An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.
(Charlie Chaplin)

Schattenwege.
So heißt die neue Plattform, auf der zukünftig neben meinen zahlreichen Gedanken rund um das Leben auch meine literarischen Arbeiten jeder Form ihren Platz finden sollen. Alles aus dem Hause der Schattenkämpferin also unter einem Dach.

Warum?
Nun, das ständige Gespringe zwischen den einzelnen Blogs hat mich genervt. Und sicherlich auch den einen oder anderen Leser. Hier habe ich nun eine Seite, die alles – obwohl weiterhin in einzelne Blogs unterteilt – zusammenfasst und zusammenhält. Mein neues Reich und die neue Heimat meines virtuellen Ichs.

Was erwartet euch?
Im Grunde ändert sich gar nichts, nur die Optik und die Adresse. Ansonsten werde ich so ziemlich alles beibehalten, was ihr gewohnt seid, und mein Angebot womöglich noch ausweiten. Wie genau das aussehen wird, weiß ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. Lassen wir uns einfach gemeinsam überraschen :)

Hier und da gibt es noch Baustellen, wie zum Beispiel nicht korrekt übertragene Verlinkungen oder noch nicht angepasste Bilder und Grafiken, doch ich arbeite daran und hoffe, dass bald alles seine Richtigkeit hat. Sollte euch irgendetwas auffallen, dann schickt mir eine kurze Mail oder hinterlasst an der betreffenden Stelle einen Kommentar – ich kümmere mich dann umgehend darum.
Auch sonst ist Feedback gerne gesehen – tobt euch ruhig aus, aber bitte nicht mehr hier, denn dieser Blog wird nach und nach „aussterben“ irgendwann einfach nicht mehr da sein.

In der Hoffnung, möglichst viele alte Leser zu behalten und zahlreiche neue Leser dazu zu gewinnen, freue ich mich auf diesen neuen Abschnitt. Es wird wohl der letzte große Umzug im Hause Schattenkämpferin sein – irgendwann muss man ja auch mal sesshaft werden ;)

Viel Spaß beim Stöbern, Entdecken und Staunen (über die tolle Optik, den großartigen Aufbau, die wunderschönen Applikationen und natürlich den unübertrefflichen Inhalt :D).
Wir lesen uns bald – auf den Schattenwegen:

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cbj, 1. Auflage September 2011
Originaltitel: A Monster Calls
Übersetzt von Bettina Abarbanell
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 216 Seiten
Mit s/w-Illustrationen von Jim Kay
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A]
ISBN: 978-3-570-15374-1

Genre: Jugendroman mit phantastischen Elementen


Klappentext:

Das Monster tauchte kurz nach Mitternacht auf.
Wie Monster das so machen.
Conor war wach, als es kam.
Er hatte einen Albtraum gehabt.
Na gut, nicht irgendeinen. Den Albtraum.
Den einen, den er in letzter Zeit ziemlich oft hatte.
Den mit der Dunkelheit und dem Wind und dem Schrei.
Den mit den Händen, die er irgendwann nicht mehr festhalten konnte,
egal wie sehr er sich bemühte.
Den, der immer damit endete, dass …

Glaubwürdig, herzzerreißend und unendlich tröstlich – dieses Buch lässt keinen mehr los.


Rezension:

Ich hatte und habe das Gefühl, als sei ein Stab an mich weitergereicht worden; als habe eine besonders gute Schriftstellerin mir ihre Geschichte gegeben und gesagt: „Lauf. Lauf damit los. Stifte Unruhe.“ Und das habe ich versucht. Untergwes gab es für mich nur eine einzige Leitlinie: ein Buch zu schreiben, von dem ich glaubte, dass es Siobhan gefallen würde. Kein anderes Kriterium konnte letztendlich zählen.
Und jetzt ich es an der Zeit, den Stab an euch weiterzureichen. Geschichten hören nicht bei denen auf, die sie schreiben, egal, wie viele von uns ins Rennen gegangen sind. Hier ist das, was Siobhan und ich uns ausgedacht haben. Und nun lauft. Lauft damit los.
Stiftet Unruhe.
(aus dem Vorwort von Patrick Ness)

Seit einiger Zeit schläft Conor sehr schlecht, immer wieder quält ihn ein Albtraum, von dem er niemandem auf der Welt jemals erzählen wird. Als er eines Nachts wieder einmal aus dem Schlaf gerissen wird, ist jedoch etwas anders, denn vor seinem Fenster steht ein Monster. Furchteinflößend ist es zwar nicht, dennoch gibt es Conor zu denken, denn von nun an stattet es ihm regelmäßig Besuche ab. Immer zur selben Zeit, immer um sieben Minuten nach Mitternacht. Was Conor erwartet, ist jedoch nicht das typische Grauen, das nachts in die Kinderzimmer huscht und in Schränken oder unter dem Bett lauert. Nein, das Monster hat eine Bestimmung und bringt den Jungen anhand von drei Geschichten dazu, seinen Albtraum endlich zu teilen, seine Angst loszulassen. Und nicht nur die, denn Conors Albtraum kommt nicht einfach irgendwo her – die Angst, die ihn jede Nacht im Traum verfolgt und einholt, hat auch im Wachsein von ihm Besitz ergriffen. Und so lange er an seinem Albtraum festhält, wird weder das Monster noch seine Angst verschwinden.

Bevor Siobhan Dowd im Jahr 2007 ihrem Krebsleiden erlag, entwickelte sie die Grundidee und die Figuren zu Sieben Minuten nach Mitternacht. Außerdem verfasste sie bereits ein Exposé und widmete sich dem Anfang der Geschichte, die sie ihrem guten Freund Patrick Ness mit der Aufgabe hinterließ, Conors Weg weiterzuführen und zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Gemeinsam mit dem Illustrator Jim Kay nahm Ness sich dieser Aufgabe an und erschuf nach den Vorgaben der verstorbenen Kinderbuchautorin ein Werk, das nicht feinfühliger und behutsamer mit dem Thema des Verlustes umgehen könnte. Obwohl die Zeichnungen von Jim Kay, die sich durch das gesamte Buch ziehen, sehr düster und mitunter erschreckend sind, haben sie auch etwas Tröstliches an sich. Der ohnehin stimmungsvolle und atmosphärische Text, dessen Lesen man immer wieder zu unterbrechen gezwungen ist, wird durch diese Bilder noch zusätzlich unterstützt – sie bilden eine Art Schutzhülle um Conors Geschichte und liefern gleichzeitig einen Grund mehr, sich immer weiter vorzuarbeiten. Was Jim Kay mit seinen Zeichnungen schafft, ist auch Patrick Ness mit Worten gelungen. Emotional, aber nicht kitschig oder gar übertreibend gibt Ness dem Leser die Chance, selbst zu entscheiden, ob und wie weit man sich in die Geschichte fallen lassen möchte. Eine Gratwanderung auch für den Leser, denn wenn Sieben Minuten nach Mitternacht eines definitiv ist, dann mitreißend auf jede nur erdenkliche Weise. Es fällt schwer, sich nicht vollständig an Conors Seite stellen und dem 13jährigen Jungen ein Stück seiner Ängste und Verantwortung abnehmen zu wollen.

Der Umgang mit und die Umsetzung einer solch schwierigen Thematik stellt immer wieder neue und auch erfahrene Autoren vor eine Herausforderung. Nicht immer gelingt es, trotz der belastenden Schwere auch eine gewisse Leichtigkeit beizubehalten und dem Leser nicht nur eine Last auf die Schultern zu legen, sondern auch den Unterhaltungswert nicht außen vor zu lassen. Patrick Ness schafft es mit seiner stilsicheren und einfachen Sprache, sowohl jugendliche als auch erwachsene Leser in vollem Maße anzusprechen und dabei sämtliche Charaktere und Ereignisse so lebensecht wie nur irgendmöglich darzustellen. Wie viel hiervon den eigenen Erfahrungen und Eindrücken von Siobhan Dowd zuzuschreiben ist, kann wahrscheinlich keiner zu hundert Prozent beantworten. Fakt ist jedoch, dass dieses Buch anders ist als andere zum Thema. Es hebt sich ab, nicht nur durch seine Vorgeschichte und das Zusammenspiel dreier verschiedener Menschen, sondern auch durch seine Umsetzung und die nachwirkende Tiefe.

Trotz der noch auffallend zahlreichen in der vorab zur Rezension zur Verfügung gestellten Druckfahne vorhandenen Fehler und Anmerkungen des Verlages versteht bereits das noch unfertige Buch es hervorragend, den Leser auf vielerlei Art in seinen Bann zu ziehen. Völlig egal, ob in der düsteren Jugendbuchausgabe von cbj oder in der so gegenteilig hellen Erwachsenenausgabe des Goldmann-Verlages: Dieses Buch ist in jedem Fall ein Gewinn für jedes Bücherregal und sollte nicht nur von Betroffenen gelesen werden.


Fazit:

Sieben Minuten nach Mitternacht ist eine wundervolle Zusammenarbeit zweier Autoren und eines Illustrators, die einfühlsam mit dem Thema Krebs und dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen weiß. Die einnehmende Grundidee von Siobhan Dowd findet in der mitreißenden Umsetzung durch Patrick Ness und den beängstigenden Illustrationen von Jim Kay ein wohlbehütetes Zuhause, das als Gesamtpaket nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen durchaus ans Herz gelegt wird. Eine Geschichte vom Loslassen und Festhalten, die nahe geht und lange nachwirkt.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5

UBooks, 1. Auflage September 2010
Hardcover, 144 Seiten
mit rund 140 Bildern in Farbe von Janwillem den Hollander
€ 17,95 (D) | € 18,45 (A)
ISBN: 978-2-86608-145-1

Genre: erotischer Bildband


Klappentext:

Bambi lädt ein.
Es wird ein heißer Trip durch die Gedankenwelt einer tätowierten und gepiercten jungen Frau, die selbstbewusst von One-Night-Stands, Analsex und vollgepinkelten Betten berichtet, mal ratgebertauglich, mal augenzwinkernd und warnend, aber immer entwaffnend lustig und unterhaltsam.

Tja, meine Damen und Herren: So kann eine selbstbewusste und emanzipierte Dame von Welt auch auftreten.

Aber keine Sorge: Bambi beißt nicht.


Rezension:

Bambi Lovedoll ist in einschlägigen Kreisen längst bekannt: Mit sehr provozierenden Bildern und wenig gehaltvollen Texten kennt man sie bereits von ihrer Internetseite. Für Fans sollte daher das vorliegenden Buch eine willkommene Ablenkung zu den flimmernden Bildchen auf dem Computer-Monitor sein, und nicht nur das: Endlich kann man Bambi nicht nur anschauen, sondern quasi auch in den Händen halten. Denn mit Willkommen in Bambiland bekommt man nicht nur ein wenig mehr Text als gewohnt, sondern auch zahlreiche Bilder ganz nach Bambi-Mentalität. Gewohnt provokativ in zu den Texten passenden Settings lässt sich Bambi Lovedoll von Janwillem den Hollander in Szene setzen, zeigt dabei wie immer sehr freizügig, was sie hat, und erzählt nebenbei die eine oder andere Anekdote aus ihrem Leben.

Dass man mit diesem Buch-Debüt keine literarische Neuentdeckung oder gar Besonderheit erwarten darf, sollte bereits beim Anblick des Covers klar sein. Den Leser erwartet hier vor allem eins: Körperkunst und -kultur. Es geht um Selbstdarstellung in Form von Piercings und Tattoos, um provokante Stellungen und kontroverse Themen, die auch in der heutigen Gesellschaft größtenteils noch immer als Tabu-Themen behandelt werden, um Sex in seinen möglichsten und unmöglichsten Formen – teils für so manches zarte Gemüt sicher auch peinlich berührend, für manch anderes noch viel zu harmlos. Obwohl die Welt inzwischen der Sexualität doch recht aufgeschlossen ist, dürfte sich der eine oder andere sehr wahrscheinlich peinlich berührt fühlen von den freizügigen Fotos und sehr direkten texten. Doch wer trotz der eindeutigen Covergestaltung etwas anderes erwartet, als ihm geliefert wird, der darf sich nicht wundern – Bambi Lovedoll spricht eine eindeutige Sprache und nimmt weder ein Blatt vor den vorlauten Mund noch eine Verhüllung vor den nackten Körper. Und ist es nicht genau das, was sie ausmacht und was Fans von ihr sehen, hören und in diesem Fall lesen wollen?

Die meisten Fotos sind hervorragend auf ihre dazugehörigen Texte abgestimmt, doch zwischendrin finden sich auch immer wieder Bilder, die Bambi sehr vielseitig zeigen. Mitunter fragwürdige Posen und Aussagen verbinden sich zu einem nahezu explosiven Gemisch, das sowohl begeistern können als auch anstößig wirken wird. Doch wie so oft ist der Grat zwischen beiden Extremen auch hier ein äußerst schmaler – und genau das ist schlussendlich auch der Grund, warum Willkommen in Bambiland den Weg in so einige Regale finden wird. Wenn auch nicht in jedes auf direkt sicht- und greifbarer Höhe.


Fazit:

Literarisch wertvoll ist Bambis Buch-Debüt sicherlich nicht – Leser mit derartigen Erwartungen sollten an diesem Stück der erotischen Literatur definitiv vorbei gehen. Wer sich jedoch mit teils anspruchsvollen, teils aber auch sehr provokativen Bildern und unterhaltsamen, wenn auch nicht immer geschmackvollen Anekdoten aus Bambis Leben die Zeit vertreiben möchte, ist mit Willkommen in Bambiland sehr gut versorgt.


Wertung:

Fotos: 4,5/5
Texte: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Loewe Verlag, 1. Auflage Juni 2011
Originaltitel: Kissed by an Angel
Aus dem Amerikanischen von Claudia Max
Klappenbroschur, 256 Seiten
€ 12,00 (D) | € 12,40 (A)
ISBN: 978-3-78557-360-0
Leseprobe

Genre: Jugendfantasy


Klappentext:

Die Liebe hat ihr die Freude am Leben,
das Lachen und das Glück wiedergeschenkt.

Der Tod hat ihr diese Liebe genommen,
hat ihr Tristan genommen,
gerade als ihr gemeinsames Leben so richtig beginnen sollte.

Doch wahre Liebe überwindet alles,
sogar den Tod –
sogar die Pläne eines brutalen Mörders …


Rezension:

Im Alter von vier Jahren hatte Ivy ein traumatisches Erlebnis, seit dem sie Angst vor Wasser hat und geradezu in Panik verfällt, wenn es darum geht, hinein zu springen oder weiter als bis zur Hüfte rein zu gehen. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihr damals ein Engel zur Seite stand, und glaubt seitdem ebenfalls voller Überzeugung an die Existenz von Engeln. Ihre Sammlung aus Porzellanengeln umfasst fünfzehn kleine Figuren, die sie wie ihren Augapfel hütet. Nur ihr kleiner Bruder darf sie anfassen. Nach einem Schulwechsel lernt sie – erstmal nur von Ferne – das Schwimmtalent Tristan kennen, der klares Interesse an ihr zeigt und sie schließlich zum Schwimmunterricht überreden kann. Und tatsächlich findet Ivy Gefallen am Schwimmen und auch immer mehr an Tristan – eine zarte Liebesgeschichte entsteht. Doch nach einem romantischen Date kommt es zu einem verheerenden Autounfall, bei dem Tristan stirbt, und plötzlich ist in Ivys Leben nichts mehr, wie es sein sollte. Tristans Tod nimmt ihr nicht nur die Lebensfreude, sondern auch den Glauben an ihre Engel – und das ist so ziemlich das Schlimmste, was beiden passieren kann.

Elizabeth Chandler greift wie viele andere AutorInnen ebenfalls das Trendthema Engel auf und verbindet es mit jugendlichen Charakteren zu einem Konzept, das grundsätzlich einfach klappen muss. Und grundsätzlich tut es das auch, denn Kissed by an Angel liefert als Trilogie-Start durchaus interessante Komponenten, die zwar alle irgendwie schon mal da waren und nicht wirklich innovativ sind, jedoch in ihrem Zusammenspiel durch Frische überzeugen können. Dass die Autorin den Leser dabei im ersten Band noch nicht tief in die Geschichte eintauchen lässt, sondern sich viel mit Geplänkel und Zeitschinderei durch Wiederholungen von Szenen aufhält, wirft allerdings ein negatives Licht auf die netten Grundideen. So wird dem Leser zum Beispiel bereits im Klappentext verraten, dass Tristan ums Leben kommen wird, im Buch selbst kommt man jedoch erst nach der Hälfte tatsächlich auch bei diesem Unfall an – vorher gibt es jede Menge Unsicherheit, Geschwafel und derlei Momente, in denen man beide Protagonisten packen und schütteln möchte, da ihre Zuneigung so offensichtlich ist, dass sie fast schon wieder nervt, weil sie nicht zueinander kommen.
Und während die Story selbst locker vor sich hinplätschert, versuchen die Charaktere mitunter durch ihre schlimmen Lebenserfahrungen trotz des jungen Alters, etwas mehr Tiefgang einzubringen. Was nur bedingt funktioniert, denn all die Schicksale und Zufälle auf einem Haufen sind letzten Endes dann doch ein ganz kleines bisschen zu viel. So hat sich die Mutter des einen Charakters umgebracht, der Vater eines anderen ist gestorben und irgendwie finden ausgerechnet diese beiden Familien zueinander – ehrlich, man kann es auch übertreiben. Die geballte Ladung an Negativität lässt Kissed by an Angel sehr viel düsterer wirken, als die Geschichte letztendlich tatsächlich ist und wohl auch sein soll.

Etwas zwiespältig bleibt der Leser auch auf Grund der optischen Gestaltung des Buches. Passend zum Thema sind auf dem Cover die Schatten von Federn zu erkennen, allerdings stören die beiden unterschiedlichen Schriftarten doch sehr: beide für sich sind schön anzuschauen, sodass sie sich durch das Miteinander eher gegenseitig aus- als den Leser bestechen. Und auch der starre Blick des abgebildeten Gesichtes berührt eher unangenehm – nicht nur weil (Frauen-)Gesichter aktuell offenbar Standard in der Jugendliteratur sind. Ein Lob hingegen muss unbedingt für die Kapitelanfänge und den Aufdruck am längsseitigen Schnitt ausgesprochen werden. Letzteres kommt nur selten vor und ist eine wirklich ansehnliche Idee; man kommt tatsächlich ins Grübeln, in welche Richtung zeigend man das Buch ins Regal stellen soll.

Wirft man einen Blick auf das Gesamtpaket, weist der Trilogie-Start von Elizabeth Chandler noch zahlreiche Schwächen auf, die sich mit dem erkennbaren Potential die Waage halten. Es bleibt also abzuwarten, ob die Charaktere und auch die Geschichte sich in beiden Folgebänden weiterentwickeln können und der Leser doch noch mitgerissen wird.


Fazit:

Der erste Teil der Trilogie um Ivy und Tristan Kissed by an Angel bietet noch nicht besonders viel, um den Leser von sich zu überzeugen. Langes Vorhergeplänkel und das durch den Klappentext vorweg genommene „Geheimnis“ lassen die Geschichte nur langsam anlaufen, aber auch darauf hoffen, dass die beiden Folgebände mehr zu bieten haben. Ein flüssiger Sprachstil macht das Debüt von Elizabeth Chandler zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, von dem zwar nicht unbedingt viel hängen bleibt, das jedoch auch Lust auf die Folgeromane macht.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

cbj audio, 1. Auflage März 2011
Gekürzte Lesung
Gesprochen von Yvonne Catterfeld
Originalverlag: S. Fischer
5 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 310 Minuten
€ 16,99 [D] | € 16,99 [A] | CHF 28,50
ISBN: 978-3-8371-0849-1

Genre: Belletristik-Hörbuch


Klappentext:

Folge deinem Traum!

Angelia hat einen Traum. Sie will unbedingt als Sängerin den Durchbruch schaffen. Und sie ist fest davon überzeugt: Nur wer träumt, der lebt! Um ihren Traum wahrzumachen, geht sie nach London. Dort erlebt sie mit dem ungleichen Brüderpaar Josh und Jeremy Licht und Schatten von Freundschaft und Liebe. Angelia geht durch Glück und Enttäuschung, muss sich ihrer Vergangenheit stellen – und bleibt doch immer auf dem Weg, den ihr Traum ihr zeigt …


Rezension:

Als ihr Vater seinem Krebsleiden erliegt und ihre Mutter viel zu schnell wieder zum Alltag zurückkehrt, beschließt Jana, ihr Leben zu ändern. Mehrere Wochen gibt sie sich der Trauer hin und nutzt diese Zeit zum Nachdenken, bis sie schließlich den Entschluss fasst, nicht länger den von ihrer Mutter gern gesehenen Weg zu gehen, sondern ihre eigenen Ziele zu verfolgen und ihren Traum vom Musikgeschäft wahr werden zu lassen. Welche Stadt käme dafür mehr in Frage als London, wo ihr Vater aufgewachsen ist? Er war es schließlich, der ihr alles, was sie über Musik und das Gefühl dafür wissen muss, beigebracht hat. Er war nicht nur ihr Vater, sondern auch ihr Mentor und ihr bester Freund. Seit seinem Tod ist Janas Welt nicht mehr rund, nicht mehr vollständig und für sie gibt es nur einen Weg, sich wieder wirklich lebendig fühlen zu können: Die Erfüllung ihres Traumes. Und sie ist sich sicher, dass ihr Vater diese Entscheidung in jedem Punkt gut heißen würde, also tritt sie nach recht kurzer Vorbereitungszeit die Reise nach London an, um dort ihr Leben endlich eigenständig in Angriff zu nehmen. Der erste Schritt hierzu ist die Ingebrauchnahme ihres zweiten Vornamens, den ihr Vater ihr direkt nach der Geburt gegeben hat: Angelia.

In London angekommen macht Angelia sich auf die Suche nach ihrer neuen Unterkunft und gerät sofort mit Jeremy aneinander, der mit ihrem Einzug in das alte Haus seiner Tante gar nicht einverstanden ist. Doch sein Bruder Josh hat Angelias Einzug bereits beschlossen, sodass Jeremy nicht viel übrig bleibt, als sich seinem Schicksal zu fügen und seine neue Mitbewohnerin zu akzeptieren. In Josh findet Angelia einen Seelenverwandten, während Jeremy immer abweisend bleibt – ein ungleiches Geschwister-Paar, das jedoch auf seine ganz eigene Art Reiz auf Angel ausübt. Schnell kommt sie jedoch dahinter, dass beide Brüder ihre Geheimnisse haben – und nicht nur das. Sie stellt auch fest, dass ihr Vorhaben, weshalb sie nach London gekommen ist, sich gar nicht so einfach umsetzen lässt. Und so gestaltet sich ihr neues Leben sehr vielseitig, mal anstrengend und frustrierend, mal erheiternd und federleicht – jedoch immer lebenswert und sie lernt nicht nur viel über sich selbst, sondern erfährt auch eine Menge über ihren Vater, über Freundschaft und was es bedeutet, wirklich zu lieben.

Das Lied der Träumerin konnte bereits als Roman in gebundener Form, erschienen beim Fischer Jugendbuch Verlag, in seinen Bann ziehen. Nur selten beeindruckt ein Buch mit einer solchen Macht, dass man über seinen Schatten springt und auch dem eigentlich eher abneigungswürdigem Genre des Hörbuchs eine Chance gibt. Im Fall des vorliegenden Hörbuchs ist dieser Schritt ein vielfältig lohnenswerter, denn neben der – zwar leicht gekürzten, jedoch nicht weniger wirkungsvollen – Geschichte von Angelia, ihrem Lebenstraum und dem steinigen Weg dorthin erwarten den Hörer auch noch einige von der Autorin geschriebene und selbst eingesungene Lieder, die schon als Liedtexte im Roman eingeflochten eine besondere Wirkung hatten. Nun bekommen diese Texte eine Stimme und schnell wird klar, dass sich Tanya Stewner, sollte es mit dem Schreiben irgendwann einmal nicht mehr klappen, getrost auf eine zweite Karriere als Musikerin und Sängerin einlassen kann – ganz wie ihre Protagonistin Angelia.

Doch nicht nur die Stimme der Autorin versteht überraschend zu überzeugen, auch die Wahl der Sprecherin scheint wohlüberlegt zu sein. Die klare und sanfte, in den richtigen Szenen aber auch harte und laute Stimme von Yvonne Catterfeld – bekannt geworden vor allem durch ihre Zeit in der DailySoap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und diverse Charthits – lädt passend zur Geschichte ebenfalls zum Träumen ein, was beim Anhören besonders leicht fällt, da man sich – wenn gewollt – bereits von Anfang an gemütlich zurücklehnen und Angelias Weg einfach auf sich wirken lassen kann.

Als Gesamtpaket besticht die Hörbuch-Fassung vom Lied der Träumerin mindestens genauso gut wie die Roman-Ausgabe. Hörbuch-Skeptikern ist mit dieser Geschichte die Möglichkeit gegeben, ein in jeder Hinsicht nicht allzu anstrengendes Buch aus sich wirken lassen zu können, und sie funktioniert. Aufgeschlossener nicht nur den eigenen Träumen und Zielen, sondern auch anderen Hörbüchern gegenüber ist die Rezensentin nach dem Hören zufrieden. Ein erneutes Eintauchen in die Geschichte eines jungen Mädchens, das auszog, um sich von den Fesseln ihrer Mutter loszumachen und ihren Traum zu verwirklichen, war lohnenswert – und wird es wahrscheinlich immer wieder sein.


Fazit:

Auch als Hörbuch kann Das Lied der Träumerin vollends überzeugen. Angelias Geschichte, die schon beim Lesen ein Gänsehautgefühl ausgelöst hat, bekommt durch die Stimme der bekannten deutschen Sängerin Yvonne Catterfeld eine neue Intensität. In Kombination dürften Roman und Hörbuch das perfekte Geschenk für jede Träumer-Seele sein und gerade für Hörbuch-Neueinsteiger ist dieses hervorragend geeignet.


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Hörspaß: 4,5/5
Sprecherin: 5/5
Lieder: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Rezension des Romans

rororo, 1. Auflage Januar 2011
Taschenbuch, 208 Seiten
12,99 € (D) | 13,40 € (A)
ISBN: 978-3-499-21573-5
Leseprobe

Genre: Belletristik


Klappentext:

«Warum musst du eigentlich immer so negativ sein?», fragte Dine. «Alles findest du doof.» Katinka drehte sich zu ihr um. «Ich finde alles doof? Kannst du mir bitte eine Sache in den vergangenen vierundzwanzig Stunden sagen, die nicht doof war? Also eine, die nur ansatzweise erträglich war? Wir verfahren uns, du hast die falsche Reisetasche dabei, in dieser Dorfspelunke müssen wir uns wie Schwerverbrecher behandeln lassen und die Nacht im Auto verbringen, und jetzt stehen wir in diesem Kaff hier mit diesem Haus, das gern ein Hotel sein möchte, einem schwachsinnigen Typen an der Seite und einem Pferd, das mir auf die Stiefel scheißt. Da gehe ich lieber ins Gefängnis, als mit dir hierzubleiben.» «Da gehörst du auch hin. Aber vorher müssen wir hier etwas tun, sonst gehen wir leer aus.»


Rezension:

Dine und Katinka waren eineiige Zwillinge. Sie hatten beide fast schwarzes, gelocktes Haar, waren groß und schlank, selbst ihre Bewegungen waren identisch, und beide hatten ein kleines Muttermal an exakt derselben Stelle. Trotzdem konnte man sie bestens auseinanderhalten, denn Dine hatte hellblaue und Katinka hellgrüne Augen. Das kam manchmal vor, und es erleichterte in diesem Fall ja auch vieles.
(Seite 12)

Sie gleichen wie ein Ei dem anderen und könnten doch unterschiedlicher nicht sein: Die Zwillinge Dine und Katinka sind wie Feuer und Wasser. Seit dem Kleinkindalter herrscht eine nicht verständliche Konkurrenz zwischen den beiden, ständig sind sie am Streiten, keine kann es der jeweils anderen recht machen. Als ihre Großmutter stirbt und jeder eine Menge Geld hinterlässt, ist dieses Erbe an eine Bedingung gebunden: Sie müssen das alte Hotel „Friesenzauber“ renovieren und anschließend mehrere Monate durchgehend ausgebucht sein – und während all dieser Zeit dürfen sie einander nicht von der Seite weichen. So steht es im Testament und natürlich lockt das Geld die beiden jungen Frauen – doch lockt es genug, um das Kriegsbeil vorübergehend zu begraben und die Auflagen zu erfüllen?
Schon bei der Anreise werden Dine und Katinka auf eine harte Probe gestellt und bei der Ankunft am Hotel steigt ihre Laune nicht im Geringsten, von der Motivation ganz zu schweigen. Aber nicht nur das sich in einem nicht sehr einladenden Zustand befindenden Hotel bringt die Mädels an ihre Grenzen, auch die Bewohner des kleinen Dörfchens scheinen den beiden Fremdlingen gegenüber nicht besonders aufgeschlossen zu sein. Und so wird den Zwillingen die eine oder andere Hürde in den Weg gestellt, die es zu überwinden gilt – schließlich winkt eine nicht geringe Summe am Ende der Strecke. Auf dem Weg dorthin müssen Dine und Katinka jedoch weit mehr als nur vor die Füße geworfene Felsbrocken aus dem Weg schaffen, denn auch ein lang gehütetes Geheimnis drängt an die Oberfläche und stellt alles auf den Kopf.

Eine an sich wirklich nette Idee für einen lockeren Unterhaltungsroman, die Steffi von Wolff dem Leser da bietet. Wenn die Umsetzung nun – zumindest in Bruchteilen – genauso ansprechend wäre, gäbe es an Ausgebucht nicht viel auszusetzen. Die Realität jedoch sieht anders aus: nämlich völlig unrealistisch. Die Grundidee an sich – eine alte Frau, die ihre beiden Enkelinnen zueinander führen möchte – ist eine schöne und auch der Plan, den die Großmutter der Zwillinge ausgeheckt hat, ist sicherlich einer der guten Sorte. Doch die Probleme, vor die beiden jungen Damen gestellt werden, und vor allem ihr Umgang damit ist wirklich haarsträubend. Auch die letztendliche Auflösung aller Schandtaten und das mehr als klassische HappyEnd sind langweilig und bleiben dem Leser schwer im Magen liegen. Hieraus hätte man sehr viel mehr machen können – sowohl aus der Geschichte an sich als auch aus jedem einzelnen Charakter.

Die Dorfbewohner werden nahezu ununterbrochen als unfreundlich und in keiner Weise umgänglich dargestellt, sodass man sich als nicht in einer Großstadt aufgewachsener Leser doch fragen muss, welche Vorurteile und Klischees die Autorin in ihrem Roman unbedingt bedienen musste. Auch die eingebundene(n) Liebesgeschichte(n) wirken eher plump und liefern zu keinem Zeitpunkt das, was man sich wünschen würde. Einzig die verstorbene Großmutter kann auf kuriose Weise von sich überzeugen, was wahrscheinlich daran liegt, dass ihr keine Möglichkeit zum aktiven Eingreifen in die Geschichte mehr gegeben ist. Und auch bei den Dialogen gibt es kaum Augenblicke, in denen man nicht schnell weiterblättern möchte. Highlights sind insgesamt nur wenige zu finden. Dabei scheinen die Grundzüge der Charaktere tatsächlich durchdacht zu sein, nur ist Steffi von Wolff wohl während des Schreibens die Lust am weiteren Ausarbeiten ausgegangen.

Schade, denn etwas mehr Mühe hätte sich bei diesem Roman für alle Beteiligten durchaus rentiert: Für die Protagonisten, für die Autorin und für die Leser. So bleibt ein fast durchgehend bitterer Nachgeschmack zurück und teilt sich den Platz mit der sich aufdrängenden Frage, wie Steffi von Wolff unter ihrem Pseudonym „Rebecca Stephan“ so anmutige und mitnehmende Literatur verfassen kann, während ihr Original nichts von dieser Raffinesse vorzuweisen hat.


Fazit:

Ein unglaubwürdiger Plot, unsympathische Charaktere, humorlose Dialoge und eine generell vorherrschen zu scheinende Lieblosigkeit machen Ausgebucht zwar zu einer kurzweiligen Unterhaltungslektüre für zwischendurch, lassen den Leser aber enttäuscht und unzufrieden zurück.


Wertung:

Handlung: 2/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 1,5/5


Stephan, Rebecca: Zwei halbe Leben

cbt, 1. Auflage April 2011
Originaltitel: Embrace # 1
Aus dem Englischen von Sonja Häußler
Taschenbuch, 480 Seiten
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 15,50
ISBN: 978-3-570-38011-6
Leseprobe

Genre: jugendliche Dark-Fantasy


Klappentext:

An Violet Edens 17. Geburtstag gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie erhält einen Brief ihrer verstorbenen Mutter und erfährt: Sie ist eine Grigori, ein Wächter-Engel – genau wie der unglaublich attraktive, nur leider so unnahbare Lincoln, für den sie schwärmt. Mit siebzehn erwachen ihre Fähigkeiten und rufen gefährliche Gegner auf den Plan. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie ihre Gabe annimmt in einer Welt, in der Engel des Lichts und Engel der Finsternis einen schrecklichen Kampf führen …

Romantisch. Dramatisch. Atemberaubend.


Rezension:

Violet ist ein normales Mädchen mit normalen Alltagsproblemchen. Ihr Vater arbeitet viel und ist kaum Zuhause, ihre Mutter starb bei ihrer Geburt. So hat Vi viel Zeit für ihre beste Freundin und das Training mit Lincoln, in den sie schon lange heimlich verliebt ist, der jedoch nichts von ihren Gefühlen zu ahnen scheint. Zu Violets siebzehnten Geburtstag bestellt ihr Vater sie in sein Büro, wo er ihr ein geheimnisvoll wirkendes Holzkästchen und einen versiegelten Brief überreicht – das Erbe ihrer Mutter, die lange vor ihrem Tod wusste, was mit dem siebzehnten Lebensjahr auf ihre Tochter zukommen würde. Denn Violet trägt wie ihre Mutter das Blut der Grigori in sich und ist dazu bestimmt, die gefallenen Engel des Lichts und der Finsternis auf den richtigen Weg und schließlich zurück ins Himmelreich zu bringen. Doch diese Neuigkeit soll nicht die einzige bleiben, mit der die Teenagerin ab diesem Tag klarkommen muss – denn noch mehr Geheimnisse kommen ans Licht und ziehen Violet immer tiefer zwischen die Fronten, ob sie nun will oder nicht. Und Lincoln wird nicht der Einzige bleiben, der sie auf diese ganz bestimmte Art anzieht …

Ein junges Mädchen, das seine wahre Bestimmung erfährt, in einen Krieg hineingezogen wird und zwischen zwei Männern steht – der Stoff, aus dem die Jugendliteratur der Dark Fantasy ist. Und tatsächlich scheint auf den ersten Blick auch Erwacht zu den typischen Klischee-Geschichten zu gehören, doch der Leser wird mit fortschreitender Seitenanzahl eines Besseren belehrt. Wirklich innovativ ist Violets Geschichte dabei zwar nicht, doch irgendwie hat dieses Buch etwas, das man bei anderen Romanzen dieser Art noch nicht entdeckt hat. Was genau, kann hier leider nicht in Worte gefasst werden, schließlich soll der Leser sich ja selbst ein Bild vom vorliegenden Roman machen. Für Freunde der paranormalen Literatur ist der Auftakt der Trilogie um die Wächter-Engel eine wahre Fundgrube und gerade Jugendliche dürften sich hervorragend unterhalten wissen. Der Zielgruppe entsprechend ausgerichtet ist die Sprache leicht zu lesen und leicht zu verstehen, sodass es für Erwachsene so manches Mal eventuell an Spannung fehlen könnte.

Dass es hier und da ein wenig holpert, ist gar nicht schlimm und kann durchaus als Debüt-krankheit abgetan werden. Zwar gibt sich Violet viel zu schnell mit ihrem neuen Leben zufrieden – jedem anderen hätte diese Entdeckung wahrscheinlich mehr Angst gemacht – , doch sie schafft es erstaunlich gut, mit der ganzen Wächter-Engel-Situation umzugehen. Ihre Freundschaft zu Lincoln wird hier auf eine harte Probe gestellt und mehr als einmal sieht es stark danach aus, als wäre sie zum Scheitern verurteilt. Jessica Shirvington versteht es hier sehr gut, den emotionalen Zwiespalt von Violett darzustellen, wobei nicht immer dieser andere Junge – Phoenix – für diese Verwirrtheit verantwortlich ist. Vieles liegt auch in der Vergangenheit begraben und kommt nur langsam ans Licht. Violet muss ihr Erbe als Grigori offiziell anerkennen und dies bedeutet einen einsamen und anstrengenden Weg, der Gefahren birgt und sie vor neue Herausforderungen stellt. Am Ende der anschaulich beschriebenen Reise, die einen der besten Teile des Romans darstellt, warten jedoch schon neue Aufgaben auf sie und sie muss schnellstens herausfinden, wem sie vertrauen kann. Die verschiedenen Charaktere, die insgesamt zum Einsatz kommen, dürfen sich im Folgeband hoffentlich auf längeres Mitspielen freuen, sehr gerne auch mit mehr Ecken und Kanten, denn mitunter sind die Protagonisten doch sehr glatt anzusehen.

Das Debüt von Jessica Shirvington hat noch einige Macken, die es in den Folgebänden glatt zu bügeln gilt. Trotzdem versprechen die Grundidee und der erste Band der voraussichtlichen Trilogie um die Wächter-Engel zumindest zeitweise gute Unterhaltung und einen spannenden Zeitvertreib. Verlockt steht schon jetzt auf der Leseliste für das kommende Jahr.


Fazit:

Ein anschauliches Debüt und ein Trilogie-Auftakt, der sich trotz kleiner Schwächen durchaus sehen lassen kann – Erwacht liefert Einblicke und einen guten Einstieg in das Leben und die Geschichte von Violet und den anderen Grigori. Der Fortsetzung Verlockt wird nun sehnsüchtig entgegen geblickt, um hoffentlich den Erwartungen des angefütterten Lesers gerecht zu werden.


Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5