphäre betreffend schafft die Autorin es mit den Poison Diaries recht gut, den Leser in die Zeit um 1800 zu entführen. Die Abgeschiedenheit und auch die Art des Umgangs miteinander lässt die historischen Grundgedanken aufleben und auch Menschen, die mit historischer Literatur eher wenig anfangen können, gewinnen einen leichten Eindruck der damaligen Zeit, ohne dass es überladen ist. Ebenfalls angepasst ist die Sprache, die Maryrose Wood für ihre Geschichte verwendet. Zusammen mit der wunderschönen optischen Aufmachung gewinnt das Buch dadurch einige Pluspunkte, die den mangelnden Inhalt zumindest ein stück weit ausgleichen können. Trotzdem wird den folgenden Poison Diaries, die ohne Zweifel kommen werden, wahrscheinlich eher mit Skepsis entgegen geblickt werden – das offene Ende bietet einen nicht unbedingt zwangsläufigen Cliffhanger, aber die Möglichkeit, dass die Geschichte sich weiterentwickelt und Schwachstellen in Angriff nimmt und ausmerzt.


Fazit:

Die wunderschöne Optik der Poison Diaries kann leider nicht über den nur mittelmäßigen und nur wenig anspruchsvollen Inhalt hinwegtrösten. Den Folgebänden steht ein hartes Stück Arbeit bevor, wenn sie den Leser überzeugen und mitreißen wollen.


Wertung:

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 2,5/5
Optische Aufmachung: 5/5
Preis/Leistung: 3/5

UBooks, 1. Auflage März 2011
Originaltitel: Sex, død og ekteskap
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Hardcover, 144 Seiten
12,95 € (D) | 13,40 € (A)
ISBN 978-3-86608-146-8

Genre: Anti-Pop


Klappentext:

Wenn man vorhat, sich umzubringen, sollte wenigstens die richtige Musik dazu laufen.
Zu dumm, wenn der iPod auf Shuffle steht und ein fröhliches Lied die lebensmüde Stimmung zunichtemacht.
Wenn einem also nicht nach Leben und nicht mehr nach Sterben zumute ist, was bleibt dann noch, außer Sex?
Und in dieser Situation ist es auch schon egal, mit wem man fickt.

Jon Øystein Flinks drittes Buch – das erste, welches ins Deutsche übersetzt wurde – hat 2009 den Norwegischen Youth Critics‘ Prize gewonnen.
Übersetzt wurde das Buch von Gabriele Haefs.


Rezension:

Ein 38-jähriger Mann steht am Fenster der Bürotoilette und will springen. Das geht natürlich nicht ohne den passenden Soundtrack, daher ist der iPod dabei. Auf dem Schreibtisch liegt sein Abschiedsbrief, den die Kollegen erst am folgenden Morgen finden werden. Bis dahin, so zumindest der Plan, weilt Jon Øystein Flinks Ich-Erzähler längst schon im Jenseits und ist die Sorgen seines Lebens endlich los. Doch ein Plan wäre kein Plan, wenn er nicht misslingen würde – die Shuffle-Funktion spielt dem Lebensmüden einen gemeinen Streich und wechselt auf einen Hit, der so gar nicht in die Todesstimmung passen möchte. Ein Moment, in dem man als Leser eigentlich Mitleid haben sollte, jedoch eher zum Schmunzeln animiert wird. Die Lust am Sterben plötzlich verloren, werden die Selbstmordpläne erst einmal über den Haufen geworfen – was jedoch nicht bedeutet, dass die Idee an sich und die auslösenden Sorgen ebenfalls verschwunden sind. Welche Sorgen genau den Protagonisten plagen, wird erst im Laufe des Buches bekannt. Oder eben nicht, denn selbst nach den knapp hundertvierzig Seiten ist der Leser teilweise noch ziemlich ratlos und weiß nicht so recht, was er von Ficken und Sterben halten soll.

Natürlich fallen zu allererst der Titel und die Covergestaltung ins Auge – eine Kondomverpackung mit Grabkranz als Inhalt und das schlimme F-Wort im Titel kann man durchaus als unkonventionell bezeichnen. Aber eben auch als Aufmerksamkeit erregend und auf eine gewisse Weise ansprechend. Es provoziert eben, und diese Provokation wird auch im Buch selbst fortgesetzt. Nicht nur die verwendete und überaus zum Protagonisten passende Umgangssprache lässt das eine oder andere Mal die Augenbraue nach oben schießen, auch inhaltlich stoßen manche Aussagen und Kommentare des Selbstmörders übel auf. Sofern man denn ein zartes Gemüt hat und generell eher wenig mit dieser Art Umgangston zu tun hat oder zu tun haben will. Denn eines ist wohl klar: So satt der Protagonist das Leben hat, so vollmundig ist auch sein Umgang damit. Ohne Rücksicht auf Verluste oder familäre Beziehungsbande lebt er sein Leben weiter wie bisher, und der Leser kommt nicht umhin, sich zu fragen, warum genau eigentlich dieses doch offensichtlich ganz nette Leben überhaupt ein Ende finden sollte. Dass das Ende (sowohl des Lebens als auch des Buches) schnell vorhersehbar ist, tut dem unterhaltenden Aspekt keinen Abbruch – gegenteilig gewinnt Ficken und Sterben mit jeder Seite an Unterhaltungswert.

Inwieweit Jon Øystein Flinks Bücher in Deutschland wirklich Erfolg haben werden, bleibt vermutlich abzuwarten. In das Anti-Pop-Programm des UBooks-Verlages passen sie jedoch nahezu perfekt rein. Sollten also weitere Titel dieses Autors ihren Weg in eine deutsche Übersetzung finden, werden sich einige der Genre-Giganten aus deutschen Gefilden warm anziehen müssen. Denn die norwegische Konkurrenz schläft nicht – ein Reinlesen lohnt sich in jedem Fall, alles andere ist dann wohl – wie bei den meisten UBooks-Titeln – einfach Geschmackssache.


Fazit:

Ficken und Sterben wirkt erstmal wie die Aneinanderreihung abstruser Erlebnisse eines eigentlich lebensmüden Mannes nach seinem gescheiterten Selbstmordversuch. Erst nach dem Lesen und längerem Wirkenlassen findet die eigentliche Aussage den Weg in die Gedanken des Lesers und beißt sich dort fest. Ein Buch, das nachhallt, jedoch seine Zeit braucht, um die volle Wirkung entfalten zu können.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5

cbt, 1. Auflage Mai 2011
Originaltitel: Captivate
Aus dem Amerikanischen von Ute Mihr
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 24,90
ISBN: 978-3-570-16112-8
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy


Klappentext:

Unsere Blicke begegnen sich. Seine Augen sind unergründlich, fast hypnotisierend.
«Was mit dir los ist?», fragt er. «Ich glaube, etwas in meinem Blut fodert etwas in dir heraus. Wir ziehen einander an.»
Ich schüttele den Kopf. «Ich fühle mich nicht zu dir hingezogen. Ich liebe Nick.»
Sein Mund verzieht sich wieder zu diesem Lächeln und sein Gesicht sieht fast glücklich aus, wenigstens nicht mehr so traurig. «Ich verspreche dir, dass ich dich nur küsse, wenn du es selbst willst.»

Zara begegnet Astley mit gesundem Misstrauen. Schließlich haben er und seinesgleichen viel Unheil nach Maine gebracht. Doch als Zaras Freund Nick in tödliche Gefahr gerät, muss sie neue Bündnisse schließen und sich einer ungeahnten Herausforderung stellen …


Rezension:

Nach den turbulenten Ereignissen in Flüsterndes Gold kommen Zara und ihre Freunde auch im Nachfolgeband nicht zur Ruhe. Immer wieder gehen sie auf Patrouille und fangen Elfen, um sie im mit Eisen jeder Art präparierten Haus einzusperren. Doch nicht nur die Elfen ihres Vaters machen Zara das Leben weiterhin schwer, sondern auch von der Führerlosigkeit des Territoriums angelockte, mitunter sehr viel gefährlichere Elfen treten ins Bild und wollen die Macht an sich reißen. Als die eingesperrten Elfen befreit und auf die Stadt losgelassen werden, kommt es zu schlimmen Überfällen auf die normalen Bewohner, und bei dem Versuch, ihnen Einhalt zu gebieten, wird Nick – Zaras große Liebe – tödlich verwundet und von einer Walküre ins Walhalla gebracht. Um ihn möglicherweise retten zu können, muss Zara sich endlich ihrem Elfenblut stellen und der Wahrheit ins Gesicht sehen: Sie ist dazu bestimmt, die Braut eines Elfenkönigs zu werden. Blöd nur, dass nun gleich zwei dieser Art um ihre Aufmerksamkeit und die damit verbundene Macht buhlen – doch wem kann Zara noch trauen, wenn sie schon sich selbst und ihrer wahren Natur gegenüber kaum noch Vertrauen hat? Und was hat es mit dieser unerklärlichen Anziehungskraft auf sich, die der junge Elfenkönig Astley auf sie hat?

Auch der zweite Band um die junge Halbelfe Zara und ihre Freunde verspricht eine interessante Geschichte. Doch auch in Finsteres Gold wird dieses Versprechen erneut gebrochen, denn obwohl die Handlung ein wenig mehr Inhalt und mehr Abwechslung hat, schafft die offenbar überaus cholerische Protagonistin es auf erstaunliche Weise, jede leicht an der Oberfläche brodelne Begeisterung nahezu im Keim zu ersticken. Während man bei Flüsterndes Gold noch die Debüt-Ausrede vorhalten konnte, gehen beim vorliegenden Nachfolger langsam, aber sicher die Argumente aus, warum man die Serie weiter verfolgen sollte. Selbst die in Band 1 sympathischen Charaktere verkommen im zweiten Teil zu immer unangenehmeren Zeitgenossen. Während Iz und Dev anfangs zumindest erwachsene Züge vorweisen konnten, stoßen sie mit fortschreitender Seitenzahl auf immer mehr Unverständnis beim Leser. Und auch die zarten Bande zwischen Zara und Nick werden durch überzogene Beschreibungen und ständiges „Baby“-Genenne eher durch den Kakao gezogen, als dass man sie als angenehme Nebenstory ansehen könnte.
Sehr überzeugend ist jedoch der neue Protagonist Astley, der entgegen aller bisherigen Darstellungen endlich einmal ein eher positives Bild von den Elfen vermittelt – er ist zuvorkommend und zurückhaltend und macht sich mehrfach Sorgen um Zara, auch wenn er natürlich ganz eigene Absichten verfolgt. Als Leser hat man jedoch nie den Eindruck, dass die Ziele für ihn im Vordergrund stehen, vielmehr scheint da echtes Interesse an Zara selbst zu bestehen. Und auch die Walküre, die zwar nur kleine Nebenauftritte vorweisen kann, ist auf ihre ganz spezielle, nicht hundertprozentig ins Buch passende Art eine willkommene und erfrischende Abwechslung im eher mittelmäßigen und langweiligen Schwarz-Weiß-Gezeichne der Autorin. Weitere neu ins Geschehen eintretende Charaktere verschaffen vielleicht keinen tatsächlich verbessernden Einschnitt, liefern aber wenigstens etwas Abwechslung und durchaus auch amüsante Szenen – ein bisschen gesunde Eifersucht schadet nie, und wenn die Damen und Herren das kindliche Gehabe ablegen würden, hätte es sicherlich zu interessanten Disputen kommen können.

Was am Ende übrig bleibt, ist erneut ein fader Nachgeschmack, denn man fragt sich schon, ob Carrie Jones diese Chance verdient hat oder man sich die Zeit nicht besser für ein gutes Buch hätte aufsparen sollen. Leider weiß man solche Dinge immer erst nach dem Lesen. Finsteres Gold hat sicherlich einen schweren Start, denn die Enttäuschung nach dem Lesen des Vorbandes macht es dem Leser schwer, sich ohne Vorurteil an den zweiten Band um Zara und Co. zu wagen. Vorbehalte werden leider ziemlich schnell bestätigt und Fehler sowie Übertreibungen fallen besonders negativ auf. Ob die Autorin in der Lage ist, das Ruder im Laufe der weiterführenden Bände tatsächlich rumzureißen, ist zweifelhaft – gute Fantasy sieht leider anders aus, und Carrie Jones wird weiterhin hart an sich und ihrer Story arbeiten müssen.


Fazit:

Nur minimal mehr als sein Vorgänger kann Finsteres Gold überzeugen. Noch immer ist Zara unsympathisch und völlig überzogen, während die meisten der übrigen Charaktere leider nachziehen, noch immer lässt der Handlungsrahmen zu viel Luft zum Abschweifen, noch immer bleibt der Leser unzufrieden zurück. Eine leichte Steigerung ist zwar erkennbar, doch eine wirkliche Verbesserung ist leider nur in wenigen Punkten vorhanden.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 2,5/5


Jones, Carrie: Flüsterndes Gold

Blanvalet, 1. Auflage Mai 2010
Klappenbroschur, 320 Seiten
€ 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-442-37492-2
Leseprobe

Genre: Thriller


Klappentext:

Was würdest du tun,
wenn dein größter Feind deine letzte Hoffnung ist?

Ein geheimnisvoller Serienmörder stellt das LKA Berlin vor scheinbar unlösbare Rätsel. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Spuren gibt es keine, denn die Wohnung ist klinisch geputzt – ein Alptraum für die Ermittler. Die letzten Hoffnungen ruhen auf Julius Kern, der Jahre zuvor einen grausamen Massenmörder fassen konnte. Doch Kern ist daran fast zerbrochen. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier.


Rezension:

Ein völlig steriler Leichenfundort stellt das Berliner LKA vor ein alptraumhaftes Rätsel – nicht die geringste Spur und damit nicht den Hauch einer Chance hat der Täter hinterlassen und macht es dem ermittelnden Team schwer. In seiner Not wendet es sich an Julius Kern, der nicht nur mit eigenen Zweifeln, sondern auch denen anderer zu kämpfen hat. Denn die letzte Mordermittlung kostete Kern fast alles: Familie, Job, Verstand. Doch der „Putzteufel“ reizt ihn und so sagt er seine Mitarbeit zu, trotz aller Vorbehalte der höheren Stellen. Doch damit wird nicht nur Kern zurück auf den Plan gerufen, sondern auch sein schlimmster Feind – nämlich genau der Mann, der vor einigen Jahren von Julius gefasst wurde und anschließend einen Freispruch vor Gericht erwirkt hatte. So wird Kern doppelt herausgefordert, denn er muss sich nicht nur mit der aktuellen Ermittlung auseinander setzen, sondern auch mit seiner Vergangenheit, die so stark mit Tassilo zusammenhängt. Was ebendieser ihn nie vergessen lässt und den ohnehin schon alptraumgeplagten Kommisar immer und immer wieder daran erinnert. Für Kern ist es eine Gratwanderung, denn Tassilo bietet seine Hilfe an – doch kann Kern dem Mann, der seine Ehe auf dem Gewissen hat, trauen?

Drei Erzählstränge und ein von Anfang an klarer Täter – klingt erstmal sehr wirr und nicht besonders überzeugend. Und tatsächlich hat der Leser es durch drei unterschiedliche Perspektiven zu Beginn des Buches recht schwer, sich einzufinden und sich vollends in die Geschichte fallen zu lassen. Was Die Reinheit des Todes jedoch ausmacht, ist nicht die Suche (des Lesers) nach dem Täter an sich, sondern das langsam aufzudeckende Rätsel um die Hinter- und Beweggründe. Spannend dabei sind die eingeflochtenen Rückblenden zum alten Tassilo-Fall, der in seiner Komplexität eine eigene Ausarbeitung wert gewesen wäre – leider ein Punkt, der beim Leser etwas sauer aufstößt, denn so verlieren sowohl die alte als auch die neue Ermittlung ein ganzes Stück an Glanz und Spannung. Jede der beiden hätte von mehr „Aufmerksamkeit“ profitieren und den Leser noch ein bisschen besser unterhalten können. Schade, dass der Autor diese Möglichkeit sich und seinen angehenden Fans genommen hat, denn dieser Fall hat seinen ganz eigenen Reiz – selbst in der abgeschwächten und zusammengedrückten Form, die er im vorliegenden Roman bekommen hat.

Eine große Stärke beweist Vincent Kliesch bei der Erschaffung seiner Charaktere. Mit Ecken und Kanten und gerade dadurch unheimlich sympathisch überzeugen sowohl Kommisar Kern als auch Gegenspieler Tassilo – selten hat man einen Massenmörder, auf dessen erneutes Auftreten man sich schon im Voraus freuen kann. Erstaunliche Wesenszüge sind auch bei den anderen Mitwirkenden zu erkennen, Vincent Kliesch kratzt hier nur ein wenig an der Oberfläche der menschlichen Fassade und öffnet damit trotzdem unglaubliche Abgründe. Dabei kommt kein Bereich zu kurz, denn gerade Kerns Privatleben wird durch Noch-Frau und halbwüchsiger Tochter zu einem interessanten Nebenstrang, der nicht unwichtig für das Zusammenspiel mit Tassilo ist. Doch auch der für dieses Buch wichtige „Putzteufel“ weiß auf seine ganz eigene Art zu überzeugen – mit Detailliebe widmet sich der Autor hier der Vergangenheit und den Schlüsselerlebnissen, die nach Aufklärung vieles in einem anderen Licht stehen lassen. Was hierbei sehr positiv auffällt, ist die Gleichwertigkeit aller drei Protagonisten, denn zu keiner Zeit hat man als Leser das Gefühl, dass jemand bevorzugt oder benachteiligt wird.

Berlin-Fans kommen zudem durch umfangreiche, manchmal allerdings auch übertriebene Umgebungsbeschreibungen auf ihre Kosten. Hier hätte das Lektorat gerne das eine oder andere Mal den Rotstift zücken und Kleinigkeiten verändern können. Eine saubere Sprache lässt deutlich erkennen, dass Kliesch in seiner Arbeit als Moderator und Comedian den Umgang mit Worten gewöhnt und trotz dieser gerne als weniger ernste Arbeit verschrieene Tätigkeiten zu durchaus ernsthaften Gedankengängen fähig ist.
Bis zum Ende gut durchdacht und in jeder Hinsicht stimmig, mit faszinierenden und ebenbürtigen Gegenspielern sowie fesselnden Cliffhängern, aber leider viel zu wenigen Seiten und einem zweiten Haupthandlungsstrang, der gerne eine eigene Veröffentlichung hätte erhalten dürfen – Die Reinheit des Todes ist ein glanzvolles Debüt, von dessen Autor jederzeit wieder gelesen werden möchte.


Fazit:

Mit Die Reinheit des Todes liegt das trotz kleinerer, nicht ins Gewicht fallender Mängel überzeugende Debüt eines Allround-Talentes vor. Vincent Kliesch versteht es, den Leser trotz klarem Täter in eine spannende Ermittlung zu verwickeln. Obwohl die eingebundene Vorgeschichte durchaus ein eigenes Buch verdient hätte, kommt hier jeder Thriller-Leser voll auf seine Kosten.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Kliesch, Vincent: Der Todeszauberer

UBooks, 1. Auflage April 2011
Taschenbuch, 272 Seiten
€ 12,95 (D) | € 13,40 (A)
ISBN: 978-3-86608-127-7

Genre: Dark Fantasy


Klappentext:

Eine geheimnisvolle Prophezeiung über das Ende der Welt.
Fünf Wesen, die als Retter vorherbestimmt sind.
Ein Vampir auf der Suche nach der Wahrheit.
Und ein Elfenkind, das den Schlüssel zu allem in sich trägt …

Die junge Aliénor ahnt nichts von der Existenz übernatürlicher Wesen, bis ein brutaler Überfall ihre geordnete Welt zerstört. Durch ihren Retter, den Vampir Frédéric, erfährt sie die Wahrheit über ihre Herkunft: Sie ist ein Elfenkind.
Verzweifelt macht sich Aliénor mit Frédérics Hilfe auf die Suche nach ihrem wahren Vater. Doch eine Rückkehr in die Welt der Elfen würde bedeuten, Frédéric für immer zu verlieren. Und das scheint undenkbar, hat das Elfenkind doch schon lange sein Herz an den charismatischen Vampir verloren …


Rezension:

Schon immer ist die Beziehung zwischen Aliénor und ihrem Vater sehr angespannt. Die junge Studentin versucht, das Beste aus der nicht sehr angenehmen Situation zu machen, und geht Konflikten meist aus dem Weg. Unterstützung hierbei findet sie vor allem bei ihrer besten Freundin und dem gesamten Freundeskreis, mit denen sie regelmäßig Unternehmungen macht. Bei einer nächtlichen Aktion, bei der sie in den Katakomben des Kölner Doms ausgelassen feiern, kommt es zu einem Angriff, der alle das Leben kostet – nur Aliénor hat Glück, denn sie befand sich gerade auf Erkundungstour in den umliegenden Gängen, als sie die Schreie von ihrem Ausgangsort hörte. Eine Stimme hält sie davon ab, dorthin zurückzukehren, und der junge Mann, der hinter dieser Stimme steckt, stellt sich als ihr Retter heraus. Am nächsten Morgen kann sich Aliénor zwar nicht mehr an den Überfall und ihre Rettung erinnern, spürt aber, das irgendetwas Schreckliches passiert ist. Als dann auch noch ihr Vater in ihr Zimmer stürmt und nach ihren abendlichen Aktivitäten befragt, steht fest, dass sich Aliénors Leben von nun an schlagartig verändern wird.
Denn ihr Vater ist ein Vampirjäger und hasst alles Nichtmenschliche, sie selbst nur adoptiert und außerdem das Kind eines Elfen. Die Rückenschmerzen, die sie seit mehreren Tagen plagen, künden von ihrer beginnenden Verwandlung und endlich erklärt sich auch die zierliche Statur des Mädchens. Und dann ist da noch dieser Mann, der ihr immer wieder im Kopf rumschwirrt, an den sie sich aber nicht erinnern kann – und der sie heimlich durch ihr Fenster beobachtet. Frédéric kennt Aliénors Geheimnis und steht ihr bei der Verwandlung zur Seite. Für Aliénor steht danach fest, dass sie nicht in ihrem Elternhaus bleiben kann – sie möchte ihre wahre Herkunft in Erfahrung bringen. Auch wenn das bedeutet, ihr bisheriges Leben komplett zurücklassen zu müssen. Wird sich ein Weg finden, der beides vereint?

Sowohl Vampir- als auch Elfen-Geschichten haben auf dem aktuellen Buchmarkt einen festen Platz in den Verkaufslisten gebucht. In ihrem Debüt verbindet Inka-Gabriela Schmidt beide Fantasy-Gestalten geschickt und schafft so eine unterhaltsame Geschichte, die als Reihenauftakt genau das beinhaltet, was der Leser zum Angefüttertwerden braucht: Nicht allzu komplizierte Charaktere, ein eher mittelmäßiger Plot und verschiedene offen bleibende Handlungsfäden, denen in den Folgebänden auf den Grund gegangen werden kann. Wenn man denn weiterlesen möchte, denn wie die meisten Debüts bringt auch Elfenkind so manche Schwachstelle mit sich, die das Lesevergnügen durchaus zu schmälern weiß.
So ist zum Beispiel die Sprache nicht gänzlich ausgereift, oftmals stolpert der Leser über Passagen, die zwar gewollt, aber nur in Grenzen gekonnt sind. Zwar merkt man, was die Autorin ausdrücken und rüberbringen will, doch atmosphärisch gibt es noch an einigen Szenen zu feilen – ein guter Grundstock ist in jedem Fall gelegt und definitiv vorhandenes Potential lässt auf eine gute Entwicklung hoffen, die vielleicht schon im zweiten Band erkennbar sein wird. Auch bei den Charakteren kann noch sich Inka-Gabriela Schmidt noch steigern, denn sowohl Aliénor als auch Frédéric haben noch einiges an Entwicklungspotenzial versteckt. Ebenso dürfen gern einige der Nebencharaktere jederzeit wieder auf den Plan treten. Sowohl sprachlich als auch bei den Charakteren fehlt aktuell noch die Raffinesse und das sich von anderen Büchern Abhebende – hier darf ruhig ein bisschen was gewagt werden, sonst geht der weitere Verlauf des Abenteuers, das an sich spannend zu werden verspricht, leider im Einheitsbrei des Dark-Fantasy-Marktes unter.

Wofür ein Lob ausgesprochen werden muss, ist erneut die Covergestaltung des UBooks-Verlages. Obwohl man sich die abgebildete weibliche Elfe nicht unbedingt als Aliénor vorstellen kann, vermittelt das Coverbild einen zarten und zerbrechlichen Eindruck. Durch die helle Farbgestaltung könnte zwar ein falscher Eindruck des Inhalts entstehen, doch gerade diese ist eine willkommene Abwechslung zu den normalerweise düsteren Covers dieses Literaturgenres.


Fazit:

Eine interessante Verbindung aus Hell und Dunkel schafft Inka-Gabriela Schmidt mit ihrem Debüt und gleichzeitigem Reihenauftakt Elfenkind. Wenn konkret an den Schwachstellen gearbeitet wird, dürften die Folgebände wohl ebenfalls den Weg in so manches Fantasy-Fan-Regal finden. Leichte Unterhaltung für zwischendurch ist garantiert.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5